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Segeberg Revolution-Train rollt in Kreis Segeberg
Lokales Segeberg Revolution-Train rollt in Kreis Segeberg
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06:27 11.11.2019
Von Gerrit Sponholz
Der Revolution-Train ist ein Anti-Drogen-Zug, der Jugendliche von dem Konsum von Drogen abhalten soll. Quelle: Stiftungsfonds neues Tschechien
Kreis Segeberg

Ende November soll der Vorvertrag, zumindest für den Halt in Norderstedt, mit der Stiftung aus Tschechien, die den Zug betreibt, unterschrieben werden.

Der Zug soll jeweils rund eine Woche Station in Norderstedt, Bad Bramstedt und Bad Segeberg machen. Insgesamt 5000 bis 6000 Schüler sollen ihn durchlaufen können.

Bis zu 6000 Schüler sollen Zug durchlaufen

Allerdings ist bislang nur ein Teil der Gesamtkosten von rund 140.000 Euro finanziert. Unter Experten ist der Zug wegen pädagogischer Aspekte umstritten.

Projektleiter Jürgen Schlichting hatte den in Tschechien konzipierten Revolution Train auf dem Deutschen Präventionstag in Dresden kennengelernt – und war sofort Feuer und Flamme gewesen. Die jugendlichen Besucher durchlaufen den 165 Meter langen Zug und erfahren dabei viel über Drogen und deren tödliche Wirkung. „Aber ohne erhobenen Zeigefinger“, hat Schlichting immer wieder betont.

Folgen von Drogenkonsum werden gezeigt

Die jungen Leute sollen ihre eigenen Schlüsse ziehen, etwa wenn sie sich mehrfach in einer Umgebung befinden, die einem menschlichen Herzen nachempfunden ist. Am Anfang ist es gesund und gut durchblutet, am Ende grau und voller schädlicher Ablagerungen. Auch die dramatischen Folgen eines Verkehrsunfalls unter Drogeneinfluss werden veranschaulicht.

Laut Schlichting werden auch schwieriger zu erreichende Jugendliche von der eindringlichen Darstellung beeindruckt. „Spätestens im zweiten Waggon haben wir sie.“ Das sei wichtig, denn der Drogenkonsum sei im Kreis Segeberg gewachsen, von 2017 zu 2018 etwa bei Cannabis um 48 Prozent und bei Amphetaminen um 68 Prozent.

Sechs Waggons mit Kinos und Interaktionen

In die sechs Waggons sind vier Kinosäle und acht interaktive Räume eingebaut worden. Ein Durchgang dauert etwa 90 Minuten. In Norderstedt würde das alte Stammgleis benutzt.

In Bad Segeberg soll der Zug auf dem früheren Panzerverladegleis stehen, um nicht die Nordbahn auf ihren Fahrten zwischen Neumünster und Bad Oldesloe zu blockieren. Für Bad Bramstedt ist ein Standort gegenüber des Bahnhofs vorgesehen.

Norderstedt und Henstedt-Ulzburg wollen den Halt in Norderstedt mitfinanzieren, sagt Schlichting. Die Gremien hätten 20.000 Euro zugesagt.

Kreis will 30.000 Euro dazugeben

Weitere 30.000 Euro soll der Kreis dazugeben, hat kürzlich der Ordnungsausschuss des Kreistages auf Antrag der Fraktionen von CDU und WI-SE empfohlen. Mit Mehrheit bei einigen Enthaltungen, sagt Ausschussvorsitzende Rosemarie Jahn (FDP).

Und etwas Geld ist auch schon auf den zwei Spendenkonten der Kreisverkehrswacht eingegangen, sagt Schlichting. Wie viel, wollte er noch nicht verraten. Die Kampagne komme jetzt ja erst ins Rollen, sagt er.

Positive Signale seien auch aus anderen Kommunen eingetroffen. Mit Bad Bramstedt, Kaltenkirchen, Bad Segeberg und Wahlstedt gebe es Gespräche. Von einigen Schulen weiß Schlichting, die notfalls selbst den Zug-Besuch von Schülern finanzieren würden.

Skepsis allerdings bei Suchtexperten

Allerdings stößt das Projekt auch auf Skepsis. Das Innen- und das Sozialministerium unterstützen das Vorhaben nicht, da sie es laut Verkehrswacht als zu abschreckend empfinden. Auch bei örtlichen Suchtberatern gibt es Vorbehalte.

In der Kreisverwaltung sind die Meinungen gespalten. Die Verwaltungsspitze, also Landrat Jan Peter Schröder, steht ihm aufgeschlossen und positiv gegenüber, heißt es im jüngsten Bericht zur Psychiatrieplanung des Kreises.

Dr. Sylvia Hakimpour-Zern, Leiterin des Fachdienstes Sozialpsychiatrie, empfiehlt das Projekt dagegen nicht. Das sähen auch Suchtexperten aus Schleswig-Holstein, und selbst das Schulministerium aus Tschechien so, woher der Anti-Drogen-Zug stammt.

„Der Zug wirkt faszinierend, setzt aber zu sehr auf Abschreckung“, sagt Hakimpour-Zern. Sie widerspricht Schlichting. Es würde sehr wohl mit erhobenem Zeigefinger gearbeitet. Das sei althergebrachte Pädagogik, und sei bei Jugendlichen wirkungslos und wirke nicht verhaltensvorbeugend.

"Abscheckende Bilder wirken nicht"

Wichtiger sei eine sogenannte Verhältnisvorbeugung, sagt Hakimpour-Zern. Also dass die Jugendlichen direkt angesprochen werden, in deren Sozialräumen, mit Vor- und Nachbereitung. Das sei zwar viel Klein-Klein, stärke aber letztlich die Widerstandskraft der Jugendlichen. Sie spürten ihre Selbstwirksamkeit.

Abschreckende Bilder, wie im Anti-Drogen-Zug, funktionierten dagegen immer nur kurzfristig, meint die Expertin. Das sei mit Horror-Unfallbildern an Autobahnen etwa so, die zu vorsichtigem Fahren motivieren sollen, oder mit warnenden Lungenkrebsfotos auf Zigarettenschachteln. Wirksamer seien der Nichtraucherschutz und das Rauchverbot in Gaststätten.

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