Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Segeberg A20: Darum ist die Trasse bei Bad Segeberg weiter unklar
Lokales Segeberg A20: Darum ist die Trasse bei Bad Segeberg weiter unklar
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:30 06.11.2019
Von Gerrit Sponholz
Die Autobahn 20 endet derzeit noch kurz vor Bad Segeberg. Die Fledermäuse und ihre Wege zum Kalkberg sieht Verkehrsminister Bernd Buchholz nicht als Hinternis für einen Weiterbau. Quelle: dpa/Montage: Lina Schlappkohl
Kreis Segeberg

Vor sechs Jahren hatte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig die Planung für die A20-Südumgehung bei Bad Segeberg (Abschnitt 3) für „rechtswidrig und nicht vollziehbar“ erklärt. Als Wochen später der damalige Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) die Urteilsbegründung erhielt, schwante ihm nichts Gutes. Wohl frühestens 2016 seien die Fehler der Planung geheilt, unkte er. Seine Skepsis erwies sich als untertrieben.

Im zweiten Quartal 2020 wird die Bund-Länder-Planungsgesellschaft Deges einen neuen Antrag auf Planänderung vorlegen. „Und der früheste Baubeginn wäre im zweiten Quartal 2025 möglich“, sagt Deges-Sprecher Lutz Günther.

A20: Auch Abschnitt weiter bis zur A7 wird überarbeitet

Für den nächsten Abschnitt 4 (Wittenborn bei Bad Segeberg - A7 bei Bad Bramstedt/Schmalfeld) dauert es ebenfalls lang. Im dritten Quartal 2021 will die Deges das Planergänzungsverfahren beantragen. Denn auch die Planung für Abschnitt 4 hatte das Bundesverwaltungsgericht gestoppt, am 27. November 2018. 

Als besonders schwierig erwiesen hat sich aber der Abschnitt 3 bei Bad Segeberg, die Südumgehung. Das Gericht hatte 2013 kritisiert, die Planer, damals noch vom Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr, hätten südlichere Alternativtrassen und die Fledermauswelt nicht ausreichend genug geprüft. Immerhin „führt die Autobahn nur eineinhalb Kilometer am FFH-Gebiet Segeberger Kalkberghöhle mit mehr als 20000 überwinternden Tieren vorbei“, schrieb das Gericht 2013. 

Seitdem brüteten die Landesplaner über einer besseren A20-Planung. Ende 2017 hat das Land die Aufgabe dann der Deges übertragen.

Viel mehr Fledermäuse: 32000 statt 20000

Mittlerweile flattern 32000 Fledermäuse zum Kalkberg, berichtete kürzlich Verkehrsminister Bernd Buchholz in Berlin. Für ihn ein Beleg, dass Autobahnen nicht schädlich sein müssten. Denn die Population sei trotz des Verkehrs auf der nahen A21 (Kiel-Bargteheide) gewachsen. Außerdem flöge der Großteil der Fledermäuse gen Norden, nicht in Richtung Süden, wo die A20 geplant ist.

Ingo Ludwichowski, Pressesprecher des Naturschutzbundes Schleswig-Holstein, widerspricht. „Bei Teichfledermäusen etwa ist der Trend stark negativ.“ Und auch die Bechsteinfledermäuse würden wahrscheinlich sehr stark gefährdet. „Beide Arten sind EU-rechtlich von besonderer Bedeutung.“

Probleme auch mit Stickstoff

Außerdem vergesse Buchholz, dass es noch andere „große Probleme“ gebe, sagt der Nabu-Vertreter. So solle die A20-Südumgehung auf einer Brücke das FFH-Schutzgebiet Travetal queren und pusteten die Autos von der A20 zu viel Stickstoff in die Umwelt. 

Das Stickstoff-Problem hatte Deges-Bereichsleiter und Chefplaner Bernd Rothe bereits im April dieses Jahres eingeräumt. Bei der geplante Südumgehung „ist die Einhaltung der Stickstoffgrenzwerte wirtschaftlich nicht möglich.“ Denn das würde netto etwa 190 Millionen Euro mehr kosten.

Wegen des „Restrisikos“ schloss er nicht aus, dass auch gegen die neue Planung beim Bundesverwaltungsgericht geklagt werde. Allerdings hofft die Deges, die Kritiker etwa bei den Naturschutzverbänden mit anderen Maßnahmen wie Querungshilfen für Fledermäusen milde zu stimmen. Das sollen Faunabrücken über die A20 sein, Unterführungen sowie abschirmende Wände und Wälle an der Autobahn. 

Südlichere Trasse als Alternative

Als mögliche Alternativtrasse gilt unter Experten eine A20 wenige Kilometer weiter südlich, zwischen Traventhal und Klein Gladebrügge und über den Südzipfel des Mözener Sees. Deges-Sprecher Günther verwirft alle Alternativen. Sie hätten verkehrliche Nachteile und seien mindestens 20 Prozent teurer. 

Ingo Ludwichowski vom Nabu bremst dagegen. „Über die Trasse ist noch nicht entschieden.“ Naturschützer und Deges sprechen weiter über die Planung, welche Trasse weniger schädlich ist und welche Schutzmaßnahmen nötig sind. Wie teuer Abschnitt 3 würde, will die Deges erst sagen, wenn alle Pläne vorliegen. 

Abschnitt bis A7 nicht vor 2021 neu geplant

Für Abschnitt 4 bis zur A7 bei Bad Bramstedt/Schmalfeld muss die Deges laut Gerichtsurteil den Schutz der Fledermäuse und auch der Gewässer überarbeiten. Das will die Deges bis Herbst 2021 erledigt haben. Die ersten Brückenbauwerke lässt sie bereits planen. „Ausschreibungen für den Bau sind zurückgestellt“, sagt Deges-Sprecher Lutz Günther.

18 Jahre Planung

Geplant wird die A20 bei Bad Segeberg seit etwa 2001. 2005 hatte der Bund die Linienführung festgelegt. Das Planfeststellungsverfahren endete nach sechs Jahren im April 2012 mit der Baugenehmigung. Nach mehreren Klagen unter anderem von Naturschützern stoppte 2013 das Bundesverwaltungsgericht am 6. November den Baubeginn. Seitdem arbeiteten erst das Land und nunmehr die Bund-Länder-Planungsgesellschaft Deges an der Fehlerheilung und der Planänderung. Das letzte Teilstück der A20, von Geschendorf bis Bad Segeberg/Weede, war 2009 für den Verkehr freigegeben worden. Seitdem mündet die A20 in die B206 vor den Toren Bad Segebergs.

Die Kosten für den Abschnitt seien 2017 auf 250 Millionen Euro geschätzt worden. Doch wegen der Mehrkosten durch die Folgen des Urteils und die Entwicklung des Baubranche rechnet Günther mit anderen Preisen. Klar sei, wer bezahle. „Die Kosten für Bau und Betrieb nebst Folgemaßmahmen trägt der Bund.“ 

Verkehrsminister Scheuer hält sich bedeckt

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hält sich bedeckt. Als ihn KN-online vor einigen Wochen in Berlin auf die A20 ansprach, winkte er halb lachend, halb stöhnend ab: „Ach, die A20!“ Die Planer sollten erst mal fertige Entwürfe vorlegen.

CDU-Verkehrsexperte und Segeberger Bundestagsabgeordneter Gero Storjohann war optimistischer gewesen. Der Bund werde das Geld sicher bereitstellen.

Alles zur A20 lesen Sie hier

Lesen Sie hier weitere Nachrichten aus dem Kreis Segeberg

Der Brief von Bürgermeister Stefan Bauer (parteilos) an die 33 Gemeindevertreter in Henstedt-Ulzburg, mit der Bitte, ihn bei seiner erneuten Kandidatur zu unterstützen, hat in den Fraktionen für Verblüffung gesorgt. Keine der Fraktionen will sich über eine mögliche Unterstützung äußern.

Nicole Scholmann 06.11.2019
Segeberg Autobahn Kaltenkirchen - A7 wieder zeitweise voll gesperrt

Im Zuge einiger Arbeiten an den Höchstspannungsstromleitungen entlang der Autobahn muss der Übertragungsnetzbetreiber Tennet die A7 zwischen Quickborn und Kaltenkirchen am Mittwoch, 6. November, mehrfach zwischen 9 und 15 Uhr bis zu 60 Minuten lang voll sperren.

Sylvana Lublow 06.11.2019

Vor den Fenstern herrschte Novemberwetter – aber im Hotel Residence machte sich Vorfreude auf die Urlaubssaison 2020 breit: Der Fremdenverkehrsverein Bad Segeberg und Umgebung stellte das neue Urlaubsmagazin vor. Auf 88 Seiten erfahren Leser alles, was sie im Segeberger Ferienland wissen müssen.

Michael Stamp 05.11.2019