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Rendsburg Anwohner ärgern sich über Aktivisten
Lokales Rendsburg Anwohner ärgern sich über Aktivisten
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08:00 17.07.2019
Von Florian Sötje
Inge und Walter Wilhelm stehen auf ihrer Terrasse in Melsdorf. Im Hintergrund sind die drei Windräder in Quarnbek an der Gemeindegrenze zu sehen. Quelle: Florian Sötje
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Melsdorf/Quarnbek

Inge und Walter Wilhelm wohnen seit 1979 in ihrem Haus am westlichen Rand Melsdorfs. Die hinter ihrem Haus liegende Bahnstrecke hätten sie damals mitgekauft, sagen sie. An die nur einen Steinwurf dahinter verlaufende Autobahn 210 haben sie sich gewöhnt. Aber nicht an die drei Windräder, die seit Ende 2016 ein paar hundert Meter hinter ihrem Haus auf Quarnbeker Gemeindegebiet stehen. Und dazu wird es wohl auch nie kommen.

Quarnbek: Anwohner findet Aktion der Bürgerinitiative "blauäugig"

Als Walter Wilhelm von der Aktion der Bürgerinitiative "Wind of Change", deren Mitglieder am Wochenende unter den Anlagen zelteten, um ein Zeichen für den schnelleren Windkraftausbau zu setzen, las, regte sich Unmut in ihm.  „Mit dem Zelten unter dem Windrad wollen wir zeigen, dass die Geräusche nicht stören", sagte Luca Brunsch, einer der Initiatoren, im Rahmen der Aktion. Anwohner Walter Wilhelm findet diese Sichtweise "blauäugig".

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Als Anwohner von der Aktion der Bürgerinitiative "Wind of Change" hörten, regte sich Unmut in Quarnbek.

"Die Leute können gerne bei Wind in unseren Garten kommen und dort übernachten", sagt er. Am Wochenende zur Zeit der Aktion war es relativ windstill. "Wer die Dinger nicht vor der Tür hat und kein Betroffener ist, kann so etwas gut sagen", sagt Wilhelm in Richtung der Aktivisten.

Bei starkem Westwind seien die Windräder auch im Haus zu hören

Optisch stören die Windräder die Wilhelms nicht. Es sind die Geräusche, die in Intervallen zum Haus herüberrauschen. "Wenn sie draußen sind, stören die Geräusche einfach. Aber es ist auch eine Sache der Jahreszeit. Im Herbst, wenn die Bäume ihre Blätter verlieren und ein starker Westwind weht, hört man die Windräder auch drinnen", sagt Walter Wilhelm.

Ein weiteres Problem sei der Schlagschatten der Rotorblätter. Zur jetzigen Zeit falle dieser etwa ab 20 Uhr ebenfalls in Intervallen ins Wohnzimmer. Die Wilhelms lassen dann ihre Rollläden herunter.

Eine der Anlagen steht 420 Meter vom Haus entfernt

Eines der drei Windräder liege nur 420 Meter von ihrem Haus entfernt. Das habe das Amt damals gemessen, sagt Walter Wilhelm. Windkraftanlagen müssen zu Häusern im Außenbereich einen geringeren Mindestabstand einhalten als zu festen Siedlungen. Walter Wilhelm findet das nicht gerecht: "Bei solchen Regelungen sollten doch alle Menschen gleich behandelt werden." Mit 600 bis 800 Metern Abstand könne er vielleicht leben. Aber so gehe es nicht.

So geht es weiter

Trotz des aktuell in Schleswig-Holstein vorherrschenden Ausbau-Moratoriums für Windkraftanlagen bis Ende 2020 sieht der im August 2018 vom Land vorgestellte zweite Entwurf zur Teilfortschreibung des Regionalplans drei weitere Windräder in Quarnbek vor. Die Gemeindevertreter aus Quarnbek und Melsdorf hatten sich 2017 deutlich gegen neue Windräder vor der eigenen Haustür ausgesprochen. „Drei weitere Windräder in unmittelbarer Nachbarschaft von Melsdorf finde ich fürchterlich“, sagte Melsdorfs Bürgermeisterin Anke Szodruch (CDU) damals. Der Widerspruch der Gemeinden war allerdings zwecklos. Laut Entwurf sind die Anlagen nördlich der Kreisstraße 3 und östlich vom Gut Quarnbek geplant. Die Vorrangfläche hat eine Größe von 16 Hektar.

Die aktuelle Planung der schleswig-holsteinischen Landesregierung sieht Mindestabstände zu Siedlungen von 1000 Metern und zu dünn besiedelten Gebieten von 500 Metern vor. Befürworter des Windkraftausbaus sehen dadurch die Ausbauziele der Landesregierung in Gefahr. Für die Verlängerung des bestehenden Ausbaustopps bis Ende 2020 erntete die Jamaika-Koalition harsche Kritik seitens der Opposition.

Anwohner hätten sich Dialog mit Aktivisten gewünscht

Noch etwas dichter an den Anlagen wohnen Thorsten Erdmann und Aude Thoumine. Sie sind die Nachbarn der Wilhelms. Ihr Haus hat einen Abstand von 400 Metern zu einer Windkraftanlage und liegt genau in der Flucht der Mühlen. Sie sind kürzlich in den Urlaub gefahren, melden sich aber schriftlich zum Thema. "Wir haben mit den Windrädern unseren Frieden geschlossen. Aber sie stören. Das ist Fakt", schreibt Thorsten Erdmann.

Lesen Sie auch einen Kommentar von Florian Sötje zum Windkraftausbau in Quarnbek

Die Motive der Aktivisten von "Wind of Change" seien "legitim" und "ehrenwert". Er hätte es aber sinnvoller gefunden, wenn die Gruppe mit Anwohnern in Kontakt getreten wäre. "Um wirklich einen Dialog anzukurbeln", schreibt der Melsdorfer.

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