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Rendsburg Bordesholmer überfährt Wolf
Lokales Rendsburg Bordesholmer überfährt Wolf
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19:34 10.03.2015
Von Sven Tietgen
 Ein Wolf ist bei Bordesholm überfahren worden. Quelle: Jens Matzen.
Bordesholm

Gegen 7.30 Uhr sprang der etwa einjährige Wolfsrüde ein Stück östlich des Abzweiger Bordesholm-West an der L49 auf die Straße und prallte gegen die linke Vorderfront des Wagens von Norbert Schmidt. Das rund 30 Kilogramm schwere Tier kam aus südlicher Richtung und war sofort tot. „Der sah riesengroß aus, ich habe mich total erschrocken“, erzählte der Bordesholmer nach dem Unfall.

Den Kadaver transportierte Matzen zum Wolfsinformationszentrum im Wildpark Eekholt, dort wurden DNA-Proben entnommen. Zu weiteren Untersuchungen wurde es anschließend nach Berlin ins Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung gebracht. Erster Eindruck des ehrenamtlichen Wolfbetreuers: Das Raubtier war normal ernährt. Matzen kann sich nicht vorstellen, dass der Rüde identisch ist mit dem Wolf, der vor Kurzem mitten durch ein Dorf bei Mölln spazierte. Eine hundertprozentige Sicherheit gebe es aber nicht, Zweifel kann nur das Ergebnis der DNA-Untersuchungen ausräumen. „Theoretisch könnte er aus Mölln kommen, Wölfe laufen in einer Nacht bis zu 50 Kilometern“, erklärte der Wolfsexperte.

Der Wolf wurde von dem Auto erfasst.

Die örtlichen Jagdpächter Sönke Harder und Hans-Wilhelm Bunte sowie befreundete Jäger wie Lars Jöns berichteten zwar von Beobachtungen in den vergangenen Tagen im Dreieck zwischen L49, A7 und A215, ordnen die Sichtungen aber nicht unbedingt als Hinweise auf den Wolf ein. „Es könnte auch ein entlaufener Hund aus Einfeld gewesen sein, in den Nächten konnte man das nicht genau sehen“, sagte Harder.

Allerdings wird der Verdacht auf einen ortsansässigen Wolf genährt durch ein Rehwild-Riss in Groß Buchwald, wenige Kilometer östlich von Bordesholm. Auch das Reh wird derzeit auf DNA-Spuren untersucht. In zwei Wochen sollen die Ergebnisse der Untersuchungen des Bordesholmer Jungwolf vorliegen – und damit Hinweise auf seine Herkunft liefern.

Für Jens-Uwe Matzen ist der Unfall auf der L49 nicht ungewöhnlich. Seit Mitte 2012 wurden in Schleswig-Holstein 16 Hinweise und Nachweise von Wölfen gezählt. Wild- oder Nutztierrisse, Fotofallenbilder oder Losung gab es dabei auch an der Westküste und in den nördlichen Landesteilen. Nach den Erkenntnissen des Wolfsbetreuers stammen die Tiere aus Rudeln in Niedersachsen, Brandenburg oder Sachsen-Anhalt und suchen sich neue Reviere. „Man muss deshalb in ganz Schleswig-Holstein damit rechnen, dass ein Wolf über die Straße läuft.“

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