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Segeberg 17 Kühe im Vorgarten
Lokales Segeberg 17 Kühe im Vorgarten
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21:00 06.10.2013
Von Klaus-Ulrich Tödter
Madlain Graß nahm es gelassen, dass 17 Kühe im Garten ihres Elternhauses grasten.
Kaltenkirchen

„Das brennt doch dort“, schoss es Franziska Baggendorf entsetzt durch den Kopf, als sie gegen 8 Uhr aus dem Fenster auf das Nachbargrundstück sah, wo eine große Qualmwolke aufstieg. Sofort rief sie nach ihrem Mann, und als das Paar aus dem Fenster schaute, traute es seinen Augen kaum. Es standen 17 Kühe im Vorgarten. Und was auf den ersten Blick wie Rauch ausgesehen hatte, war der Dampf, der von den schwitzenden Tieren aufstieg; sie hatten schließlich einen kilometerlangen Lauf aus Alveslohe hinter sich.

 Inzwischen waren auch die Hausbewohner nebenan wach - die achtköpfige Familie Graß/Hass und die Familie Schulz. „Ich dachte, ich spinne“, sagte Tochter Madlain Graß, die ebenso wie die übrige Familie den Vorfall mit Humor nahm. Der Garten wurde allerdings erheblich in Mitleidenschaft gezogen. So verrichteten die aufgeregten Vierbeiner dort ihre Notdurft, knabberten die Blumen ab und demolierten ein Klettergerüst.

 Der Besitzer der Kühe, der Ellerauer Jürgen Saggau, beseitigte mit Helfern nach dem Abtransport der Tiere die Exkremente und versprach, für die Schäden aufzukommen. „Das ist doch eine Selbstverständlichkeit. Natürlich bin ich auch versichert.“

 Vermutlich gegen 7.30 Uhr hatten sich 27 junge Kühe in Alveslohe selbstständig gemacht. Sie brachen unter noch ungeklärten Umständen von einer Koppel an der Alvesloher Straße aus. Saggau vermutet, dass sie erschreckt wurden und dann in Panik einen Zaun niederrissen.

 Der Großteil der Herde lief auf die Alvesloher Straße und von dort in Richtung Kaltenkirchen. Die Tiere gelangten über die Autobahnbrücke in die Stadt. Besorgte Autofahrer hatten inzwischen über den Notruf die Polizei verständigt. Einer Streifenwagenbesatzung kamen die Tiere entgegen. Die Beamten sorgten dafür, dass keine Unfälle passierten.

 Schließlich bogen die Kühe von der Straße ab. Siebzehn gerieten in den Vorgarten des Hauses in der Straße Am Voßberg, sieben weitere liefen zum Krückauring, wo sie sich auf einem Bolzplatz versammelten.

 Mehrere Polizisten und Helfer sorgten am Voßberg dafür, dass die Tiere zur Ruhe kamen. Die Kühe entspannten sich langsam und stärkten sich nach ihrem kräfteraubenden Auslauf an den Gartenblumen. Die Hausbesitzer verfolgten von einem Fenster im ersten Stock aus das Geschehen im Garten.

 Besitzer Saggau hatte inzwischen einen Viehtransporter besorgt. Die Tiere wurden in mehreren Etappen auf einen Anhänger verladen und dann - ohne weitere Zwischenfälle - in den Transporter umgeladen.

 Erst zwei Monate ist es her, dass in Kisdorf eine ausgebüxte Kuh für Schlagzeilen sorgte, als sie durch einen Lichtschacht in einen Partykeller stürzte.