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Segeberg Porsche für langsame Touren
Lokales Segeberg Porsche für langsame Touren
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07:00 04.08.2016
Von Gisela Krohn
20 Porsche-Traktoren nahmen an der Ausfahrt teil, die über 70 Kilometer rund um Wardersee, Seedorf, Berlin und Pronstorf führte. Quelle: Gisela Krohn
Bad Segeberg

Schröder hat gerade eine 70 Kilometer lange Ausfahrt für seinen Verein organisiert. Gemeinsam tuckerten die 20 Trecker in einer knatternden Kolonne rund um Wardersee, Seedorf, Berlin und Pronstorf.

 Eine deutlich außergewöhnlichere Tour mit seinem roten Trecker hat Hans Schröder im September vor. „Dann geht es zum Großglockner“, freut sich der 56-Jährige. Der Traktor kommt auf den Anhänger und wird ins österreichische Zell am See gebracht. Von dort aus geht es hinauf auf den Gebirgspass. „Ich hoffe, dass der kleine Trecker das schafft“, sagt Angelika Pless, die Lebensgefährtin von Hans Schröder. Sie teilt das Hobby und sitzt mit auf dem ratternden Gefährt, wenn es auf Tour geht. „Der Motor hat ja nur 14 PS. Zur Not fahr’ ich und Hans schiebt!“

 Die Großglockner-Ausfahrt findet alle fünf Jahre statt. „Los geht es direkt bei Dr. Wolfgang Porsche, dem Enkel von Ferdinand Porsche, der den Trecker ja entwickelt hat“, erzählt Hans Schröder. 1937 hatte Ferdinand Porsche den Auftrag bekommen, einen „Volksschlepper“ zu konstruieren. In den Kriegsjahren kam es jedoch nicht mehr dazu. Nach dem Krieg entwickelte Porsche die Idee weiter, zur Produktion kam es ab 1950 in Zusammenarbeit mit der Firma Allgaier aus Uhingen, später übernahm Mannesmann die Fertigung. Bis zur Einstellung der Produktion 1963 wurden im Laufe der Jahre 120000 Porsche-Schlepper gefertigt und in viele Länder exportiert.

 Das markante Design mit der auffälligen Form und dem leuchtenden roten Farbton brachte ihm den Spitznamen „Rotnase“ ein. Bis in die 1990er Jahre hinein existierte die Porsche-Diesel-Fangemeinde – wenn überhaupt – nur im Verborgenen. Die „Rotnasen“ waren in Vergessenheit geraten. Auf den Oldtimertreffen zählten sie zu den Raritäten, aber sie besaßen keinen Marktwert. Ähnliche Produkte anderer Hersteller waren wesentlich gefragter. Es gab zwar viele Clubs für Porsche-Sportwagen, aber keinen Club für Porsche-Traktoren.

 Unter der Leitung von Harald Stegen – zusammen mit sechs weiteren Porsche-Sportwagenfahrern, die alle auch einen Porsche-Traktor besaßen – wurde 1996 ein Verein gegründet: der Porsche-Diesel-Club Europa. Über die Jahre hinweg gewann der Verein etliche Mitglieder aus Österreich, der Schweiz, Frankreich, Belgien und den Niederlanden und hat zurzeit über 900 Mitglieder mit rund 5000 Schleppern in Deutschland und Europa. Veranstaltungen wie die alle vier Jahre stattfindende Porsche-Diesel-Parade in Wertheim, das Treffen in Zell am See mit der Fahrt zum Großglockner oder die Dreitagestour mit Bregenzer Wald, Schwarzwald und Dolomitentour sind nur einige Höhepunkte für die engagierte Fangemeinde.

 Nicht ganz spektakulär war jetzt die Segeberger Rundfahrt. Mittags wurde in der Turmschänke Seedorf eingekehrt, nachmittags gab es in Pronstorf Kaffee und Kuchen. Vor dem Start erhielten alle Clubmitglieder den begehrten „Tour-Button“, einen Anstecker. Wer viele solcher Ausfahrten mitmacht, hat bald eine bunte Sammlung der runden Anstecknadeln zusammen.

 Hans Schröder macht es Spaß, ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein. Er hat seinen Trecker 2010 aus der Sammlung seines verstorbenen Bruders geerbt, der auch Sportwagen der Marke besaß. Nach zwei Jahren akribischer Restaurierung logiert das rote Schmuckstück nun bei Schröder in der Garage, sein Auto muss draußen stehen. „Die meisten im Club haben mehr als einen Trecker“, sagt er. Und dabei sieht er so aus, als könnte er sich durchaus vorstellen, dass ihm das irgendwann auch mal so geht.

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