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Segeberg A7-Umbau: Bahn und Bus empfohlen
Lokales Segeberg A7-Umbau: Bahn und Bus empfohlen
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18:30 09.05.2014
Von Michael Zwicker
Gerhard Fuchs (links), Verkehrskoordinator für den A7-Ausbau, und der schleswig-holsteinische Verkehrsminister Reinhard Meyer erläuterten, wie ein Abschnitt der Autobahn in Schleswig-Holstein von vier auf sechs Fahrstreifen erweitert werden soll.
Kaltenkirchen/Norderstedt

Um einen regelmäßigen Verkehrskollaps zu vermeiden, sollen im schleswig-holsteinischen A7-Abschnitt während der gesamten Bauphase immer vier Fahrstreifen zur Verfügung stehen. Dazu werden in Richtung Süden die jetzigen zwei Spuren und der Standstreifen genutzt, während die der anderen Autobahnseite Richtung Norden gesperrt und ausgebaut werden. Sind diese Arbeiten erledigt, wird dort der gesamte Verkehr vierspurig geleitet, bis nebenan auch die Gegenfahrbahn verbreitert ist. Bei Arbeiten an Brücken kann es allerdings zu Vollsperrungen kommen.

 Verkehrsminister Reinhard Meyer kündigte an, dass das Vergabeverfahren für den Ausbau der Autobahn zwischen dem Bordesholmer Dreieck und dem Autobahndreieck Hamburg-Nordwest in Hamburg kurz vor dem Abschluss stehe. „Wir haben zwei Konsortien zu einem Angebot aufgefordert und rechnen Mitte Juni mit einer Zuschlagserteilung sowie mit dem Start der Arbeiten im September“, sagte der Minister, als sich rund 200 Vertreter von Kommunen sowie Firmen und Verbänden in der Norderstedter „Tribühne“ trafen. Ausgerichtet wurde die Informationsveranstaltung von Landesregierung, Industrie- und Handelskammer, Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs und -bau GmbH (DEGES) sowie der Logistikinitiative Schleswig-Holstein.

 Der Minister betonte die enorme Bedeutung eines funktionierenden Baustellen- und Informationsmanagements während der Ausbauphase. Ein rascher Informationsfluss an die Verkehrsteilnehmer sei ebenso wichtig wie die reibungslose Baudurchführung selbst. Deshalb sollen beispielsweise digitale Anzeigetafeln alle zweieinhalb Kilometer für die Autofahrer Fahrzeiten zu ausgewählten Zielen in Echtzeit hochrechnen und anzeigen. Zudem sollen Staumeldungen und Umleitungshinweise per Internet auf Handys gesendet werden.

 Zur Koordinierung aller Akteure und als Ansprechpartner für Pendler, Spediteure, Reisende und andere Betroffene haben beide Länder den ehemaligen Staatsrat der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, Gerhard Fuchs, zum Verkehrskoordinator für den A7-Ausbau ernannt. „Beeinträchtigungen werden kommen, aber wir wollen sie so weit wie möglich reduzieren“, sagte Fuchs. Ziel dürfe nicht sein, massenweise Verkehr von der A7 abzuleiten, sondern Staus vorzubeugen. Deshalb appellierte Fuchs insbesondere an Berufspendler, auf Alternativen wie Bahn und Bus umzusteigen.

 Für den Ausbau von Fernstraßen ist generell der Bund zuständig. Für das auf etwas mehr als eine Milliarde Euro Gesamtkosten geschätzte A7-Projekt wird eine so genannte Öffentlich-Private Partnerschaft (ÖPP) gewählt. Der Bund schließt dabei einen Vertrag mit einem privaten Auftragnehmer, der für Ausbau und Instandhaltung des ausgebauten A7-Abschnitts zuständig ist und dafür vom Bund bezahlt wird. Der Vertrag gilt 30 Jahre; danach ist die öffentliche Hand wieder alleiniger Träger.

 Nächsten Monat soll die DEGES (Gesellschafter der AG sind der Bund, Schleswig-Holstein, Hamburg und sieben andere Bundesländer) entscheiden, welches der beiden noch im Rennen um den Großauftrag befindlichen privaten Unternehmen den Zuschlag erhält. Dann wird festgelegt, wann genau wo gebaut wird. Einer der beiden Bewerber hat sich bereits ein Grundstück für eine Autobahnmeisterei ausgeguckt. Gut einen Hektar Nützener Gelände unweit vom Thomas-Betonwerk möchte die Firma kaufen und dort unter anderem eine Halle für einen Fuhrpark und ein Streusalzlager errichten. „Die Gemeinde ist bereits dabei, einen Bebauungsplan aufzustellen“, sagte Nützens Bürgermeister Klaus Brakel, der mit knapp 20 neuen Arbeitsplätzen und zusätzlichen Gewerbesteuereinnahmen rechnet.

 Die andere Firma hat Interesse an einem Grundstück in Großenaspe-Brokenlande, um dort eine Straßenmeisterei zu errichten. Für beide Konsortien würde der gleiche Anreiz gelten, den A7-Ausbau so schnell wie möglich zu realisieren. Laut DEGES-Vorgabe muss der Abschnitt in Schleswig-Holstein spätestens Ende 2018 fertig sein. Sollte alles früher zu schaffen sein, erhält die Firma für jeden gesparten Monat 1 Million Euro als Bonus.

 Auf dem rund 59 Kilometer langen Bauabschnitt in Schleswig-Holstein zwischen dem Bordesholmer Dreieck und der Landesgrenze zu Hamburg sind zurzeit täglich durchschnittlich 72000 Fahrzeuge unterwegs. In Hamburg vor dem Elbtunnel sind es mehr als doppelt so viele. Und Verkehrsexperten prognostizieren einen steten Zuwachs in den kommenden Jahren, insbesondere im Güterverkehr. Dabei ist schon jetzt der Grenzwert der Verkehrsbelastung für die sechsspurige Autobahn zwischen Hamburg-Nordwest und Stellingen deutlich überschritten. Das führt zu überdurchschnittlich vielen Unfällen und Staus. „Der Ausbau ist zwingend notwendig, denn die Kapazität der A7 ist schon seit Jahren nicht mehr ausreichend“, sagte Koordinator Fuchs.