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Segeberg Muslime fürchten um Integration
Lokales Segeberg Muslime fürchten um Integration
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08:00 24.12.2016
Von Michael Stamp
Drei Ahmadiyya-Generationen, die sich für Integration und Freundschaft zwischen Angehörigen verschiedener Religionen einsetzen: Malik Imran Khokhar (24, von links), sein Neffe Malik Moqueet Khokhar (9) und sein Vater Malik Daud Khokhar (64). Quelle: Michael Stamp
Bad Segeberg

„Wir haben Angst, dass der Anschlag von Berlin unsere gesamte Arbeit spalten könnte – unsere Bemühungen um Integration.“ Die Augen von Malik Imran Khokhar schauen sehr ernst. Dabei ist der 24-Jährige so ziemlich der Letzte, der sich noch integrieren müsste. Das hat er längst. Er lebt seit 1999 in Deutschland, tut seit Jahren eine Menge für die Verständigung der Religionen und hat es sich mittlerweile auch beruflich zur Aufgabe gemacht, seine neue Heimat zu schützen: als Polizist.

 Den Bad Segebergern bringt sich die muslimische Gemeinde vor allem zum Jahreswechsel in Erinnerung. Am Morgen des Neujahrstages treffen sich die Mitglieder der Gemeinde in aller Frühe. Während die deutschen Böller-Fans gerade zu Bett gegangen sind, räumt die Gemeinde den Silvestermüll von den Straßen. Jahr für Jahr kommen etliche Müllsäcke zusammen.

 „Ehrenvolle Arbeit“ nennt sich dieser ehrenamtliche Einsatz, mit dem die Ahmadiyya-Gemeinde ihre Verbundenheit zu Deutschland demonstrieren will. Das gleiche Ziel verfolgt sie bei diversen Baumpflanzungen in der gesamten Bundesrepublik.

 Der Anschlag von Berlin hat die muslimische Gemeinde emotional mindestens genauso stark berührt wie den christlichen Teil der Bevölkerung. „Es wird von der Bevölkerung stumm erwartet, dass man etwas sagt“, erklärt Malik Imran Khokhar. Er ist seit Jahren Pressesprecher der Gemeinde, die in Nahe ihre Moschee hat. Er spricht akzentfrei Deutsch und hat sogar einen leicht norddeutschen Einschlag, wenn er von seinem „Vadder“ redet. „Vadder“ – das ist der 64-jährige Malik Daud Khokhar, der vor 17 Jahren mit seiner Familie aus Pakistan nach Deutschland gekommen ist.

 Von Fremden sind die Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinde bislang nicht auf die Vorkommnisse in Berlin angesprochen worden; Anfeindungen habe es – „Gott sei dank“ – nicht gegeben. Auch im Bekanntenkreis habe er nicht das Gefühl bekommen, sich für seine Religion rechtfertigen zu müssen, sagt der 24-jährige Malik Imran Khokhar. „Für die, die mich kennen, ist es selbstverständlich, dass ich so was verachte.“ Doch die Sorge, dass durch den Anschlag der Blick auf Muslime skeptischer wird, kann niemand ausräumen.

 „Wenn jemand einen Menschen tötet, so ist es, als hätte er die ganze Menschheit getötet“, sagt der 24-Jährige. „Das steht im heiligen Koran.“ Mit Informationen und Gesten der Freundschaft will die Ahmadiyya-Gemeinde weiterhin für das Miteinander der Kulturen werben.

 Der 24-Jährige patrouilliert derzeit über Weihnachtsmärkte, um deren Besucher und Ausrichter vor Extremisten zu schützen. Malik Imran Khokhar ist seit 2012 Polizist und arbeitet seit vergangenem Jahr bei der Einsatzhundertschaft der Landespolizei in Eutin. „In ganz Deutschland gibt es viele Leute von meiner Gemeinde, die das machen“, schildert er. „In Norddeutschland bin ich der Einzige.“ Seit dem Anschlag von Berlin ist er quasi immer in Bereitschaft. „Man muss sehr wachsam sein.“

 Ein wenig ist Familie Khokhar erleichtert, dass sich in Berlin der anfängliche Verdacht gegen einen pakistanischen Flüchtling nicht erhärtet hat. „Es war umso schmerzlich, dass es ein Pakistani hätte sein können.“ Doch letztlich – so sagt er – spielt die Nationalität des Attentäters keine Rolle. Schlimm ist, dass er all diejenigen in Verruf gebracht hat, die vor Terror und Krieg nach Deutschland geflohen sind und hier ein neues Leben beginnen wollen.

 Darauf weist auch der bundesweite Ahmadiyya-Pressesprecher Dr. Mohammed Dawood Majoka in einer Stellungnahme hin. „Mit aller Härte muss die Staatsanwaltschaft gegen hasserfüllte und menschenverachtende Anschläge vorgehen“, sagt er. „Es ist eine menschliche Tragödie, dass der Tat eines irregeleiteten Einzelnen, der ohne Reue und Skrupel handelte, Unschuldige zum Opfer gefallen sind. Wir hoffen und beten, dass diese Ereignisse für die Bemühungen um den Zusammenhalt in der Gesellschaft und die Integrationsarbeit keinen Rückschritt darstellen.“

Es war eine durch und durch gut gemeinte Aktion – aber bei vielen Passanten erreichte sie leider genau das Gegenteil der erhofften Wirkung. Die Bad Segeberger Polizei ging am Freitag in der Innenstadt verstärkt Streife und sorgte damit für erhebliche Beunruhigung.

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