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Segeberg Eine Brücke nur für die Tiere
Lokales Segeberg Eine Brücke nur für die Tiere
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11:58 27.05.2019
Von Jann Roolfs
 Wolfsbetreuer Wolfgang Springborn aus Hasenkurg kontrolliert mit Fotofallen, wer die Grünbrücke alles nutzt.  Quelle: Jann Roolfs
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Bad Bramstedt

Wolfsbetreuer Wolfgang Springborn überwacht den Verkehr auf der Brücke mit fünf Fotofallen, die die gesamte Breite des Bauwerks abbilden. „Damwild, richtig große Rudel“ mit mehr als 20 Tieren hat er schon auf seinen Fotos dokumentiert. Aber auch Jogger, Spaziergänger und sogar Motorradfahrer.

Die Menschen haben auf dieser Brücke nichts verloren. Denn die 4,5 Millionen Euro teure Grünbrücke über die verbreiterte A7 bei Bad Bramstedt wurde extra fürs Wild gebaut. Sie soll es Tieren ermöglichen zu wandern – wie sie es seit jeher tun und für den Austausch zwischen Populationen brauchen.

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Vor allem Hunde dürfen nicht auf die Brücke

Der menschliche Geruch schreckt die Tiere ab. Mit dem permanenten Lärm und den Blendungen von der Autobahn kommen die Damhirsche offenbar klar, aber wenn jemand mit Hund auf der Grünbrücke war, „dauert es eine gewisse Zeit, bis sie sich wieder ’rübertrauen“, erklärt Wolfsbetreuer Springborn aus Hasenkrug.

Die Grünbrücke hat keinen direkten Zugang, ganz einfach ist sie nicht zu finden. Als der Bus der in der Feldmark hielt, ging es drei Stunden lang querfeldein. Führer Björn Schulz von der Stiftung Naturschutz zeigte seinen Gästen nicht nur die 51 Meter breite Brücke, sondern auch die Umgebung. Denn damit die Tiere die Brücke benutzen, müssen sie auch gut ’rankommen.

Darum hat die Stiftung Naturschutz im Vorfeld der Autobahnverbreiterung  in der Feldmark zwischen Stadt und Autobahn Flächeneigentümer ausfindig gemacht und angesprochen, um Restbestände wertvoller Arten oder kleine Inseln seltener Lebensräume zu sichern. 40 bis 50 Hektar Fläche hat die Stiftung per Kauf oder Pacht für den Naturschutz gesichert.

Die A7 teilt das Land in zwei Häften

Seit dem Autobahnbau zu den Olympischen Spielen 1972 durchschneidet die A7 Schleswig-Holstein. Für viele Tierarten verläuft sie „zwischen Flur und Wohnzimmer“, verdeutlichte Björn Schulz seinen Zuhörern die Bedeutung der Fernstraße. Zwischen den dänischen Grenze und Hamburg gibt es für Tiere erst seit wenigen Monanten zwei Möglichkeiten, die Autobahn sicher zu überqueren: Die Grünbrücke bei Bad Bramstedt und eine in Brokenlande. Der Jäger Jürgen Schümann aus Fuhlendorf hat bereits Missbildungen beim Rotwild festgestellt, eine Folge von Inzucht, weil es keinen genetischen Austausch in den beengten Lebensräumen gibt. Mit den Grünbrücken soll das nun besser werden.

Katenmoor: ein seltener Lebensraum

Wie schwierig es manchmal ist, Lebensräume zu erhalten, erklärte Björn Schulz im Katenmoor, einem Naturschutzgebiet unterwegs. Dort leben Hochmoor-Perlmuttfalter, deren Larven nur Moosbeeren fressen. Die Eltern brauchen dagegen Nektar aus gelb blühenden Korbblütlern, zum Beispiel Habichtskraut; für den Falter müssen also Hochmoor und Magerrasen nebeneinander liegen; eine Kombination, die auch Kreuzottern bevorzugen, die es aber nur noch selten gibt.

Tanja Köhler 27.05.2019
Michael Stamp 26.05.2019