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Rendsburg Stele an der St. Martin-Kirche erinnert an getötete Soldaten
Lokales Rendsburg Stele an der St. Martin-Kirche erinnert an getötete Soldaten
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20:14 02.11.2019
Von Beate König
Künstler Jörg Plickat (2. von links) gestaltete die Bronze-Stele, die an 220 Nortorfer erinnert, der im Zweiten Weltkrieg als Soldaten starben. Meinhard Jaster (links), Klaus Schuldt (rechts) vom Bürgerforum und Kirchenvorstand Hanns Lothar Kaempfe hatten sich für die Gedenkstätte stark geacht.. Quelle: Beate König
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Nortorf

Mit der neuen Stele neben der St. Martin-Kirche werden erstmals die Namen der im Zweiten Weltkrieg getöteten Soldaten, die Nortorfer waren, im öffentlichen Raum genannt. „In den Dörfern ringsum gibt es Mahnmale“, war einer der Gründe für das Bürgerforums, sich für die Stele zu engagieren. Im Stadtpark gibt es einen Gedenkstein für alle Kriegsopfer, in der Kirche St. Martin liegt ein Gedenkbuch aus.

220 Namen auf der Stele erzählen ungeschönt ein Stück Stadtgeschichte. Meinhard Jaster vom Bürgerforum rückte die Zahl in den historischen Zusammenhang: In den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts hatte die Stadt rund 3400 Einwohner. In der Altersgruppe zwischen 18 und 30 Jahren sei jeder zweite Mann gefallen.

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Geschichte wird konkret erfahrbar

Es gab bei der Vorstellung des Gedenkprojekts vor vier Jahren aus den Reihen der SPD Kritik: Man wisse nicht, welchen politischen Hintergrund die Geehrten haben. „Es können auch Täter darunter sein,“ erklärte Meinhard Jaster offen. Die Mitglieder des Bürgerforums gehen davon aus, dass die Mehrzahl der jungen Männer Verblendete und Verführte waren. Aus Sicht des Bürgerforums steht das Mahnende der Namensliste im Vordergrund: Geschichte wird konkret erfahrbar. Tragen Gefallene blöckeweise gleiche Nachnamen, werden tragische Familienschicksale nachvollziehbar.

Zukünftige Generationen sollen gewarnt werden.  „Geschichtslehrer können mit zehnten Klassen die Stele besuchen“, sagte Jaster. Die Schüler könnten dort das Alter der Soldaten im Todesjahr berechnen. - „Im Schnitt 27 Jahre“, sagt Jaster. „Zwei waren sogar erst 17.“ Meinhard Jaster will die Familiengeschichten, die er bei der Recherche entdeckte, in einer Broschüre zusammenfassen.

Meinhard Jaster sammelte über ein Jahr lang die Namen, er fand sie in einer Zusammenstellung des Nortorfer Historikers Günter Richter, in Todesannoncen , in den Archiven von Rendsburg und Nortorf. Die Kriegsgräberfürsorge stellte Daten zur Verfügung.

Der international bekannte, in Bredenbek lebende Bildhauer Jörg Plickat entwarf die 1,90 Meter hohe Stele mit den vier 90 mal 55 Zentimeter hohen Bronzetafeln, die auf einem Würfel aus portugisieschen Granit ruhen. Name, Geburts- und Todesdatum stehen in Großbuchstaben der Type Helvetica auf den Platten. In einem dem Tiefdruck ähnlichen Verfahren wurden die Buchstaben zwei Millimeter erhaben gegossen. 

Bronzeelement und Sockel wiegen jeweils 280 Kilogramm

Am Arm eines Lanz-3000-Baggers hievte Kirchenmitarbeiter Peter Godt am Sonnabend das Mahnmal vom Autoanhänger des Künstlers zu seiner Position auf der Nordseite der St. Martin-Kirche. Das Bronzeelement und der Sockel wiegen jeweils 280 Kilogramm. Jörg Plickat entfernte Schutzlagen von Decken und Kunststoffbahnen, hob das in einem Pflastersteinquadrat vorbereitete Fundamentloch für den Anker-Sporn aus Stahl noch ein paar Zentimeter tiefer aus und setzte die Stele auf per Hand angemischten Beton.

Der Bronzetafel-Herstellung ging eine Ausschreibung voraus, auf die sich elf Firmen meldeten. Bieber, eine Kunstgießerei aus dem Siegerland, bot an, die Tafeln zusammenzuschweißen und den Deckel aufzusetzen. Die Kirchengemeinde St. Martin, das Bürgerforum, die Stadt, die CDU, die Sparkasse Mittelholstein und die VR Bank stemmten gemeinsam die Investition für das Mahnmal, die im niedrigen fünfstelligen Bereich liegt.

Das Bürgerforum und der Kirchenvorstand folgten Jörg Plickats Rat, das Mahnmal in einer Sichtachse mit der Gedenkstele für die Euthanasieopfer aufzustellen, die Künstler Manfred Sihle-Wissel vor vier Jahren stiftete. Klaus Schuldt vom Bürgerforum kündigte an, dass ein weiteres Mahnmal geplant sei: „Für die Zwangsarbeiter.“

Am Volkstrauertag, Sonntag, 17. November, wird die Gedenk-Stele um 11 Uhr eingeweiht.

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Klicken Sie hier für weitere Fotos vom Aufbau der Stele.

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