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Rendsburg Urlauber bringen Eisen zum Glühen
Lokales Rendsburg Urlauber bringen Eisen zum Glühen
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06:00 29.07.2019
Von Frank Scheer
Sören Becherer (rechts) schmiedet unter Anleitung von Arne Paysen eine Axt. Quelle: Frank Scheer
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Molfsee

Falsche Jahreszeit für einen solchen Kurs? „Passt schon“, lachte der 30-Jährige Sören Becherer, der Schweiß läuft ihm dabei über die Stirn. „Den Tag hab ich zum Geburtstag von meiner Frau bekommen, und das verbinden wir mit einem zweiwöchigen Urlaub in Waabs.“ Die Kurse sind stark nachgefragt, mit Wartezeiten von sechs Monaten müsse laut Museumsschmied Arne Paysen gerechnet werden. Wer im Winter bucht, und oft werden Kurse zu Weihnachten verschenkt, darf erst im Sommer das Eisen bei 1200 Grad zum Glühen bringen. Viele Touristen sind dabei. 

Alte Tradition wird in Molfsee gepflegt

Offenbar gehört die Schmiede in Molfsee zu den ganz wenigen in Deutschland, die hinsichtlich der Werkzeuge und der Tradition ein Alleinstellungsmerkmal haben. Becherers Ehefrau Jacqueline berichtete, dass sie zunächst im Süden Deutschlands nach einem Anbieter solcher speziellen Kurse gesucht habe. Fehlanzeige. Als gebürtige Flensburgerin habe sie aber noch im Hinterkopf gehabt, dass dies im hohen Norden gepflegt werde. „Online bin ich auf Molfsee gestoßen“, erzählte sie weiter. Ihren Mann fasziniere jedes Handwerk. „Er schaute im Fernsehen immer eine Schmiedeserie und wurde dabei ganz kribbelig.“ Dafür habe man die Anreise auch am größten Stau-Wochenende in diesem Sommer in Kauf genommen. „Wir waren am Sonnabend 15 Stunden unterwegs, normal sind sieben.“

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Axt und Messer wurden geschmiedet

Von Beruf ist Sören Becherer Elektrotechniker. „Ursprünglich wollte ich Schmied lernen. Das hat nicht geklappt. Als ich den Gutschein erhielt, habe ich einen riesigen Luftsprung gemacht.“ Am Sonntag kreierte er zusammen mit Paysen in neun Stunden eine Axt. „Die Teilnehmer wählen das selbst aus, oft handelt es sich um dieses Werkzeug“, erzählte der Schmied, der mit Julius Rademann das Handwerk anbietet. Und das Werkzeug werde zu Hause sicher nicht nur rumliegen, ist sich Becherer sicher. Filigran an der Werkbank, fünf Meter vom Feuer entfernt, schleift Oliver Wammesser an seinem Messer – auch der Kasseler hat den Kursus von seiner Frau geschenkt bekommen. „Man verknüpfe das mit einem Verwandtschaftsbesuch in Rendsburg.“

Viele Berufe haben sich aus der Schmiederei entwickelt

Die Attraktivität des Schmiedens liegt laut Paysen darin begründet, dass vor mehr als 100 Jahren viele Dinge nur von einem Schmied erledigt wurden. „Das Handwerk ist so vielseitig. Viele Berufe haben sich daraus entwickelt.“ Neben den Schmieden präsentierten Korbmacher, Töpfer, Weber oder auch Bandreißer am Sonntag ihr Können. Zudem gaben Auszubildende und Experten des Bauausbildungszentrums Nord Einblicke in ihre Arbeit. Zum Beispiel durften die Besucher an einer Fachwerkwand mit Lehmmörtel Steine einsetzen.

Rund 1000 Besucher beim Handwerkertag

Über die Zahl von rund 1000 Gästen war Johanna Gosch vom Veranstaltungsmanagement des Museums erfreut. Sie wies gleich auf die nächste Großveranstaltung hin. Am letzten Ferientag am Sonntag, 11. August, steigt von 10 bis 17 Uhr der große Museums-Kindertag mit vielen Überraschungen. Mehr wollte sie dazu aber noch nicht verraten.

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