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Segeberg Mit Marmelade und guter Laune
Lokales Segeberg Mit Marmelade und guter Laune
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04:06 17.05.2018
Von Lutz Timm
Hüttblek und Struvenhütten sind sein Revier: Weithin sichtbar und mit zumeist guter Laune verteilt Uwe Lohse in der Morgendämmerung die Segeberger Zeitung. Quelle: Heinrich Pantel
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Hüttblek

Auch an diesem Mittwoch um 5 Uhr morgens keine Spur von Müdigkeit bei Lohse. Für die Aktion „Frühstück bei...“ trifft sich der Zusteller in der Hüttbleker Ortsmitte mit einem SZ-Fotografen und einem Lokalredakteur. Sie wollen ihn auf einem Teil seiner Route begleiten, für später sind alle zu einem gemeinsamen Frühstück mit Leserin Renate Fricke verabredet.

Zusteller Lohse achtet auf seine Leser

Lohse kommt in knalliger Warnweste angelaufen und schwärmt von der frischen Luft und den tollen Lichtverhältnissen, die man zu so früher Stunde erleben könne. Gelegenheit dazu hat er genug, rund 100 Zeitungen in eineinhalb Stunden verteilt Lohse an sechs Tagen in der Woche auf die Briefkästen seiner Leser. Im Anschluss an seine Runde fährt er weiter zu seinem Hauptberuf nach Norderstedt, wo er als Industriebuchbinder arbeitet.

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Die Route durch den Ort fährt Lohse routiniert ab. Er weiß genau, wer im Urlaub ist und wer nicht. Gerade bei älteren Menschen achte er darauf, ob der Briefkasten regelmäßig geleert werde, manchmal könne eine nicht gelesene Zeitung schließlich ein Zeichen für einen medizinischen Notfall sein.

Obwohl viele Leser noch im Bett liegen, wenn der Stuvenborner ihnen die Zeitung bringt, hat er dennoch zu vielen Kontakt – durch zufällige Begegnungen, Karten zu Weihnachten oder kleine Nachrichten. „Manchmal schreibe ich einen kleinen Gruß mit Smiley auf die Zeitung“, erzählt Lohse, der im Kirchengemeinderat seines Heimatortes sitzt. „Oder ich stecke ein Glas selbstgemachte Marmelade mit in den Briefkasten.“

Für Renate und Gerhard Fricke geht es nicht ohne Zeitung

Den Briefkasten am Haus von Familie Fricke kennt Lohse bereits, um acht Uhr bittet ihn Leserin Renate Fricke erstmals an den ausladend gedeckten Frühstückstisch. Bei frischem Rührei von den eigenen Hühnern erzählen Renate Fricke und ihr Mann Gerhard, dass sie sich jeden Morgen über die zuverlässige Zustellung freuen. Für die Hüttbleker gehört das Zeitunglesen dazu, seit 1972 „geht es nicht ohne“, wie Renate Fricke betont. Sie hatte auch die Idee, sich bei der Frühstücksaktion zu bewerben. Dabei kennen die Frickes ihren Zusteller bereits: als Mitglied des Bürgervereins Stuvenborn-Sievershütten-Hüttblek organisiert er regelmäßig Fahrradtouren, die 68-Jährige und ihr 72-jähriger Mann treten dann gerne mit in die Pedale.

Am Frühstückstisch geht es dann aber um viele verschiedene Themen: Kinder, Enkelkinder, Fußball oder Kommunalpolitik sind in lockerer Atmosphäre genauso Gesprächsinhalt wie die Tücken des Zustellens oder die Leidenschaft für gutes Essen. Am Ende sind sich jedenfalls alle einig, dass das gemeinsame Frühstück ein Gewinn war. Und ein ganz persönliches Andenken haben Renate und Gerhard Fricke auch von ihrem Zusteller bekommen: ein Glas selbstgekochte Marmelade.

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