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Segeberg Viel Hilfe für „neue Nachbarn“
Lokales Segeberg Viel Hilfe für „neue Nachbarn“
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18:30 11.12.2015
Von Isabelle Pantel
Christa Amend (links) engagiert sich unter anderem in der Kleiderkammer in der Bürgerhalle, die mittwochs von 16 bis 18 Uhr geöffnet ist. Pastorin Simone Pottmann ist für viele Flüchtlinge eine wichtige Ansprechpartnerin und Koordinatorin. Quelle: Isabelle Pantel
Alveslohe

Allerdings wurde bei dem Treffen auch deutlich, dass einzelne Dorfbewohner die gesamte Flüchtlingskrise äußerst kritisch sehen und rechtsradikale Thesen vertreten.

Bis Ende des Jahres sollen dem Amt Kaltenkirchen-Land 130 Flüchtlinge zugewiesen werden. Von ihnen sind bereits etwas über 100 eingetroffen. Davon wiederum wurden 24 nach Alveslohe geschickt. Weitere werden noch erwartet. Weil auch im kommenden Jahr damit gerechnet werden muss, dass der Flüchtlingsstrom nicht abreißt, hat die Gemeinde zwei neue Wohnobjekte zur Unterbringung im Auge. Sie folgt dabei dem im Amt festgelegten Grundsatz „Mieten vor Kaufen vor neu Bauen“. Außerdem bemüht sich die Gemeinde, die Flüchtlinge dezentral unterzubringen. Das soll zu ihrer Sicherheit beitragen und auch die Integration erleichtern.

 In Alveslohe leben derzeit zwei Asylbewerber-Familien. Ferner gibt es zwei Unterkünfte, in denen sechs beziehungsweise acht Alleinstehende wohnen. Betreut werden sie von zurzeit 15 Flüchtlingslotsen. Sie helfen den Ausländern dabei, den Alltag im neuen Land zu meistern: Sie melden die Asylbewerber bei der Kaltenkirchener Tafel an, vermitteln Fahrräder, zeigen den Ort oder organisieren Fahrten zum Arzt. Auch eine ehrenamtlich geführte Kleiderkammer und von Freiwilligen angebotene Deutschkurse gibt es mittlerweile. Ab Januar soll im Gemeindehaus der Kirche donnerstags ein Kaffeetreff eingerichtet werden. „Unser Ziel besteht darin, Raum für Begegnung zu schaffen und Vorurteile abzubauen“, sagte Bürgermeister Peter Kroll, der das Lotsen-Projekt in der Einwohnerversammlung gemeinsam mit Karin Peters und Pastorin Simone Pottmann vorstellte.

 Weitere Helfer werden laufend benötigt. Auch Sachspenden sind willkommen. Da sie von den Lotsen nicht eingelagert werden können, bat Karin Peters darum, im eigenen Haushalt nicht mehr benötigte Möbel oder Küchenutensilien in einem ersten Schritt lediglich zu melden. Die Abholung erfolge dann erst, wenn bei Flüchtlingen konkreter Bedarf bestehe.

 Die Flüchtlingslotsen erhielten vom Publikum großen Applaus. Allerdings wurden von zwei Alveslohern auch skeptische Meinungen zum Thema Flüchtlingskrise geäußert. Als Bürgermeister Kroll die Asylbewerber als neue Mitbürger bezeichnete, wurde er von einem Gast darüber belehrt, dass dieser Terminus im juristischen Sinne nicht stimme. „Ob Sie von neuen Flüchtlingen, neuen Asylbewerbern, neuen Alveslohern oder neuen Mitbürgern sprechen, ist nicht wichtig. Es handelt sich um Menschen, die in Not sind und denen Hilfe gebührt“, ließ Kroll die Kritik an sich abprallen. „Neue Nachbarn!“, ergänzte ein anderer Alvesloher und erhielt für seinen Kommentar ebenso wie der Bürgermeister viel Applaus.

 Der Skeptiker legte noch einmal nach und zitierte einen Text, in dem davon ausgegangen wurde, dass die Flüchtlingskrise von den USA aus gesteuert sei. Das Ziel: In Mitteleuropa eine weiß-braune Menschenrasse mit einem durchschnittlichen Intelligenzquotienten von 90 zu begründen. Diese eigenwillige und von rechtsradikalem Gedankengut inspirierte Idee wies Peter Kroll scharf zurück, und auch aus den Reihen der anderen Gäste gab es dafür keine Zustimmung. Im Gegenteil: Im Dorf besteht offensichtlich großes Interesse daran, den Flüchtlingen bei der Eingewöhnung zu helfen.

 Wer sich der Lotsengruppe anschließen will oder Sachspenden abgeben möchte, kann sich unter Telefon 04193/ 950836 melden. Aktuell benötigt werden beispielsweise Töpfe, Geschirr, Schulranzen oder Kindersitze fürs Auto.

Alle Fraktionen in der Kreistagssitzung in Bad Segeberg waren sich einig: Der Aufwand, Kindern und Jugendlichen in Krisen sowie Asylbewerbern zu helfen, explodiert geradezu. Um die Krisen zu bewältigen, erhält die Kreisverwaltung 2016 viel Geld und viel neues Personal.

Gerrit Sponholz 11.12.2015

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KN-online (Kieler Nachrichten) 11.12.2015

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Gerrit Sponholz 11.12.2015