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Segeberg 40 Jahre Erlebniswald Trappenkamp
Lokales Segeberg 40 Jahre Erlebniswald Trappenkamp
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06:00 09.03.2013
Von Detlef Dreessen
Für viele Kinder und Jugendliche ist der große Spielplatz ein Hauptanziehungspunkt. Am Donnerstag kletterte dort die Klasse 5 d der Gemeinschaftsschule im Schulzentrum Bad Segeberg herum. Quelle: Detlef Dreessen
Daldorf

„Es war eine Zeit, in der solche Safari-Parks in Mode waren“, blickt Stephan Mense, heute Leiter des Erlebniswaldes, auf die ersten Konzepte für einen Wildpark zurück. Doch in Holstein schlug den Befürwortern ein Sturm der Entrüstung entgegen. Naturfreunde wie Dr. Hans-Heinrich Hatlapa, der wenige Kilometer weiter seinen Wildpark Eekholt angelegt hatte, sprachen sich gegen das Projekt aus. Autos, die zwischen exotischen Tieren hindurchfahren, würden nur die Luft im Wald verpesten, zürnte Hatlapa in einem Protestbrief. Einwohner aus Trappenkamp sahen ihren angestammten Wochenend-Spaziergang durch den Wald in Gefahr.

 Am 15. Mai 1973 beschloss die Regierung nachzugeben. Statt Löwen und Zebras sollte das Gelände Hirsche und Wildschweine beherbergen, statt Autos sollten allenfalls Fahrrad oder Kutsche fahren.

 In den zunächst 300 Hektar großen Gehegen mussten sich Besucher schon einmal stundenlang auf die Lauer legen, bevor sie das Wild sahen. Dafür wurden Hochsitze und Tribünen aufgestellt. 40 Jahre später ist alles komfortabler geworden: Lehr- und Erlebnispfade durchziehen das Gelände und erläutern die ökologischen und wirtschaftlichen Funktionen des Waldes. Die Gatter sind kleiner, und die Tiere werden so gefüttert, dass sie die Scheu vor Menschen überwunden haben.

 Seit 1999 ist der „Erlebniswald“, wie er heute heißt, anerkanntes Bildungszentrum. Schulklassen erleben Naturkundeunterricht hautnah, für Biologen und Pädagogen werden Fortbildungen angeboten, Manager können sich ebenso für Camps anmelden wie Kinder – als Event für Kindergeburtstage.

 Bei schlechtem Wetter bieten im Waldhaus nachgestellte Biotope Einblicke ins Leben von Igel und Haselmaus.

 580000 Euro erhält die Einrichtung jährlich aus Landesmitteln. Den Rest muss sie selbst erwirtschaften, vor allem durch Eintrittsgelder. 130000 Menschen kamen im vergangenen Jahr, allein die Großveranstaltungen wie Frischlingsfest, Hubertustag und die Waldweihnacht werden jeweils von Tausenden besucht. „Damit das so bleibt, müssen wir attraktiv bleiben“, sagt Mense. Grillplätze und Trimm-Dich-Pfade allein reichen nicht mehr. Mit Unterstützung von Kooperationspartnern wurde ein Schmetterlingsgarten angelegt, der ohnehin große Spielplatz um eine 1700 Quadratmeter große Waldwasserwelt mit Brücken und Brunnen ergänzt. Als Nächstes ist der Bau eines 30 Meter hohen Kletterturms geplant, der die Höhendimension des Waldes vermitteln soll.

 Auch die digitale Welt geht nicht am Erlebniswald vorbei. Demnächst können sich die Besucher mit GPS-Geräten orientieren und Informationen von Tablet-Computern statt von Informationstafeln ablesen. Auch über die Zukunft des Western-Forts denkt Stephan Mense nach: „John Wayne kennen die Kinder nicht mehr. Vielleicht muss man was in Richtung ‚Herr der Ringe‘ machen.“ Das Wichtigste bleibe aber auch für die nächsten 30 Jahre: „Bewegung und Aktivität an der frischen Luft – die Kinder wollen dann auch noch Ziegen streicheln und Wildschweine grunzen hören.“

 Geöffnet ist der Erlebniswald täglich von 9 bis 18 Uhr. Erwachsene zahlen ab diesem Jahr 5 Euro, Kinder bis 15 Jahre 4 Euro, Familien 15 Euro. Die Familien-Jahreskarte kostet 53 Euro. Inklusive ist ab sofort die zweimal täglich stattfindende Flugschau der Falknerei Damm. Informationen: Telefon 04328/ 170480, www.forst-sh.de/erlebnis

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