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Segeberg Der Zar bekam seinen Willen nicht
Lokales Segeberg Der Zar bekam seinen Willen nicht
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07:00 11.11.2016
Von Einar Behn
Der Bericht vom Zarenbesuch – auf der rechten Seite der Befehl vom dänischen Herrscher Friedrich IV., Pferde zur Verfügung zu stellen. Quelle: Einar Behn
Bad Bramstedt

Wer nach Bad Bramstedt kommt, gewinnt den Eindruck, hier leben friedlich gesonnene Menschen. Das war bei Leibe nicht immer so.

 1716 war der Zar mit der russischen Kriegsflotte aufgebrochen, um im Nordischen Krieg die Vormachtstellung Schwedens in der Ostsee zu brechen. Für die Rückreise wählte er den Landweg, weil er sicherer war, wie Bad Bramstedts Stadtarchivar Manfred Jacobsen vermutet. Nach seinem Besuch in Kopenhagen ging die Rückreise durch Schleswig-Holstein. Dabei kam Peter der Große am 8. November in den Flecken Bramstedt, um hier zu übernachten.

 Archivar Jacobsen nimmt an, dass der Herrscher auf dem Gutshof abstieg, dem sogenannten Schloss, das einst hinter dem heutigen Torhaus stand. Das gehörte damals Baron Johann Ernst von Grote. „Dem war es wahrscheinlich eine Ehre, einen solch hohen Monarchen zu beherbergen“, glaubt Jacobsen. Die einfache Bevölkerung war dagegen weniger begeistert. Nicht nur, dass sie die gesamte Entourage einquartieren musste, sie sollte für die Weiterreise am folgenden Tag 300 „Bauernpferde“ zur Verfügung stellen. „Das war damals durchaus üblich“, weiß Jacobsen, „es gehörte zu den Bürgerpflichten.“ Schon Tage vorher war der Befehl dazu aus KopenhagenSchleswig-Holstein war damals dänisch – gekommen. Das Schriftstück dazu hat Jacobsen im Stadtarchiv liegen, in Sütterlin, der alt-deutschen Schreibschrift, verfasst. Der damalige Ratmann Albrecht Wichmann hatte die Ereignisse für so wichtig erachtet, dass er sie niederschrieb. Auch diesen Bericht hat Jacobsen vorliegen. Der frühere Heimathistoriker Hans-Hinrich Harbeck hatte sich die Mühe gemacht, den Bericht in eine moderne Sprache zu übersetzen (nachzulesen im Internet: www.alt-bramstedt.de). Allerdings sei die Übersetzung lücken- und fehlerhaft, sagt Jacobsen. Das alte Schriftstück aus dem frühen 18. Jahrhundert befindet sich auch in einem schlechten Zustand. Teilweise ist es schwer zu lesen. Es sieht aus, als hätte schon mal jemand Kaffee drüber gekippt.

 Allein die Anzahl der angeforderten Pferde macht deutlich, mit welchem Gefolge der Zar damals reiste. Er selbst saß in einem Sechsspänner. „Und wenn der mal stecken blieb, durften die nebenher gehenden Diener schieben“, so Jacobsen. Mehr als 6 km/h waren nicht drin. Die Rösser wollte der Herrscher nicht geschenkt haben, sie wären von der nächsten Station aus wieder zurück gebracht worden. Aber Geld sollten die Bramstedter auch nicht bekommen, und das sahen sie offenbar nicht ein. „Der Kirchspielvogt wollte noch vermitteln, doch es half nichts“, so Jacobsen. Nur die Bauern auf den umliegenden Dörfern stellten die Pferde zur Verfügung. Sie konnten sich dagegen nicht wehren, denn sie waren vom Stand her Bauern und hatten als solche auch Bauernpferde. Bramstedt war zu jener Zeit ein Flecken, in ihm wohnten Bürger, und die hatten „Bürgerpferde“. Von denen war in der Anordnung schließlich keine Rede. Der Widerstand nützte ihnen am Ende aber doch nichts. Der dem Kirchspielvogt noch überstehende Amtmann erteilte den Bramstedtern den Befehl, die Pferde herauszugeben, und dem beugten sie sich schließlich.

 Jacobsen sagt, das Ganze war nicht nur ein unfreundlicher Akt, die Bramstedter hätten damit leicht einen internationalen Konflikt heraufbeschwören können. Immerhin waren Dänemark und Russland im Nordischen Krieg Verbündete. Durch den Befehl des Amtmannes wurde dann aber doch Schlimmeres verhindert.

 Ein Nachspiel hatte die verweigerte Untertänigkeit für die Bramstedter aber doch: Sie mussten, wie aus den alten Unterlagen hervorgeht, eine Strafe bezahlen. Über die Höhe ist allerdings nichts bekannt.

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