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Segeberg Vor 30 Jahren zu Fuß am Nordpol
Lokales Segeberg Vor 30 Jahren zu Fuß am Nordpol
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18:00 01.06.2019
Fünf der acht Männer, kurz nach der Ankunft am Nordpol: Darryl Roberts (von links) Dr. Mikhail Malakhov, Agnes Cockney, Arved Fuchs und Graeme Joy. Quelle: Archiv
Bad Bramstedt

Die „Icewalk“-Expedition wollte 1989 vor allem auf das Ozonloch aufmerksam machen. Es stand zu befürchten, dass sich dieses Phänomen über der Antarktis auch über dem Nordpol ausbreiten wird. Immerhin: Das verursachende Gas FCKW, das damals noch in vielen Sprühdosen war, wurde weltweit verboten, das Ozonloch wird sich wahrscheinlich irgendwann wieder schließen. Schlimmer ist es um den Klimawandel bestellt, der auch damals schon Thema war. Als sich der mittlerweile 66 Jahre alte Abenteurer Fuchs nun im russischen Rjasan, rund 200 Kilometer südlich von Moskau gelegen, mit seinen Weggefährten von damals wiedertraf, stellten sie einhellig fest: „Die Menschen haben nichts dazugelernt.“

Arved Fuchs erlitt schwerste Erfrierungen

Der Engländer Robert Swan, der die Expedition initiiert hatte und leitete, wollte die Welt wachrütteln. Arved Fuchs wurde als einziger Deutscher für diesen strapaziösen 1000-Kilometer-Marsch ausgewählt. Fuchs und weitere Mitglieder erlitten dabei schwerste Erfrierungen. Es war zwischendurch überhaupt nicht sicher, ob die acht Männer das Ziel überhaupt erreichen würden. Am 13. Mai 1989 war es aber soweit, die acht Männer fielen sich nach 56 Tagen härtesten Entbehrungen in die Arme. 

„Unglaublich aber wahr – unsere Expedition von 1989 wäre heute nicht mehr möglich“, so Fuchs. Das Eis des Nordpols trage nicht mehr und Festland gibt es, anders als am Südpol, nicht. „Das Eis ist viel dünner geworden. Dreißig Jahre sind klimageschichtlich nicht einmal ein Wimpernschlag. Wir sind ohne es damals zu ahnen, zu Zeitzeugen eines dramatischen Wandels geworden“, sagt Fuchs.

Ein Teilnehmer starb am Mount Everest

In Rjasan traf Arved Fuchs die Engländer Robert Swan und Ruppert Summerson sowie den Russe Dr. Mikhail Malakhov. Zwei Australier und ein Amerikaner waren verhindert. Icewalker Hiroshi Onishi aus Japan ist vor einigen Jahren bei einem Lawinenunglück am Mount Everest ums Leben gekommen.

Parallel zur Nordpolexpedition verfolgte eine „Student Expedition“ bestehend aus 22 Jugendlichen aus 15 Ländern das Geschehen von der arktischen Wetterstation Eureka aus. Sie arbeiteten in Workshops, hörten Vorträge und machten eigene Erkundigungen zum Thema Umweltschutz. Zwischendurch hielten sie Funkkontakt mit den Männern der Nordpolexpedition. Sie gaben Statements ab, ihre Pressemitteilung trug die Überschrift, „Wir sind auf dem besten Weg, Selbstmord zu begehen“ – 30 Jahre vor „Fridays for Future“. 

Junge Menschen halfen Rajsan

Nach der Rückkehr gründete Fuchs mit dem Russen Malakhov in Bad Bramstedt den Verein „Youth Friendship International“. Ziel war es, dass junge Menschen der Stadt Rjasan helfen. Es war die Zeit des Zusammenbruchs der Sowjetunion, die Versorgungslage in Rjasan war dramatisch. Es folgten zahlreiche Hilfstransporte und Begegnungen, die sich nicht nur auf Russland beschränkten, sondern auch auf fünf weitere osteuropäische Länder ausgeweitet wurden. Die aus dieser Zeit stammenden Begegnungen von Musikern aus Bad Bramstedt und Rjasan bestanden noch rund 20 Jahre weiter. Die Russen waren regelmäßige Gäste der Internationalen Musikfeste in Bad Bramstedt, bis der Kontakt einschlief.

So herzlich das Wiedersehen der Nordpolwanderer auch war, so enttäuscht äußerten sie sich über den Zustand des Weltklimas. „Statt besser ist es schlimmer geworden“, war die einhellige Meinung. 

Interview im Radio übertragen

Doch Fuchs hat in Rjasan nicht nur über den Klimaschutz gesprochen, er äußerte sich auch über die politische Lage in Russland und über Annexion der Krim. „Erstaunlicherweise wurde dies live im russischen Fernsehen übertragen,“ erzählt er. 

1989 war für Fuchs noch aus einem weiteren Grund ein besonderes Jahr. 231 Tage später, am 30. Dezember, kam er mit Reinhold Messner am Südpol an. Fuchs war der erste Mensch, der beide Pole in einem Jahr zu Fuß erreichte. Danach wanderte das Duo 92 Tage lang weiter – zur anderen Seite der Antarktis

Kurzinterview:

Konnten Sie auf ihrer Russlandreise feststellen, ob es auch dort Interesse am Thema Klimawandel gibt?

Fuchs: Bei den Jugendlichen ist das ein Thema. Bei einer Diskussion an der Uni, wo ich zuvor einen Vortrag gehalten habe, kamen genau wie im Westen dieselben kritischen Fragen. Und als mein Freund Dr. Mikhail Malakhov mich und die anderen Extremwanderer im Fernsehen live interviewte, haben wir in Sachen Klimawandel nicht hinterm Berg gehalten

Was halten Sie von der „Fridays for Future“-Bewegung?

Das ist großartig. Wenn man bedenkt, dass letzte Woche allein in Hamburg bei einer einzigen Demo 17.000 Schülerinnen und Schüler auf der Straße waren, ist daraus eine echte Bewegung geworden, die nicht mehr ignoriert werden kann.

Haben Sie noch Hoffnung, dass die Erderwärmung gestoppt wird?

Naja, ich denke schon, dass wir bei größten Anstrengungen das Ruder noch herumreißen können. Die Ergebnisse der Europawahl zeigen, dass die Bevölkerung sensibilisiert ist

Nach 30 Jahren trafen sich vier Icewalker wieder, die 1989 gemeinsam den Nordpol erreicht hatten - zu Fuß.

Von Bernhard-Michael Domberg

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