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Rendsburg Förderverein feiert 30-jähriges Bestehen
Lokales Rendsburg Förderverein feiert 30-jähriges Bestehen
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20:00 19.06.2019
Von Beate König
Foto: Eins der Lieblingsstücke von Lutz Bertram: Ein Electrola-Grammophon von 1921 aus dem Geschäft von August Bootz, dem Vater von Erwin Bootz von den Comedian Harmonists.
Eins der Lieblingsstücke von Lutz Bertram: Ein Electrola-Grammophon von 1921 aus dem Geschäft von August Bootz, dem Vater von Erwin Bootz von den Comedian Harmonists. Quelle: Beate König
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Nortorf

Wenn am Donnerstag um 19 Uhr der Förderverein Museum Nortorf in der Kramer-Scheune sein 30-jähriges Bestehen mit einer After Work Party feiert, ist das ein Dank an die 100 Mitglieder, erklärt Vorsitzender Lutz Bertram. Der seit Jahren schwelende Streit, ob das ehemalige Kesselhaus des Schallplattenpresswerks Teldec, das zuletzt unter Ok Media firmierte, zum neuen Museum wird, und der dafür anberaumte Bürgerentscheid, stehen am Festtag im Hintergrund.

Günter Richter gründete den Verein

Günter Richter gründete mit neun Nortorfern 1989 den Verein mit dem Ziel, das Museum Nortorf ehrenamtlich zu fördern, einzurichten und zu betreiben. 1997 hatte die Stadt dem Verein am Jungfernstieg 6 dafür ein ehemaliges Wohngebäude miet- und nebenkostenfrei zur Verfügung gestellt. Richter begann, die Sammlung zur Nortorfer Stadtgeschichte aufzubauen, die 300 Stücke umfasst.

Die 2500 Exponate umfassende Einrichtung der alten Apotheke von Dr. Blitz kam als pharmazeutischer Schatz dazu. „Der Tresen wurde beim Umbau im Museum per Gabelstapler durchs Fenster im Obergeschoss des Hauses geschoben, das werde ich nie vergessen“, erinnert sich Lutz Bertram, der vor 20 Jahren Mitglied wurde. 2002 begann der Museumsbetrieb mit Führungen. Aktuell gibt es acht ausgebildete Museumsführer, zwölf Vereinsmitglieder sind im Museum aktiv.

Anfangs gab es für den Bereich Schallplatte nur in einer Ecke Platz. Das änderte sich, als nach der Insolvenz 2012 der Abriss von OK Media begann. „Wir hatten mitbekommen, dass dort alte Maschinen gesammelt worden waren.“ 18 Mann vom Verein holten in fünf Stunden Schallplattenpressen, Karussellofen, Demo-Bänder, Akten, selbst Holzfußböden aus der Galvanic-Abteilung aus den Gebäuden auf dem 30000 Quadratmeter großen Firmengelände - heute ein einmaliger historischer Schatz.

Technischer Betriebsleiter der Teldec erklärte die historischen Maschinen

Heinz Borchard, technischer Betriebsleiter der Teldec bis 1987, erklärte den Ehrenamtlern, wie die Maschinen, die von der Tedelc selbst entwickelt wurden, funktionieren. „Er war ein guter Lehrmeister“, sagt Lutz Bertram.

80000 Exponate erzählen Schallplattengeschichte

Auf 80000 Exponate schätzt Bertram die Sammlung rund um die Schallplattenherstellung, die Entwicklung der analogen Abspielmedien, die Firmengeschichte der Teldec. „Ich denke, wir sind die einzigen auf der Welt, die noch Schellack besitzen.“

Dutzende Tonbandgeräte, hochwertige Plattenspieler und Boxen, 45000 Schallplatten wurden gespendet. Der Verein investierte 15000 Euro in Raritäten. Im Kesselhaus warten historische Maschinen zur Herstellung von Tonbändern und Musikkassetten, eine Heidelberg-Druckmaschine für die Cover-Herstellung darauf, vom Stück Zeitgeschichte zu erzählen, in der analoge durch digitale Technik abgelöst wurde.

Auch ein größeres Museum kann ehrenamtlich betrieben werden

„Wir brauchen Platz!“ sagt Bertram. Ein Museum mit den Stücken könnte ein überregionales Alleinstellungsmerkmal werden. Ein großes Schallplattenmuseum gebe es in Deutschland nicht, sagt Bertram. Auch ein größeres Museum könne ehrenamtlich betrieben werden. Vorbild sei das Elektromuseum in Harburg.

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