Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Segeberg Alexander Klaws vor Winnetou-Premiere
Lokales Segeberg Alexander Klaws vor Winnetou-Premiere
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:00 29.06.2019
Von Michael Stamp
Alexander Klaws greift als neuer Winnetou gern zur Friedenspfeife - hier mit Sascha Gluth als Old Shatterhand und Harald Wieczorek als Schoschonenhäuptling Tokvi-Tey. Das Wildwest-Stück "Unter Geiern - Der Sohn des Bärenjägers" läuft bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg vom 29. Juni bis zum 8. September im Freilichttheater am Kalkberg. Quelle: Frank Molter
Anzeige
Bad Segeberg

Am Kalkberg hat die heiße Phase vor der Premiere begonnen. Erstmals treten dort auch Larissa Marolt als Schauspielerin "Tiffany O'Toole" und Raúl Richter als Bärenjäger-Sohn Martin Baumann auf. Trotz des Trubels der stressigen Hauptproben hat sich der Hauptdarsteller die Zeit für ein Treffen mit der Segeberger Zeitung genommen. Alexander Klaws erzählt in einem sehr persönlichen Gespräch, wie er sich auf die Rolle vorbereitet, ob sein Sohn Lenny in die Aufführung kommt, wie er das Familienleben mit seiner ebenfalls in der Musicalbranche erfolgreichen Lebensgefährtin Nadja Scheiwiller organisiert und warum er besonders gespannt ist, wie sein Vater auf den Winnetou-Auftritt reagiert.

Die Premiere steht vor der Tür. Hand aufs Herz: Hat man als Winnetou größeres Lampenfieber als in einer anderen Rolle?

Anzeige

Nein. Ich bin Hauptrollen ja gewohnt – sei es nun Tarzan oder auch Old Surehand. Die Nervosität ist jedesmal eine andere. Der Kult um Winnetou ist mir natürlich bewusst, auch die Erwartungen des Publikums. Ich gehe sehr respektvoll mit der Rolle um. Es ist eine große Ehre, den Winnetou zu spielen. Ich möchte die Leute zugleich aber auch überraschen.

Viel Respekt vor der Winnetou-Rolle

Wie hast du dich der Winnetou-Rolle schauspielerisch genähert?

Ich habe mich im Vorfeld sehr genau mit der Figur beschäftigt und mich natürlich mit dem Textbuch auseinandergesetzt. Auch die Filme habe ich mir noch mal angeschaut – besonders „Unter Geiern“. Eines aber gleich vorweg: Ich werde keine Kopie von irgendjemandem sein. Ich möchte den Winnetou auf meine Art interpretieren und ihr als Alexander Klaws meinen Stempel aufdrücken. Darauf bin ich selber gespannt. Für mich sind vor allem die Proben wichtig.  und immer auf die Kollegen zu achten. Nur dann kommt am Ende etwas Gutes heraus.

Bei der Pressevorstellung fiel auf, dass der neue Winnetou wesentlich emotionaler und auch mal lauter daherkommt.

Das finde ich sehr wichtig. Ich möchte als Winnetou nicht nur der Pastor sein und auch nicht in jeder Situation ruhig bleiben. Es ist doch sehr reizvoll, in manchen Momenten Emotionalität zeigen. Die Legende Winnetou ist ja jedem bekannt, aber auch an ihr kann man neue Seiten entdecken. Auch körperlich habe ich mich intensiv vorbereitet. Ich möchte ja auf der Bühne ein glaubwürdiger Häuptling der Apachen sein – mit allem, was an Action dazugehört.

Vater weinte in bei "Old Surehand" vor Rührung

Dein Vater hat vor zwei Jahren bei der Übernahme der Old-Surehand-Rolle gesagt: „Kannst du nicht einfach mal eine normale Rolle spielen, bei der du nicht übers Publikum fliegst, am Kreuz über der Bühne schwebst oder mit 'nem Revolver einhändig auf einem Pferd Bösewichte jagst?!“ Was hat er denn jetzt zum Winnetou gesagt?

Jetzt hat er gar nichts mehr gesagt. (Er lacht.) Er war wirklich sprachlos. Winnetou war der absolute Held seiner Kindheit und Jugend. Mein Vater hat damals sein Taschengeld gespart, um ins Kino gehen und die Karl-May-Filme erleben zu können. Schon vor zwei Jahren, als ich in Bad Segeberg als Old Surehand eingeritten bin, hatte er Tränen in den Augen. Ich bin sehr gespannt, wie er jetzt meinen ersten Auftritt als Winnetou erlebt.

"Einmalige Atmosphäre am Kalkberg"

Was macht bei den Proben am meisten Spaß?

Die ganze Gemeinsamkeit macht einfach Freude! Es geht ja nicht nur darum, das Stück aufzuführen, sondern auch die ganzen Rollen zu erforschen. Und dann darf man nicht diese einmalige Atmosphäre am Kalkberg vergessen! Ich empfinde das Freilichttheater als magischen Ort. Beides zusammen – also das Theater und der beeindruckende Felsen – ist eine unschlagbare Kombination.

Die größte Herausforderung?

Das Reiten! Mein „Iltschi“ heißt „Oro“ und ist ein temperamentvolles Pferd, das seinen Reiter sehr fordert. Wir bilden ein echtes Team und ich bin nicht nur „Beifahrer“ bei ihm. Das bedeutet aber auch, dass ich in jeder Situation voll konzentriert sein muss. Manchmal zieht es „Oro“ zu A4 (das große Felsentor, hinter dem die Pferdeboxen liegen, Anm.d.Red.), obwohl wir in der Szene eigentlich ganz woanders hin müssen. Aber mit viel Geduld und Geschick bekommen wir das hin. „Oro“ hat halt seinen eigenen Kopf. (Er schmunzelt.) Wie ich – passt doch!

Gibt es eine Lieblingsszene?

Ja – gleich die erste! In dieser Eröffnung des Stücks ist alles drin: vom großen Winnetou-Auftritt mit dem Ritt durch den Mittelring über eine Kampfszene bis hin zu einer wirklich emotionalen Rede. Darin gefällt mir eine Passage besonders gut: „Sehen wir auf die Farbe der Herzen, und nicht auf die Farbe der Haut!“ Schöner kann man das nicht sagen. Das ist für mich die entscheidende Botschaft, die „Unter Geiern“ den Zuschauern mit auf den Nachhauseweg gibt.

Wie das Familienleben mit Sohn Lenny klappt

Darf sich dein Sohn Lenny (2) denn auch schon die Vorstellung ansehen?

Schauen wir mal! Wir werden es vielleicht einmal mit einer Nachmittagsvorstellung versuchen – und zwar von weit hinten. Also oben vom Pommesstand aus. (Er lacht.)

Ich stelle es mir unheimlich schwer vor, das Familienleben zu organisieren – wenn beide Eltern im Showgeschäft arbeiten und oft unterwegs sind. Wie klappt das?

Da wundern wir uns teilweise selber. Da gibt es aber nur ein Rezept: Wir sprechen jeden Tag unheimlich genau ab und müssen alles weit im voraus planen. Wir haben außerdem das große Glück, dass ich zwei Schwiegereltern habe, die beide schon pensioniert sind und sich rührend um Lenny kümmern, wenn Nadja und ich unterwegs sein müssen. Nadja spielt gerade im „Circus-Knie“-Musical in Bern, ich reite als Winnetou in Bad Segeberg. Lenny genießt es im Moment, bei Oma und Opa in der Schweiz zu sein. Wenn wir alle drei zusammen sind, ist das eine unheimlich wertvolle, intensive und einfach schöne Zeit. Lenny hat mit seinen zweieinhalb Jahren übrigens schon mehr von der Welt gesehen als ich in 18 Jahren.

Rothaut-Debatte hält er für "konstruierte Diskussion"

Das unvermeidliche Thema: Jüngst wurden Begriffe wie „Rothaut“ kritisiert, weil sie politisch nicht korrekt seien.

Dazu ist eigentlich schon alles gesagt. In meinen Augen ist das eine sehr konstruierte Diskussion. Es haben sich inzwischen ja auch schon Indianerstämme zu Wort gemeldet und erklärt, dass sie überhaupt kein Problem mit dem haben, was wir hier auf die Bühne bringen. Eigentlich müsste doch jeder wissen: Was wir hier spielen, ist ein Märchen! Karl Mays Anspruch war es nicht, in seinen Romanen den Wilden Westen in jedem Punkt realistisch abzubilden – und unser Anspruch als Familientheater ist es nicht, eine autobiografische Geschichte zu spielen.

Kurz vor der Winnetou-Präsentation im März gab es eine Diskussion, weil man das Verkleiden von Kindern als Indianer unterbinden wollte.

Ich finde es bei derartigen Debatten immer ganz schwierig, wenn Kinder hineingezogen werden. Es ist doch ein liebevolles Kompliment, wenn sich ein Kind als Indianer verkleidet und damit zeigt: Ich wäre gern so wie die Indianer. Vielleicht erwächst daraus sogar ein Interesse für deren Kultur. Was soll daran denn falsch sein? Es täte uns oft gut, wenn wir uns in andere Menschen hineinversetzen.

In Bad Segeberg entspannt er gern am Wasser

Bleibt dir neben der Probenarbeit denn Zeit, Bad Segeberg zu entdecken?

Den ganzen Bereich rund um den Ihlsee habe ich schon vor zwei Jahren entdeckt, weil ich den Sommer über dort ganz in der Nähe gewohnt habe. Auch Möbel Kraft kenne ich von innen inzwischen auswendig. (Er lacht.) Nadja und ich haben in Hamburg ein Haus gebaut und sind, als wir es eingerichtet haben, oft in Bad Segeberg gewesen. Auch auf dem Hof Behnk (dort in Groß Rönnau stehen die Karl-May-Pferde außerhalb der Saison, Anm.d.Red.) halte ich mich sehr gerne auf. Oder ich genieße die Ruhe in dem idyllischen Café am Großen Segeberger See und lasse die Seele baumeln. Es ist einfach richtig schön hier, weil es so viele Orte gibt, an denen man gut runterkommen und entspannen kann. Wenn ich nicht gerade auf der Bühne stehe, ist es wie Urlaub.

Alexander Klaws - zur Person:

Mit gerade mal zehn Jahren stand Alexander Klaws zum ersten Mal vor einer Fernsehkamera: in der „Mini-Playback-Show“. Sein Durchbruch folgte 2003, als er die erste Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ gewann.  Mit seiner Debüt-Single „Take Me Tonight“ und der Dieter-Bohlen-Ballade „Free Like The Wind“ schaffte er es auf Platz 1 der Charts. Insgesamt verkaufte er über 3,2 Millionen Tonträger.  Er wurde Musicalsänger, spielte unter anderem in "Tanz der Vampire", "Der Schuh des Manitu", "Joseph", "Tarzan" und "Ghost". Für etliche der Produktionen wurde er mit Preisen ausgezeichnet. Nach wie vor geht er gern auf Konzertournee. Außerdem war Alexander Klaws über 400 Folgen lang in der Telenovela „Anna und die Liebe“ zu sehen.

Nicole Scholmann 29.06.2019
Sylvana Lublow 28.06.2019