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Rendsburg Telefonärger: Funkstille für Senioren
Lokales Rendsburg Telefonärger: Funkstille für Senioren
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18:06 04.11.2013
Von Cornelia Müller
Bärbel Gülck, Vorsitzende des Vereins Begegnungsstätte Dänischenhagen, ist fassunglos. Seit 21. Oktober gibt es keinen Telefonanschluss mehr, die Senioren können nicht mehr anrufen. Aus der Not heraus hat der Verein jetzt ein Handy angeschafft. Quelle: C. Müller
Dänischenhagen

„Wir sind fassungslos“, sagt Bärbel Gülck, Vorsitzende des Vereins Begegnungsstätte. „Unser Verein musste sich ein Handy kaufen, damit man uns erreichen kann.“ Die Frauen der Einrichtung sind wochentags von 9 bis 12 Uhr Ansprechpartnerinnen für rund 40 Senioren des Betreuten Wohnens nebenan. Sie nehmen nicht nur Notrufe entgegen und vergewissern sich morgens telefonisch, ob bei den Senioren alles in Ordnung ist. Sie erledigen auch kleine Einkäufe oder gehen zur Hand, wenn in der Wohnung eine Kleinigkeit zu erledigen ist. Also klingelt das Telefon häufig.

 Am 24. September hatte Bärbel Gülck beim Telefonprovider Kielnet für den Verein zusätzlich zum vorhandenen Telefonanschluss den Internetzugang beantragt. „Die Sparkasse hatte uns darum gebeten, weil das ab 2014 für die Abwicklung unserer finanziellen Angelegenheiten unabdingbar sei“, berichtet sie. Eine Bestätigung des lokalen Anbieters, der zum Versatel-Konzern gehört, bekam der Verein nicht. Gülck versucht mehrmals, telefonisch nachzuhaken im Kielnet-Shop in der Kieler Fleethörn, blieb aber immer lange in der musikalischen Warteschleife hängen. „Am 21. Oktober war plötzlich das Telefon tot“, sagt sie. Als es den Mitarbeiterinnen gelang, doch einmal durchzukommen, „hieß es, wir hätten den Anschluss ja gekündigt. Und der Internetanschluss mit Telefon sei nicht möglich, weil die Telekom keine Leitung freigebe.

 Bärbel Gülck fuhr nach Kiel und sprach persönlich mit Mitarbeitern von Kielnet. Sie erhielt dieselbe Auskunft. „Wir gingen also in den Shop der Telekom. Dort recherchierte ein Mitarbeiter und teilte mit, es stünden Leitungskapazitäten der Telekom zur Verfügung. Kielnet könne sofort anschließen.“ Wieder im Gespräch mit Kielnet blieb es bei der bekannten Antwort. Also forderten die Frauen ein Sonderkündigungsrecht ein, „denn wir hatten den Telefonanschluss ja nicht gekündigt“. Auch hier Fehlanzeige. Kielnet widersprach.

 Auch am Montag erklang beim Anruf der Kieler Nachrichten im Kielnet-Shop nur die Warteschleifenmelodie. Eine KN-Mitarbeiterin in Kiel, deren Büro sich über dem Shop befindet, ging daraufhin in die Filiale und bat höflich darum, die recherchierende Kollegin in der Begegnungsstätte auf ihrem Mobiltelefon zurückzurufen. Antwort: Der Fall sei bekannt. Doch leider habe man keine Möglichkeit, nach außerhalb zu telefonieren.

 Bärbel Gülck und Kolleginnen schütteln jetzt nur noch den Kopf – und hoffen auf ein Wunder.com