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Segeberg Fischfang mit Strom: Die Elektrofischer von der Bramau
Lokales Segeberg Fischfang mit Strom: Die Elektrofischer von der Bramau
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17:00 03.11.2019
Von Gudrun Ehlers
Nicht nur die Fische müssen auf der Reise Wehre und Stufen im Wasser überwinden, auch die Elektrofischer-Mannschaft muss sich durchkämpfen. Quelle: Gudrun Ehlers
Bad Bramstedt

Während sich so manch einer nichts Besseres vorstellen kann, als am Wochenende auszuschlafen, stehen die Mitglieder des Angelvereins Forelle Bad Bramstedt freiwillig frühmorgens auf, schlüpfen in die Wathosen und machen das Boot klar. Sie wollen zum Elektrofischen auf die Bramau. „Das ist die schönste Zeit im Jahr, für uns ist das hier wie Weihnachten“, meint Marco Winkler und strahlt über das ganze Gesicht. Von Oktober bis März ist Schonzeit für die Fische und Angelverbot, denn im Oktober beginnt die Laichzeit der Forellen und Lachse, die bis in den Dezember andauert. Die Mitglieder des Angelvereines gehören zur Arbeitsgemeinschaft zur Wiedereinbürgerung von Meerforellen und Lachsen im Dienste des Landesfischereiministeriums in Kiel. Sie helfen dabei, die Fischpopulation in den Auen stabil zu halten.

Aufzucht von Jungfischen

In der vereinseigenen Brutanlage an einem geheimen Ort stehen schon die vielen kalten, nassen „Kinderbetten“ dafür bereit. An der Wand hängt ein Plan, damit jeder weiß, welche Brut in welches Bassin kommt, weil die Eier doch alle sehr ähnlich orange gefärbt sind. „In jedem Jahr setzen wir so bis zu 200000 Brütlinge in die Gewässer rund um Bad Bramstedt wieder aus. Wenn wir das nicht machen würden, gäbe es hier keine Forellen oder Lachse mehr”, betont Bernhard Röder. Er ist Gewässerwart und kümmert sich um die Aufzucht der Jungfische.

So fangen die Mitglieder des Angelvereins Fische in der Bramau.

Aber noch sind die Becken verwaist, die Elterntiere, die Meer- und Bachforellen sind jetzt erst auf der Reise von der Nordsee hoch bis in die Bramau zum Ablaichen. Röder und seine Vereinsmitglieder fangen sie mithilfe des Elektrofischens schon vorher ab. Die Hochzeit der Fische findet dann etwas unromantisch in der Brutstation statt, wo die Chancen für tausendfachen Nachwuchs der Fische wesentlich besser stehen, als in freier Natur. „Die Gewässer sind zwar sauber, aber oft nicht sauber genug und außerdem gibt es viele Fischräuber, nicht nur Tiere, auch Wildangler“, so Röder.

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Bramau: So funktioniert das Elektrofischen

Auch wenn sich Elektrofischen fies anhört, es ist eine sehr schonende Methode die Tiere zu fangen. Von einer Batterie an Bord wird ein 600-Volt-Stromfeld rund um das Boot erzeugt. Durch den Gleichstrom – der Kescher ist dabei der Pluspol und das Boot der Minuspol – werden die Fische betäubt. „Das funktioniert nach dem Prinzip der Galvanotaxis. Eine Gehirnhälfte des Fisches schläft ein und die andere schwimmt dahin, wo es kitzelt. Holen wir den Fisch dann aus dem Wasser, ist er sofort wieder wach“, so Röder. Die Mitglieder selbst schützen sich mit dicken Gummihandschuhen und der Gummihose vor dem Strom. Für das Elektrofischen braucht man eine besondere Ausbildung, schließlich handelt es sich hier um eine Verbindung von Starkstrom und Wasser. „Man muss sich schon an die Schutzbestimmungen halten, dann kann einem auch nichts passieren“, erklärt Bernhard Röder.

Erst kommen die Rogner, dann die Milchner

Von der Anlegestelle vom Schloss in Bad Bramstedt geht es die Bramau hinunter bis nach Föhrden-Barl. Von klein bis groß – der größte Fisch war schon mal über einen Meter –, Meerforelle, Bachforelle und auch mal einen Lachs fängt die Bootcrew aus dem Wasser. Die Tiere kommen an Bord in einen Bottich mit Wasser unter Zusatz von Sauerstoff. Die Bodencrew begleitet das Boot per Pkw und Anhänger mit großen Wasserbassins. An verschiedenen Stellen werden die gefangenen Fische umgelagert und später zur Brutstation gefahren.

Steckbrief: Elektrofischen

In Deutschland ist das Elektrofischen nur unter besonderen Voraussetzungen möglich. Dazu zählen die Prüfung als Elektrofischer, eine Genehmigung der Fischereibehörden und die Beachtung der Vorschriften des Verbandes der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik. Daneben sind einige physikalische und physiologische Grundkenntnisse Voraussetzung, um die Elektrofischerei erfolgreich und sachgerecht ausüben zu können.

„Erstmal wollen wir nur die Weibchen haben, die Rogner“. Die kommen auch zuerst die Bramau hoch geschwommen. Später kommen die Männchen, die Milchner, die man auch Böcke nennt, dazu. Dann findet die Hochzeit statt, wobei man nur sehr wenige Männchen braucht, um die Eier zu befruchten. Hat man schon einmal die Fische gefangen, werden sie auch gleich für Kontrollen in den nächsten Jahren gemessen, gewogen und mit einem Chip markiert. „Das machen wir jetzt seit drei Jahren, so haben wir den Überblick, wie viele von den Tieren wieder hierher zurückkommen und wie sie sich entwickelt haben“, so Bernhard Röder.

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