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Segeberg Kunst am Bau: Häufig nur Pflichtaufgabe
Lokales Segeberg Kunst am Bau: Häufig nur Pflichtaufgabe
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09:29 11.07.2019
Von Einar Behn
Helmut Schiffler hat 1400 Skulpturen in Schleswig-Holsein und Hamburg ausfindig gemacht und im Inrternet beschrieben. Quelle: Einar Behn
Bad Bramstedt.

Eine Faust streckt empor, darin eine riesige edelstahl-glänzende Hantel. 1975 ist dieses Kunstwerk vor der Sporthalle der Bundespolizei, damals noch Bundesgrenzschutzkomando Küste, entstanden. Doch wer der Künstler war, weiß niemand. "Wir haben nach so langer Zeit keine Unterlagen mehr darüber", erklärte ein Sprecher der Polizeidirektion Bad Bramstedt.

Sicher kein Einzelfall. Kunst am Bau ist eine Pflichtaufgabe der öffentlichen Hand und wird mehr als Verwaltungsakt denn als Liebhaberei betrieben. Das weiß vor allem der Bad Bramstedter Helmut Schiffler, der zurzeit an einem Buch über öffentliche Kunstwerke in Bad Bramstedt arbeitet und eine Internetseite betreibt, auf der die Werke abgebildet und beschrieben werden. 

1400 Kunstwerke dokumentiert

Der frühere Bankmitarbeiter Schiffler und seine Frau Helga, die auch ein Galerie betreibt, sind passionierte Kunstliebhaber. 2015 zogen sie von Bad Soden nach Bad Bramstedt, um hier ihren Ruhestand zu verbringen. Seitdem spürt Helmut Schiffler öffentlich zugänglichen Kunstwerken in Schleswig-Holstein und Hamburg nach. Der befreundete Fotograf Jan Petersen fotografiert die Werke, beide stellen sie dann auf ihre Internetseite www.sh-kunst.de, nennen, wenn bekannt, den Künstler und beschreiben das Werk. 1400 Skulpturen oder Reliefs von 600 Künstlern sind dort bereits zu finden – alles ehrenamtlich recherchiert. „Wir verdienen damit keinen Pfennig“, versichert Schiffler. Im Schloss Gottorf hatten Petersen und er bereits eine Ausstellung, über Kiel hat das Duo ein Buch herausgebracht. Titel: „Kunst@Kiel – Auf den Spuren der Skulpturen.“ 

20 Kunstwerke hat Helmut Schiffler in Bad Bramstedt ausfindig gemacht, die mit öffentlichen oder kirchlichen Geldern bezahlt wurden. Sie alle finden sich auf der Internetseite. In zum Teil mühevoller Recherchearbeit hat er herausgefunden, wer sie einst schuf. Hinweisschilder auf den Künstler gibt es fast nie. Und so geriet auch der Künster der "Faust mit Hantel" in Vergessenheit.  Wenn die öffentliche Hand baut, muss sie immer einen kleinen Teil für „Kunst im öffentlichen Raum“ zur Verfügung stellen, auch bekannt als „Kunst am Bau.“ Je nach Bauvolumen sind 0,5 bis 1,7 Prozent dafür einzuplanen – eine staatliche Kulturförderung, die für viele Kunstschaffende eine wichtige Einnahmequelle ist.

Ein Kunstwerk von vier Metern Höhe

So dramatisch in Vergessenheit geraten wie die Faust vor der Sporthalle sind aber nicht alle Kunstwerke, einige sind gar nicht zu übersehen, wie beispeilsweise die "Samenkapsel".  Sie war 1982 vor der damals noch neuen Hauptschule am Schäferberg, heute Gemeinschaftsschule Auenland, von Hermann Stehr geschaffen worden. „Er stellte der unbelebten Natur in Form eines Findlings mit dem Samenträger das Symbol neuen Lebens gegenüber,“ beschreibt Schiffler das Werk von imposanter Erscheinung. Die Samenkapsel ist vier Meter hoch. „Es muss damals ein Riesenaufwand gewesen sein, alleine den Findling dort hin zu bekommen“, meint Schiffler. Der wiege geschätzte 250 Kilo.

Fündig wurde Schiffler auch auf dem Gelände der Jürgen-Fuhlendorf-Schule. Generationen von Schülern haben ihn schon Marterpfahl genannt. Doch Künstler Manfred Sihle-Wissel nannte das 1989 aus einem dicken Eichenbalken geschaffene Werk schlicht "Stele". Was er damit ausdrücken wollte, ist nicht bekannt. 

Auch die trauernde Frau ist Kunst

Aufgenommen auf der Internetseite wurde auch das Kriegsdenkmal im Herrenholz von Heinrich Mißfeldt. Es war 1924 zum Gedenken an die Gefallenen des ersten Weltkrieges von dem Kieler Bildhauer geschaffen worden und zeigt eine trauernde Frau. Auch neuere Werke hat Schiffler dokumentiert. Claudia Sperlich schuf auf dem Gelände der damaligen Hauptschule 2008 eine Schafsherde, die auch ihren praktischen Wert hat. Die Kinder dürfen darauf gerne herum klettern. Anlass war damals der Bau einer neuen Sporthalle. 

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Beispiels für "Kunst am Bau" in Bad Bramstedt.
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