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Segeberg Warda Bin Sumait: Ihr Herz gehört den Kindersoldaten
Lokales Segeberg Warda Bin Sumait: Ihr Herz gehört den Kindersoldaten
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07:22 03.11.2019
Von Thorsten Beck
Die Menschenrechtsaktivistin Warda Bin Sumait lebt als anerkannter Flüchtling in Bad Segeberg. Quelle: Thorsten Beck
Bad Segeberg

Derzeit kann die ausgebildete Rechtsanwältin ihren Schützlingen daher nur aus der Ferne beistehen. Über 5000 Kilometer von Land ihrer Geburt entfernt, hat sie als – inzwischen offiziell anerkannter – Flüchtling einstweilen eine neue Heimat gefunden. Nachdem sie die erste Zeit in der städtischen Gemeinschaftsunterkunft Am Bienenhof verbracht hatte, konnte sie inzwischen eine eigene kleine Wohnung beziehen. Von dort aus versucht die ledige und kinderlose Jemenitin, ihre humanitären Projekte irgendwie am Leben zu erhalten und hofft, in Deutschland über die Situation dort aufklären zu können.

Hindernis ist die Sprache

Das größte Hindernis dabei ist im Augenblick die Sprache: Warda Bin Sumait hat gerade erst begonnen, in einem festen Kurs Deutsch zu lernen. Da sie außerdem nur wenig Englisch spricht, ist sie bisher immer auf einen Dolmetscher mit guten bis sehr guten Arabisch-Kenntnissen angewiesen, um ihr Anliegen zu transportieren. Auch beim Gespräch mit der Segeberger Zeitung war einer mit dabei, um bei der Kommunikation zu helfen.

Nicht mit 15 verheiratet

In Aden geboren, ganz im Süden des an Saudi-Arabien und den Oman angrenzenden Jemen, führte die 38-Jährige lange ein gutes Leben. Obwohl ihr Vater bereits starb, als sie erst sieben Jahre alt war, habe sie doch Glück gehabt: „Ich wurde nicht wie viele andere Mädchen mit 15 verheiratet.“ Gegen den Willen ihrer Familie habe sie dann Jura studieren und anschließend zwei Jahre lang bei einem sehr guten Anwalt praktizieren können, erzählt Warda Bin Sumait. Dort seit sie auch erstmals mit der humanitären Hilfe in Kontakt gekommen – und habe quasi ihre Lebensaufgabe gefunden.

Der Bürgerkrieg im Jemen

Seit 2013 kämpfen im Jemen schiitische Huthi-Rebellen mit der Armee der Zentralregierung um die Macht. In diesem Konflikt gelang es den vom Iran unterstützten Huthi-Milizen, die Hauptstadt Sanaa und große Teile des Landes zu erobern. Daraufhin begann Saudi-Arabien unter militärischer Mitwirkung acht anderer Staaten im März 2015 eine militärische Intervention zugunsten des Staatspräsidenten Hadi und des Regierungschefs Chalid Bahah. Im Zuge des Krieges brach im Jemen 2016 die Cholera aus und verursacht seither global und historisch das schwerste Auftreten der Krankheit. Über 1,4 Millionen erkrankten und mehr als 2800 starben. Der Krieg selbst hat seit 2015 über 50000 zivile Todesopfer gefordert.

Um das Jahr 2011 herum, als in vielen autokratisch geführten Staaten politisch der arabische Frühling ausbrach, übernahm sie selbst Verantwortung. „Ich habe vor allem den Schwachen in der Gesellschaft gezeigt, welche Rechte sie haben.“ Seinerzeit erhielt die Menschenrechtsanwältin auch Zugang zu den Gefängnissen und sah die dortigen Missstände mit eigenen Augen. „Unter den Inhaftierten waren etliche Unschuldige.“ 

"Mutter aller Gefangenen"

Warda Bin Sumait rief das Unterstützerprojekt „Hilfe eines Gefangenen“ ins Leben, das sich vor allem über Spenden finanzierte und über Kontakte zu Ärzten auch lebenswichtige Medikamente besorgte. „Wer die Wärter nicht bestechen konnte, hatte keine Chance“, sagt die Juristin. Mit der Zeit habe sie wegen ihres Engagements bei den Häftlingen den Titel „Mutter aller Gefangenen“ bekommen.

Kontakte nach Deutschland

Weitere wichtige Kontakte, vor allem ins Ausland, habe sie knüpfen können, nachdem sie eine Anstellung im Gesundheitsministerium erhielt – vor allem auch nach Deutschland. Im Jahr 2013 sei sie von der „Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit“ (GIZ) eingeladen worden. Wieder zurück im Jemen, verschlechterte sich die Situation auch für Warda Bin Sumait zusehends. In den Jahren bis 2016 übernahmen bewaffnete Gruppierungen die Kontrolle über manche Landesteile, die wenig Sinn für die Aktivitäten einer Menschenrechtsaktivistin hatten: „Mein Leben wurde mehrfach bedroht“, erzählt die 38-Jährige. „Ich musste fliehen.“

Befristeter Flüchtlingsstatus

Über Stationen in Katar, wo sie unter anderem als Aushilfe beim Nachrichtensender Al Jazeera jobbte, und Jordanien kam sie schließlich im Sommer 2017 nach Deutschland. Zunächst sei sie bei einer guten Freundin untergekommen, die in der Nähe von Kiel lebt. In Glückstadt habe sie dann ganz offiziell Asyl beantragt. Inzwischen verfügt sie über den offiziellen, zunächst einmal auf drei Jahre befristeten Flüchtlingsstatus. 

Jemen zu 90 Prozent zerstört

„Der Bürgerkrieg hat mein Land inzwischen zu 90 Prozent zerstört“, erzählt die Jemenitin. Weil gerade Deutschland beim Wiederaufbau sehr engagiert sei, hoffe sie hier auch auf Unterstützung für ihre Initiative zugunsten der Kindersoldaten. Im Süden säßen immer noch viele von ihnen, die aus dem Norden stammten und für die Rebellen kämpften, in Gefängnissen. „Fast alle wurden vorher einer Gehirnwäsche unterzogen.“ Deshalb sei die Bevölkerung ihnen gegenüber auch sehr misstrauisch. 

Doch in der Vergangenheit habe sich immer wieder gezeigt, dass diese Jungen und Mädchen nicht verloren sind. Doch dazu bedürfe es intensiver Betreuung. Das zu organisieren, sei von hier aus natürlich schwierig. „Aber ich würde den Menschen in Deutschland gern davon erzählen.“

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