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Rendsburg Test für Batteriespeicher in Bordesholm
Lokales Rendsburg Test für Batteriespeicher in Bordesholm
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06:22 31.10.2019
Von Frank Scheer
Seit einem halben Jahr läuft der Batteriespeicher in Bordesholm, den Geschäftsführer Frank Günther präsentiert, ohne Probleme. Am 30. November soll ein Testlauf stattfinden, bei dem Bordesholm vom Netz genommen werden soll und eine Stunde durch den Speicher versorgt wird. Quelle: Frank Scheer
Bordesholm

Im April ist der 10 Millionen Euro teure Batteriespeicher auf dem Gelände der Versorgungsbetriebe Bordesholm (VBB) an der Bahnhofstraße von Energiewendeminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) in Betrieb genommen worden, seit dem 13. Mai ist das gemeindeeigene Unternehmen mit dem Zehn-Megawatt-Kraftwerk bundesweit auf dem Primär-Energiemarkt tätig. Langfristig wollen die VBB pro Jahr zusätzlich eine Million Euro Umsatz machen und 200 000 Euro nach Steuern verdienen. 

Simulierter Test verlief im Frühjahr erfolgreich

Der Batteriespeicher mit seinen 48 000 Batterien im Inneren hat neben dem wirtschaftlichen auch einen wissenschaftlichen Aspekt, weshalb das Kieler Ministerium das Projekt mit 1,7 Millionen Euro gefördert hat. Das Zauberwort heißt „Inselbetrieb“. Kann der Speicher den Ort im Falle eines übergeordneten Netzausfalls auch alleine versorgen? Den simulierten Test hat er im Frühjahr bestanden. VBB-Geschäftsführer Frank Günther ist sich daher zu 99 Prozent sicher, dass es auch unter realen Bedingungen klappen wird. 

Kunden in Bordesholm dürften nichts mitbekommen

„Binnen 20 Millisekunden nach der Netztrennung wird der Batteriespeicher die Versorgung übernehmen.“ Laut Experten, die die VBB beim Versuch im Frühjahr begleiteten, habe nicht mal das Licht geflackert. „Wir haben als Termin vorsichtshalber aber einen Tag am Wochenende gewählt, weil da nicht so viele Unternehmen am Netz sind“, so der Elektroingenieur weiter. Für den Versuchszeitraum gehen die VBB von einer Abnahme von etwa drei Megawatt aus, der Speicher hat eine Leistung von zehn Megawatt. Die 4800 Kunden werden davon vermutlich gar nichts mitbekommen, so Günther. Wenn denn alles glatt geht.

Niemand will die Haftung übernehmen

Sollte die Umschaltung auf den Batteriespeicher nicht gelingen, könnte das übergeordnete Netz nach Günthers Angaben innerhalb von zwei bis 20 Sekunden wieder aktiviert werden. „Wie gesagt, ich gehe nicht davon aus, dass es dazu kommt. Aber bislang will noch niemand die Haftung für mögliche Schäden durch einen kurzen Ausfall übernehmen“, so Frank Günther weiter. Aus seiner Sicht sei das Ministerium in der Pflicht. „Das sind wichtige Erkenntnisse für die Energiewende.“ 

Land hält Echttest für "entbehrlich"

Der kommunale Schadensausgleich habe laut Günther bislang weder zugestimmt noch abgelehnt. Mit dem Ministerium seien die VBB im Gespräch, in der kommenden Woche hofft er auf eine Entscheidung. Aus Sicht des Ministeriums könnte ein solcher Test aber „entbehrlich geworden sein“, so Sprecher Joschka Touré. Das sieht Günther aber nicht so. Das Vorhaben auf dem privaten Markt zu versichern, würde eine fünfstellige Summe kosten, so Günther. Wenn der Test tatsächlich startet, wird es eine öffentliche Kundeninformation geben. 

Mehr Leistung für weniger Kosten

Mit der Realisierung insgesamt ist Günther sehr zufrieden. Die angepeilte Kosten von 9,85 Millionen wurden unterschritten. „Die Realisierung hat 9,71 Millionen Euro gekostet. Und statt einer Leistung von acht haben wir zehn Megawatt dafür bekommen.“ Seit April läuft das Kraftwerk, das fast ausschließlich mit regenerativ erzeugtem Strom gefüttert wird, reibungslos – ein Starkregen im Juni hat die hinter dem Gebäude installierte Klimaanlage kurzfristig außer Gefecht gesetzt. Per Mail aus Schottland, wo der Sitz des Generalunternehmens Renewable Energy Systems (RES) ist, seien die VBB binnen Sekunden informiert worden. Über weitere Details wird Günther in der Gemeindevertretersitzung am Dienstag, 5. November, ab 18.30 Uhr im Rathaus berichten.

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