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Segeberg 100.000 Kleidungsstücke für Bedürftige
Lokales Segeberg 100.000 Kleidungsstücke für Bedürftige
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16:46 10.10.2019
Von Detlef Dreessen
Jetzt wird wieder gut erhaltene Winterkleidung gebraucht, sagt Detlef Kursel, der die Ricklinger Kleiderkammer vor 25 Jahre gegründet hat.  Quelle: Detlef Dreessen
Rickling

Die kalte Jahreszeit ist angebrochen. Besonders spüren das diejenigen, die von allem zu wenig haben. Ihnen hilft in Rickling die Kleiderkammer – und das schon seit 25 Jahren. Am Sonnabend, 12. Oktober, lädt Organisator Detlef Kursel von 10 bis 13 Uhr zu einem Tag der offenen Tür mit Kaffee und Schnittchen ein.

Hosen, Jacken, Kleider, Mäntel hängen sorgsam nach Größen sortiert in den Kleiderständern der Kleiderkammer. Daneben stehen Behälter mit Kinderkleidung, Unterwäsche, Handtücher. Auch Geschirr, Haushaltsgeräte Spiele und Puppen hat Detlef Kursel im Programm. Manches ist noch fabrikneu eingepackt. „Da ist jemand gestorben, der kurz vorher noch eingekauft hatte“, erklärt er.

Kleiderkammer - einst ein Fremdwort auf dem Dorf

98.685 Kleidungsstücke haben er und seine Frau Ursula in den vergangenen 25 Jahren ausgegeben. Dazu 8650 Stücke Bettwäsche und 3402 Wolldecken.

Damit war kaum zu rechnen, als er die Kleiderkammer am 8. Oktober 1994 eröffnete. „Erst ging es schleppend“, erinnert sich Detlef Kursel. Der Dorfbevölkerung war so etwas fremd. Bis dahin hatte das Ricklinger DKR Wäsche mit Straßensammlungen abgeholt. „Holzhändler Jorkisch stellte dafür einen Lkw zur Verfügung. Aber die Sachen wanderten zentral in Container“, berichtet Detlef Kursel. „Die Bedürftigen in Rickling hatten nichts davon.“ 

Kursel, gerade Ortsvorsitzender des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) geworden, wusste jedoch als Kind einer Großfamilie, was es heißt, mit wenig auszukommen. So sprach er mit der Gemeinde und erhielt im Keller des Feuerwehrhauses Räume für die Kleiderkammer sowie ein Büro im Erdgeschoss.

Seitdem haben er und seine Frau 26.750 Stunden ehrenamtliche Arbeit in die Einrichtung investiert. Vor allem in der Zeit, in der viele Flüchtlinge kamen, hatten die beiden viel zu tun.

Hin und wieder bitten Bedürftige um Termin im Dunkeln

Damit es keinen Tratsch im Dorf gibt, wer zu den Kunden zählt, verzichtet Detlef Kursel auf Helfer. Bei den Alteingesessenen unter den Bedürftigen sei die Scham groß. Obwohl das Gelände am Feuerwehrhaus kaum eingesehen werden kann, bitte hin und wieder jemand um einen Extratermin zu später Stunde, wenn es dunkel ist. Ganz anders sei das bei jungen Leuten. „Da ist es heute modern mit gebrauchter Kleidung Ressourcen zu schonen.“ 

Ob Umweltbewusstsein, kleine Rente oder große Familie – bei Detlef Kursel ist jeder willkommen. Außer Leuten, die Sachen für den Flohmarkt suchen. „Die erkenne ich sofort und schmeiße sie raus“, sagt der DRK-Vorsitzende und schaut schon bei dem Gedanken grimmig drein. Schließlich gebe es viel Not, und gegen die wolle er etwas tun.

Einmal im Monat öffnet die Kleiderkammer ihre Türen für die Ausgabe. „Aber nicht mehr regelmäßig, diese Freiheit nehme ich mir als Rentner“, sagt Kursel. Für diejenigen, die Schwellenangst haben, hat er einen Tipp: „Sie können Kleidung, die sie nicht mehr brauchen, mitbringen – und dabei gucken, ob etwas da ist, was sie gebrauchen können.“ 

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