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Rendsburg Frust und Ärger beim Sparclub
Lokales Rendsburg Frust und Ärger beim Sparclub
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06:00 29.12.2018
Von Frank Scheer
120 Teilnehmer eines Sparclubs in Nortorf haben 2018 ihre Fächer in einem solche Sparschrank gefüllt - am Zahltag erhielten sie aber nur 15 Prozent ihres Guthabens zurück. Der Rest soll im Januar oder Februar folgen. Quelle: Uwe Paesler
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Nortorf

Woche für Woche bestückten die Sparer 2018 ihre Schubladen in den beiden Sparschränken in Kruppke’s Bierstuben. Am Donnerstag vor Weihnachten gab’s bei der Versammlung zum Zahltag einen Schlag ins Gesicht: Statt der ganzen Summe erhielt jeder Sparer nur 15 Prozent seiner eingezahlten Summe ausgeschüttet. Das berichteten unserer Zeitung mehrere Betroffene, von denen keiner namentlich genannte werden wollte, unabhängig voneinander.

Sparsumme: 40 000 bis 70 000 Euro

Offenbar stand der Rest der Sparsumme am Zahltag nicht zur Verfügung. Ob und wann die offenen Einlagen zurückgezahlt werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt unklar. Die konkrete Höhe der Sparsumme ist nicht bekannt. Eine Summe von 40 000 bis 70 000 Euro ist im Gespräch. Marco Kruppke, der Verantwortliche des Sparclubs, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Drei Strafanzeigen wegen des Verdachts der Untreue sind bei der Kriminalpolizei in Rendsburg bislang gestellt worden, bestätigte Polizeisprecher Sönke Hinrichs.

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Rest der Summe soll im Januar oder Februar ausgezahlt werden

„Zwei Termine für die Auszahlung sind im Dezember verschoben worden. Begründet wurde dies mit Argumenten, die Bank habe das Geld nicht rechtzeitig bereitstellen können oder der Verantwortliche sei krank“, erzählte ein Sparer. Ein anderer berichtete: Am Zahltag seien ein Mitarbeiter eines Steuerbüros und der Bruder des Verantwortlichen in der Gaststätte in der Hohenwestedter Straße 25 aufgetreten und hätten mitgeteilt, dass nur 15 Prozent der Summe ausgezahlt würden. „Der Rest werde im Januar oder Februar folgen, versicherten sie der aufgebrachten Versammlung.“

"Damit hatte niemand gerechnet"

Ein Rentner, der bereits 40 Jahre dem Sparclub angehört, hatte über seine Zahlungen Buch geführt. Über 2000 Euro hatte er beiseite gelegt – knapp über 300 Euro erhielt er am Zahltag mit nach Hause. „Damit hat auch wirklich niemand gerechnet. So etwas geht nicht, auch wenn die Familie des Verantwortlichen jetzt geradestehen will“, fügte er hinzu. Viele Sparer nutzten einen solchen Club, um mit der angesparten Summe kurz vor Weihnachten Geschenke, Anschaffungen oder auch Reisen im neuen Jahr zu bezahlen. Daraus wurde nichts. Trotz der Ankündigung, dass im Frühjahr bezahlt werde: Ein Sparer hat per Rechtsanwalt das gerichtliche Mahnverfahren gegen Kruppke eingeleitet, ein weiterer will die Möglichkeit in Anspruch nehmen.

Sparclubs haben eigentlich strenge Richtlinien

Sparclubs haben eigentlich einen Vorstand und eine Satzung, die das Prozedere der Geldentnahme und der Einzahlung auf das Konto klar regelt. Offenbar ist dies aber im Nortorfer Sparclub relativ lax geregelt worden. Einen Vorstand habe es schon lange nicht mehr gegeben, und das Vier- oder Sechs-Augen-Prinzip bei der Schubladenleerung sei auch nicht immer gepflegt worden, hieß es. Und wie viel Geld letztlich dann aufs Sparkonto eingezahlt worden ist, ist unklar. Zu den laufenden Ermittlungen wollte sich Polizeisprecher Hinrichs nicht äußern.

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