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Segeberg Auf den Spuren der Lofotfischer
Lokales Segeberg Auf den Spuren der Lofotfischer
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06:00 22.12.2012
Von Bernhard M. Domberg
Eine winterliche Expedition führt Arved Fuchs und seine Crew mit dem Haikutter Dagmar Aaen in die nordwestlichen Gewässer vor Norwegen. Quelle: Arved Fuchs
Bad Bramstedt

Fuchs geht den Spuren der historischen Lofotfischer nach, gleichzeitig soll die gegenwärtige Kabeljaufischerei dokumentiert werden, die trotz strenger Quotierung und Reglementierung immer noch rund 2000 Fischer pro Saison zu den Inseln im Nordwesten Norwegens lockt.

 Es ist das erste Mal, dass Arved Fuchs im Winter in die nördliche Hemisphäre aufbricht, wo Dunkelheit und heftige Winterstürme des Atlantiks dem 81-Jahre alten Haikutter zusetzen werden. „Ich habe genügend Stürme erlebt, als das ich mich ständig danach sehnen müsste“, sagte Fuchs der Segeberger Zeitung. Doch der Zeitpunkt der Expedition sei mit Bedacht gewählt, denn das Zeitfenster für die Lofotfischerei, wie sie genannt wird, besteht ab Mitte Januar für nur wenige Wochen.´

 Fuchs wird dort allerdings nicht fischen, was mit dem vor zwanzig Jahren umgebauten Gaffelsegler auch schlecht möglich wäre. Vielmehr wird der Bad Bramstedter Expeditionsleiter mit örtlichen Fischern und norwegischen sowie deutschen Wissenschaftlern vom Fraunhofer Institut für Marine Biotechnologie in Lübeck zusammenarbeiten.

 Obwohl Norwegen die Überfischung seit Jahren unterbindet und heute in diesem Gebiet nördlich des Polarkreises eher von einer Unterfischung die Rede ist, sind die Konflikte zwischen den großen Industrie-Trawlern und den kleineren Fischerbooten noch nicht ausgeräumt. Daher möchte Fuchs mit beiden Seiten sprechen und sich deren Argumente anhören. Zeitgleich wird das Fraunhofer-Team Stammzellenproben von den Fischen nehmen. Die Wissenschaftler werden mit einem Labor-Lkw vor Ort sein, um Proben von Wildtieren und ihren Stammzellen für die Deutsche Zellbank für Wildtiere „Alfred Brehm“ zu sichern. Der norwegische Kabeljau steht auch auf ihrer Liste, dabei bildet die „Dagmar Aaen“ die Plattform für die wissenschaftlichen Proben.

 Fuchs, dessen Expeditionen in den letzten Jahren oftmals auf historischen oder aktuellen Problemstellungen basieren, stieß auf dieses Thema durch den Roman „Die Lofotfischer“ von Johan Bojer aus den 1920er Jahren. Der Roman beschreibt das harte und entbehrungsreiche Leben der Fischer, die früher nach dem Weihnachtsgottesdienst Abschied von ihren Familien nahmen, um mit ihren kleinen Booten aufs offene Meer hinaus zu fahren und den Kabeljau - das schwimmende Gold des Meeres – zu fangen, der getrocknet als Stockfisch noch heute in alle Welt exportiert wird.

 Dabei nutzten die Fischer früher wie auch heute die riesigen Züge der Fischschwärme, die zu den Lofoten ziehen und vor ihrer Geschlechtsreife auch Dorsch genannt werden. Besonders der Westfjord vor den Lofoten ist einer der fruchtbarsten Äcker der Ozeane.

 Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in einer Saison – von Ruderbooten aus – 64000 Tonnen Kabeljau gefangen. Aus heutiger Sicht ein Raubbau, der bis zu der Quotierung bis in die neunziger Jahre nachwirkte.

 Fuchs wird mit seiner Crew im norddänischen Skagen Silvester feiern und nach drei Wochen im nordnorwegischen Bodo eintreffen. Etwa Mitte Februar soll die Expedition abgeschlossen sein, dann segelt Fuchs die „Dagmar Aaen“ nach Tromsö, wo das Schiff bei einem Freund überwintern wird.

 Im Sommer nächsten Jahres wird der Bad Bramstedter die Anker lichten zu seiner 32. Expedition. Wohin es geht, verrät er noch nicht, aber es wird sicherlich eine Reise in eisigen Gefilden nördlich des Polarkreises sein.