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Rendsburg Was hinter Holzkuh "Gerda Muh" steckt
Lokales Rendsburg Was hinter Holzkuh "Gerda Muh" steckt
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13:53 21.08.2018
Bei einem Nachbarschaftstreffen ist auch die hölzernen Kuh "Gerda Muh" mit dabei. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Aukrug-Homfeld

War das dörfliche Miteinander früher besser? Was spricht für eine naturnahe Landwirtschaft ohne Bienensterben, was für Massentierhaltung? Solche Fragen diskutieren derzeit regelmäßig die Aukruger (Kreis Rendsburg-Eckernförde) - Wenn Holzkuh "Gerda Muh" in ihrem Vorgarten auftaucht. Die robuste Konstruktion hat nicht nur eine E-Mail-Adresse und Ansichten zur Haltung von Kühen und dem Miteinander im Dorf, sondern auch Getränke und Snacks dabei.

Mit der ungewöhnlichen Aktion will ein Mann aus dem Ortsteil Homfeld auf Probleme der Massentierhaltung und der Konsumgesellschaft aufmerksam machen und zugleich der Dorfgemeinschaft Impulse geben. "Ich habe alles erreicht, was ich wollte. Sogar ein bisschen mehr", sagt der Aktionskünstler, der unerkannt bleiben will. Die Holzkuh solle zu Diskussionen über dörfliches Leben und Miteinander, Landwirtschaft, Tierhaltung, das Konsumverhalten sowie den Umgang mit der Natur anregen.

Das ist gelungen. An einem lauen Augustabend haben sich knapp zwei Dutzend Homfelder bei der Kuh eingefunden. Biertische sind in einem Garten aufgestellt, auf dem Tisch stehen Leckereien und Getränke. "Ich teile zwar nicht alle Gedanken von Gerda", sagt Garteneigentümerin Christine Plähn. "Die Idee, sie durch die Gärten ziehen zu lassen, finde ich aber toll." An Pfingsten tauchte "Gerda Muh" erstmals auf. "An dem Morgen sagte mein Mann zu mir: Da steht eine Kuh im Wendehammer", sagt Svenja Halft. Wenige Stunden zuvor war die Holzkuh dem Paar per E-Mail angekündigt worden.

"Großes Rätselraten"

Seitdem wird in dem kleinen Ort mit 400 Einwohnern darüber diskutiert, wer hinter der Aktion steckt. "Es herrschte großes Rätselraten", sagt Halft. Mittlerweile gebe es im Dorf zwar einige Verdächtige. "Gelöst ist das Rätsel aber nicht."

300 Arbeitsstunden hat der Aktionskünstler für den Bau von "Gerda Muh" gebraucht. "Es ist ein trächtiges Breitenburger Rind, eine alte, ausgestorbene Rasse", sagt er. 2,5 Festmeter Holz, 400 Schrauben und 12 Liter Leim hat er beim Bau verwendet. Am Heck der rund 350 Kilogramm schweren Holzkonstruktion befindet sich eine Klappe.

Neben Getränken, Snacks und Hebegeschirr zum Weitertransport von "Gerda Muh" befindet sich darin auch ein Begleitschreiben. Vor 100 Jahren habe es in dem Ort noch 579 Rinder und 23 Kuhställe gegeben, steht in dem Schreiben. "Vor 100 Jahren wurden meine Schwestern meist über 12 Jahre alt. Wir standen im Winter in engen dunklen Ställen angebunden, jede von uns auf etwas mehr als 2 Quadratmetern. Wir wurden jeden Tag gestriegelt, und wenn uns kalt war, bekamen wir eine Kuhdecke. Heute werden wir keine 6 Jahre mehr alt und der Bauer gibt uns nicht mal mehr einen Namen."

Es gibt kein Zurück

Der ehemalige Landwirt Claus Ratjen, sagt: "Wenn man will, kann man aus der Aktion rauslesen: Früher war alles besser." Ein Zurück könne es aber nicht geben. "Dann müsste der Staat die Landwirtschaft noch höher subventionieren als es aktuell der Fall ist", sagt der 69-Jährige.

Der Aktionskünstler selbst ist grundsätzlich gegen Massentierhaltung, will eine kontroverse Diskussion zur Landwirtschaft und dem Konsumverhalten anstoßen. Denn die Verbraucher hätten eine Mitschuld an der Entwicklung. "Ich muss im Februar keine Erdbeeren aus Ägypten kaufen", sagt er. "Jeder muss aus der Diskussion mitnehmen, was er möchte."

Seine Holzkuh soll noch bis zum Herbst in Homfeld unterwegs sein. "Bei einer Abstimmung darüber, wer dahinter steckt, komme ich vielleicht unter die ersten Drei", sagt der Künstler. "Aber nicht auf Platz eins." Was am Ende des Sommers mit der Kuh passiert, ist noch unklar. Ob sich der Initiator dann offenbaren will? "Nö."

Seit Pfingsten taucht die hölzerne Kuh Gerda immer wieder in Aukrug auf.

Von KN-online

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