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Segeberg Arztzentrum: Poker um Parkplätze
Lokales Segeberg Arztzentrum: Poker um Parkplätze
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05:55 23.10.2013
Von Einar Behn
Der rückwärtige Anbau ans Amtsgericht, hier in einer Computerdarstellung, soll abschnittsweise je nach Nachfrage gebaut werden. Hier sollen Ärzte, Krankengymnasten und andere Berufe der Gesundheitsbranche ihre Praxen haben. Auch an einen Umzug des Familienbüros vom Bleeck wird gedacht. Der Neubau soll durch ein gläsernes Treppenhaus (links) mit dem alten Amtsgericht verbunden werden. Quelle: Einar Behn
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Bad Bramstedt

Alle Fraktionen lehnten den Wunsch des Projektentwicklers Ullrich Eidenmüller ab, auf die gesetzlich geforderten Pkw-Stellplätze zu verzichten.

 Eidenmüller plant im Auftrag des Hamburger Zahnarztes Dr. Jens Thomsen, den Gebäudekomplex rund um das Amtsgericht am Kirchenbleeck zu erweitern, um dort ein Gesundheitszentrum entstehen zu lassen. Thomsen gehören das alte Amtsgericht und das Nachbargebäude mit der Apotheke. Der Zahnarzt ist ein Bruder des Schlachtereiunternehmers Rüdiger Thomsen, Eigentümer der nördlich daran angrenzenden Immobilien. Für den gesamten Gebäudekomplex war bereits in den 1990er Jahren ein Bebauungsplan aufgestellt worden, der einen sogenannten „Kernbereich“ ausweist. Damit sollte damals ein Einkaufszentrum anstelle des alten Schlachthofes ermöglicht werden, woraus aber nichts wurde. Der B-Plan lässt eine fast komplette Bebauung der Grundstücke zu.

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 Eidenmüller steht nach eigenen Angaben mit ortsansässigen Ärzten in Verhandlung, um sie für einen Umzug zum Kirchenbleeck zu gewinnen. Auch neue Ärzte könnten sich dort niederlassen, darunter auch ein in Bad Bramstedt schmerzlich vermisster Kinderarzt. Außerdem will Eidenmüller Krankengymnasten und andere Freiberufler der Gesundheitsbranche für das Projekt gewinnen.

 Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach berichtete im Planungsausschuss, dass auch der Kreis Segeberg Interesse an einem Umzug seiner im Familienbüro ansässigen Einrichtungen ins Gesundheitszentrum bekundet habe. Vor allem das Jugendamt habe zu wenig Platz in dem Haus am Bleeck.

 Doch in trockenen Tüchern ist das Millionenprojekt keinesfalls. Eidenmüller erklärte, dass die nach dem Baugesetz für ein solches Projekt erforderlichen 50 Pkw-Stellplätze auf dem Gelände nicht unterzubringen seien, zumindest nicht zu vertretbaren Kosten. In seinem Plan hat er lediglich 18 Plätze eingezeichnet, 17 weitere könnten auf dem Grundstück von Rüdiger Thomsen ausgewiesen werden. Damit fehlen aber immer noch 15 Plätze. Und 15 weitere würden fehlen, wenn auch noch das Nachbargründstück, wie später vorgesehen, mit neuen Geschäftshäusern bebaut wird. Eidenmüllers Wunsch: Die Stadt sollte eine Befreiung aussprechen und damit ihren Verzicht auf die Stellplätze erklären. Doch das lehnten alle Parteien ab. Werner Weiß (CDU) schlug dem Planer vor, auch in der Nachbarschaft bei privaten Eigentümern nachzufragen, ob sie ihr Grundstück verkaufen oder verpachten wollten. „Ich kann Ihnen gerne Adressen nennen“, sagte Weiß, der das aber nicht in öffentlicher Sitzung machen wollte. Er sieht jedenfalls „noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft“. Weiß war sich mit den anderen Ausschussmitgliedern darin einig, dass die Stellplatzfrage von großer Bedeutung für das Stadtzentrum ist. Schon jetzt herrsche wegen der Grundschule Maienbeeck und der Geschäfte im Kirchenbleeck und Maienbeeck Parkplatzmangel.

 Eine andere Möglichkeit ist die sogenannte Ablösung. Der Bauherr müsste dann pro Stellplatz 4900 Euro an die Stadt bezahlen, die dafür öffentlichen Grund als Parkmöglichkeit zur Verfügung stellt. Eine Verpflichtung, von dem Geld neue Parkplätze anzulegen, ergibt sich für die Stadt daraus allerdings nicht. Jan-Uwe Schadendorf (SPD) rechnete vor, dass der Investor maximal für 30 Stellplätze eine Ablösezahlung von knapp 150000 Euro leisten müsse. „Davon kann doch wohl die Rentabilität eines solchen Millionenprojektes nicht abhängen“, sagte er.

 Eidenmüller sieht das anders. Vor allem, wenn mit dem Familienbüro auch Sozialeinrichtungen einziehen würden, könnte maximal eine Quadratmetermiete von 10 Euro erhoben werden. „Mehr können die nicht bezahlen“, meint der Planer. Ablösezahlungen oder sogar eine Tiefgarage, wie von den Grünen gefordert, gefährdeten die Wirtschaftlichkeit erheblich. Eine Tiefgarage würde das Vorhaben um 20 Prozent verteuern.

 Begraben wird das Gesundheitszentrum aber damit nicht. Eidenmüller will nun zunächst seinem Auftraggeber den Verhandlungsstand berichten und prüfen, ob es auf Nachbargrundstücken noch Stellplatzmöglichkeiten gibt.