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Segeberg 323 Kilometer durch den Matsch
Lokales Segeberg 323 Kilometer durch den Matsch
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18:00 11.08.2019
Von Klaus J. Harm
Das 24-Stunden-Rennen in Geschendorf wurde zur harten Probe für die sechs Teams und ihre Fahrer. Regen verwandelte die Strecke in eine Matschpiste. Quelle: Klaus J. Harm
Geschendorf

„Das war ja klar“, entfährt es einem Mitglied der Rennleitung, als plötzlich der Himmel aufreißt. Da waren die Kettcars nach einem anstrengenden 24-Stunden-Rennen in Geschendorf gerade über die Ziellinie gefahren – auf einer vom Regen völlig zermatschten Strecke.

181 Meter Schlammpiste 

Für das Publikum war der Wechsel aus trockenen Phasen, durchbrochen von teils heftigen Schauern und Zeiten längeren Nieselregens durchaus nicht langweilig. Die 181 Meter lange Bahn auf dem Bolzplatz der Gemeinde verwandelte sich dabei zeitweise in eine Schlammpiste.

Alle zwei Jahre findet seit 2007 in Geschendorf das Kettcar-Rennen statt, 24 Stunden müssen die Mannschaften den Rundkurs an der A 20 befahren. Die „Rennleitung“ hat inzwischen elektronisch aufgerüstet und alle gemeldeten Fahrzeuge mit einem Transponder versehen, der die gefahrenen Runden und Zeiten automatisch speichert. 

Die Kettcars sind alle selbst zusammengeschweißt, einige Teams bastelten zwei Jahre daran herum, andere mussten in neun Wochen fertig werden. Schon zweimal in Folge hatte das Team „No Phuture“ aus Großenbrode gesiegt, die setzten natürlich auf ihre bewährten Karts.

Auch die Dorfraketen aus Weede nutzten ihre altbewährte Technik. Die Lokalmatadoren „Geschendorfer Piraten“ fuhren mit dem von Rüdiger Bosse zusammengeschweißten Kettcar mit 8-Gang-Getriebe und die Westerrader „Magenta Monkeys“ waren mit zwei pinkfarbenen Karts am Start. Am Freitagnachmittag fiel der Startschuss.

Neulinge mit großen Problemen

Das erste Mal dabei waren die Pfadfinder der „Siedlung Lüneborg“ aus Molfsee. Leiter Mike Hammer-Kruse war mit 19 Kettcar-Piloten angereist, um die in der Szene bekannte „Hölle von Geschendorf“ kennenzulernen. Ihr Fahrzeug war komplett aus Fahrradteilen mit großer Spurweite und voll gefederten schmalen Reifen bestückt, was sich bei dem Matsch auf der Strecke negativ auswirkte.

Kelle Brookmann, einer der Fahrer der Truppe, erklärte am Sonnabend, dass man konditionell gut durch die Nacht gekommen sei, aber die schmale Bereifung im Matsch keine Traktion brachte. „Nächstes Mal kommen wir mit einem leichteren Kart und breiteren Reifen“, versicherte er.

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Auch ganz neu dabei war die Truppe „Nextwerk“ aus Lübeck. Das ist ein Zusammenschluss von selbstständigen Unternehmern, die aus allen möglichen Gewerken stammen und sich nur neun Wochen vor dem Event entschlossen hatten, hier mitzumachen. Die Anstrengung des Kettcar-Rennens hatten sie unterschätzt: „Das war alles anders als gedacht“, sagte Martin Weidner, Sprecher der Gruppe.

„Morgens um fünf dachten wir alle, wir können nicht mehr und wollten schon aufgeben. Dann haben aber Luise und Moritz Brendel, unsere Jüngsten, einfach weitergemacht und als die Sonne aufging, hatten wir Älteren auch wieder Luft.“

Sieben Leute der 20-köpfigen Gruppe hatten an den Fahrzeugen geschraubt und waren erst kurz vor dem Rennen fertig geworden. „Das war einfach so geil hier, zwölf Mal ist unser Fahrzeug ausgefallen und musste repariert werden, das haben wir gemeinsam alles gefixt“, erklärte er noch atemlos nach dem Rennende.

Seriensieger fuhren 1784 Runden

24 Stunden lang haben am Wochenende sechs Teams Runde um Runde gedreht, jedes Team hatte bis zu 30 Fahrer, die sich alle ein bis zwei Runden abwechselten. Sieger wurde, wie in den Vorjahren das Team „No Phuture“ aus Großenbrode mit 1784 Runden.

Das waren 323 Kilometer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 13,5 Kilometern die Stunde. Im Jahr 2015 hatten sie 2243 Runden und damit 406 Kilometer geschafft, das allerdings bei wesentlich besserem Wetter. Auf dem 2. Platz landeten die Dorfraketen aus Weede mit 1714 Runden, 310 Kilometern und 12,9 Kilometern die Stunde. Auch die Lokalmatadoren Dorfpiraten Geschendorf lagen mit 1582 Runden und 292 Kilometern mit 12,2 km/h kaum dahinter. 

Doch wichtiger als die Platzierung war das gemeinsame Erlebnis, der Kampf gegen den inneren Schweinehund, die Reparatur der vielen kleinen körperlichen und mechanischen „Wehwehchen“. Am Ende hatten es alle geschafft, zusammen mit zahlreichen Zuschauern und der „Rennleitung“ feierten die Fahrer von jung bis älter noch bis spät in die Abendstunden.

Sechs Teams kämpften in der Hölle von Geschendorf um den Wanderpokal des 24-Stunden-Kettcar-Rennens.
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