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Segeberg Ärztin darf nicht praktizieren
Lokales Segeberg Ärztin darf nicht praktizieren
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19:09 05.02.2020
Von Klaus-Ulrich Tödter
Da war für Dr. Liliana Rawinski die Welt noch in Ordnung. Bürgermeister Hanno Krause gratulierte ihr im Herbst 2019 zu ihrer künftigen Praxis, die damals noch im Rohbau war. Quelle: Klaus-Ulrich Tödter
Kaltenkirchen

Der Grund: Das Medizinische-Versorgungszentrum (MVZ) Stormarn hat gegen die Sonderbedarfszulassung durch den Zulassungsausschuss für Ärzte der Kassenärztlichen Vereinigung Widerspruch eingelegt, über den der Berufungsausschuss am 20. Februar entscheiden wird. Deshalb muss der Praxisbetrieb bis dahin ruhen. Dr. Jochen Gerlach, Vorsitzender des Ärztenetzwerks „HUK & Hann“, dem über 60 niedergelassene Haus- und Fachärzte zwischen Bad Bramstedt und Norderstedt angehören, spricht von einer Katastrophe für die Patienten in Kaltenkirchen und bezeichnet das Vorgehen des MVZ als „aggressiven Kapitalismus auf Trump-Niveau“.

Schon 100000 Euro in Praxis investiert

Dr. Rawinski hatte am 1. Oktober 2019 die Sonderzulassung für die Eröffnung ihrer Onkologie-Praxis erhalten. Die liegt in einem Gebäude hinter dem Chirurgischen Zentrum von Dr. Reza Rahimi, das dieser für rund 1,5 Millionen Euro errichten ließ und auch noch eine Praxis für Physiotherapie beherbergt. Die Medizinerin hat rund 100 000 Euro in die Inneneinrichtung investiert und bereits drei Mitarbeiterinnen eingestellt. „Hochqualifiziertes Personal, das auf eine lange Berufserfahrung zurückgreifen kann“, wie Dr. Rawinski betont. Rund 20 Patienten, die sie ab Januar behandeln wollte, musste sie kurzfristig absagen. „Das macht mich unendlich traurig.“

Um die neue Arztstelle im Rahmen einer Sonderbedarfszulassung überhaupt bewilligt zu bekommen, musste Dr. Rawinski unter anderem eine 15 Seiten lange Begründung bei der Kassenärztlichen Vereinigung in Bad Segeberg einreichen, wo sie detailliert aufführte, warum gerade Kaltenkirchen eine solche Praxis benötigt. Auch Kaltenkirchens Bürgermeister Hanno Krause hatte die Ansiedlung tatkräftig unterstützt. Kaltenkirchen mit seinen 22000 Einwohnern sei ein schnell wachsendes Mittelzentrum mit Versorgungsfunktion für das Umland mit zusammen rund 44000 Einwohnern. Und auch die Nachbargemeinde Henstedt-Ulzburg mit ihren 27000 Menschen habe keine örtliche onkologische Versorgung. Diese Argumente überzeugten den aus Ärzten und Krankenkassenvertreten bestehenden Zulassungsausschuss.

Berufungsausschuss wird jetzt entscheiden

Doch das sieht das MVZ Stormarn, das solche Praxen in Reinbek, Ahrensburg und in Norderstedt betreibt, offenbar anders, will keine Konkurrenz. Es vertritt die Ansicht, dass kein zusätzlicher Bedarf bestünde, die bestehenden Praxen in der Gegend ausreichen würden. Der Widerspruch des MVZ sei fristgerecht eingereicht, erklärt Delf Kröger, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung in Bad Segeberg. Nun muss sich der Berufungsausschuss des Themas annehmen. Er ist ebenfalls mit Vertreten der Ärzte und Krankenkassen, aber zusätzlich mit einem unabhängigen Vorsitzenden besetzt, der die Befähigung zum Richteramt haben muss. 

Sollte der Berufungsausschuss den Widerspruch zurückweisen, steht der Praxiseröffnung durch Dr. Rawinski nichts mehr im Wege. Zwar könnte das MVZ Stormarn, von dem keine Stellungnahme zu erhalten war, dann noch klagen. „Aber ein solcher Schritt hätte, anders als beim Widerspruch, keine aufschiebende Wirkung“, erklärt Kröger.

Praxis sei dringend erforderlich

Gerlach hält eine Onkologie-Praxis in Kaltenkirchen „für dringend erforderlich“, da eine große Lücke zwischen den Einrichtungen in Norderstedt und Neumünster klaffe. „Gerade für die von einer schweren Chemotherapie belasteten Patienten sind die Wege dorthin weit, beschwerlich und nicht zumutbar.“ Das MVZ sei rein gewinnorientiert und nur darauf bedacht, „das eigene Tortenstück möglichst groß zu halten“. Gerlach bedauert, dass von der Geschäftsleitung kein Kontakt mit dem Ärztenetzwerk aufgenommen wurde, um mögliche Kooperationen auszuloten. Die in den MVZ-Einrichtungen arbeitenden Kollegen nimmt Gerlach von seiner Kritik ausdrücklich aus: „Die machen sehr gute Arbeit.“

Bürgermeister Krause hält den Widerspruch für völlig unbegründet, hat deshalb den Berufungsausschuss angeschrieben und darin seine Betroffenheit und sein Unverständnis artikuliert. Er sicherte der Medizinerin „vollste Unterstützung durch die Stadt Kaltenkirchen“ zu. „Dass eine engagierte Ärztin, die eine große Bedarfslücke der hier lebenden Menschen zu schließen beginnt, die bereits zugelassene Tätigkeit nicht ausüben soll, sorgt in Kaltenkirchen für erheblichen Unmut“, heißt es im Bürgermeister-Schreiben.

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