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Rendsburg Land möchte Tierexporte regeln
Lokales Rendsburg Land möchte Tierexporte regeln
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18:54 15.02.2019
Von Thorsten Geil
Foto: Ein Aufkleber mit der Aufschrift "Vorsicht lebende Tiere", klebt an einem Tiertransporter.
Ein Aufkleber mit der Aufschrift "Vorsicht lebende Tiere", klebt an einem Tiertransporter. Quelle: Philipp Schulze/dpa
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Rendsburg

Die Leiterin des Rendsburger Kreis-Veterinäramts und Landrat Rolf-Oliver Schwemer hatten die Entscheidung am Donnerstag damit begründet, qualvolle Tiertransporte und vor allem brutale Schlachtmethoden in den Zielländern verhindern zu wollen. Ausgelöst wurde das durch einen aktuellen Fachaufsatz, wonach Amtstierärzte sich möglicherweise strafbar machten, wenn sie die Transporte genehmigten. Auch Steinburg entschied am Freitag so.

Um diese Länder geht es

Betroffen von dem Exportverbot sind die Türkei, Jemen, Libanon, Marokko, Algerien, Ägypten, Aserbaidschan, Syrien, Jordanien, Kasachstan, Kirgistan Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan. Nicht betroffen sind Tiertransporte innerhalb Deutschlands oder innerhalb der EU.

Nach Einschätzung von Staatssekretärin Erdmann haben die Transporteure einen Anspruch auf Genehmigung, wenn sie formale Kriterien erfüllen. Eine Verordnung der Europäischen Union betrachte aber nur den Transport, nicht die Schlachtung vor Ort.

Schlachtbetriebe sind eine Black Box

"Die Schlachtbetriebe sind für uns eine Black Box. Wir wollen auf Ebene von Bund und Ländern versuchen, Licht in diese Black Box zu bringen", sagte Anke Erdmann. Und die Landesregierung wolle den Bund bitten, Einschätzungen für die jeweiligen Zielländer abzugeben, ob dort tiergerecht geschlachtet wird.

RSH reagiert empört und lehnte jede Stellungnahme ab

Die Transporte aus Schleswig-Holstein werden über einen Sammelplatz in Dätgen bei Nortorf abgewickelt. Diesen "Exportstall" betreibt die Genossenschaft Rinderzucht Schleswig-Holstein (RSH). Deren stellvertretender Geschäftsführer Erwin Hasenpusch reagierte am Freitag empört über die Berichterstattung und lehnte eine Stellungnahme ab.

Klaus-Peter Lucht, Vizepräsident des Bauernverbands, zeigte Verständnis, dass die Amtstierärzte Rechtssicherheit brauchen. "Das muss schnell geklärt werden. Aber wir sind nicht zuständig für Nicht-EU-Länder und haben nicht das Recht zu urteilen, wie es dort in Schlachthöfen aussehen soll", sagte er. Außerdem transportiere man ausschließlich Zuchtvieh, kein Schlachtvieh.

Tierschützer freuen sich

So sieht es auch die Tierschützerin Helga Leydag aus Bargteheide. "Endlich, endlich! Aber es kann nur ein erster Schritt sein. Die quälenden Tiertransporte über tausende Kilometer müssen endlich aufhören", sagte sie.

Man könne auch Tiersamen verschicken

Die pensionierte Lehrerin engagiert sich in der Initiative "Mensch – Fair – Tier". Sie glaubt, die Amtstierärzte hätten nicht aus Überzeugung gehandelt, "sondern nur aus Angst vor rechtlichen Konsequenzen für sich selber. Und die Tierhalter werden massiv dagegen vorgehen". Ihrer Meinung nach brauche kein Tier lebend durch Europa gekarrt werden. "Angeblich geht es ja um den Export von Zuchtrindern. Aber wenn es um die Zucht ginge, könnte man auch Tiersamen verschicken."

Wolfgang Mahnkopf 15.02.2019
15.02.2019
Wolfgang Mahnkopf 15.02.2019