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Segeberg Kirchenglocken sollten Waffen werden
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14:55 19.01.2020
Von Einar Behn
Eine der drei Kirchenglocken von 1955, die zum Gottesdienst angeschlagen werden. Sie hängen im Turm, während die beiden kleineren Glocken für die Turmuhr außen unter einem kleinen Vordach hängen. Quelle: Einar Behn
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Bad Bramstedt

„Was weder die Söldnertruppen des 30-jährigen Krieges noch spätere Kriegsvölker sich erlaubten, das ordneten Kaiser Wilhelm und Adolf Hitler an: Holt das Metall von Glocken und Orgeln aus den Kirchen!“, so Schadendorf. Die Rüstungsindustrie brauchte das Eisen, die Glocken wurden dafür eingeschmolzen. Glaubens- und Kulturgüter seien ohne jede Rücksicht vernichtet worden, so der Heimathistoriker. 

Im Ersten Weltkrieg wurde die Glocken konfisziert

Das trifft auch auf Bad Bramstedt zu. In der Ausgabe der Bramstedter Nachrichten vom 30. August 1917 fand Schadendorf die erste Vollzugsmeldung: „Nach Kellinghusen abgeliefert wurde in der verflossenen Woche eine von unseren Kirchenglocken, die ein Gewicht von 330 Pfund hatte.“ Es war die älteste, aus dem 16. Jahrhundert stammende Glocke der Maria-Magdalenen-Kirche. 

Doch dabei blieb es nicht. Schadendorf fand eine Meldung vom 31. Januar 1918: „Am Kaisersgeburtstag läuteten unsere Glocken zu Ehren vier in letzter Zeit gefallener bzw. verstorbener Krieger. Es waren dies Marcus Horns und Johannes Schümann aus Wiemersdorf, Hinrich Möller aus Weddelbrook und Max Fölster aus Bad Bramstedt.“ Da waren die anderen Glocken also noch vorhanden. Doch schon wenig später vermeldeten die Bramstedter Nachrichten, dass weitere Glocken abzuliefern seien, und zwar die nunmehr älteste, die im Jahre 1578 von Bartolomäus Korkow gegossen wurde, und die aus dem Jahre 1732 stammende Betglocke von Gießer Laurenz Strahlborn aus Lübeck. „Es verbleibt uns dann nur noch eine einzige, ebenfalls von Bartolomäus Korkow gegossene Glocke. Sie trägt die Jahreszahl 1594“, heißt es in der Zeitung.

Das Kriegsende mit dem Waffenstillstand von Compiègne am 11. November 1918 rettete Bad Bramstedts Glocken dann aber vor der Einschmelzung. Das preußische Kriegsministerium ordnete an, dass die eingezogenen Glocken den Kirchengemeinden zurückzugeben seien.

Wie Schadendorf bei der Archivsuche herausfand, währte die Freude an den zurückbekommenen Glocken nicht allzu lange. 1928 mussten zwei Glocken nach Lübeck gebracht werden, wo sie umgegossen wurden. Während des Krieges war mit ihnen wenig rücksichtsvoll umgegangen worden, sie wiesen Risse auf. Mit dem Umgießen waren aber wertvolle Schätze der heute 700-jährigen Kirchengeschichte in Bad Bramstedt zumindest nicht mehr im Original vorhanden, auch wenn die Namen ihrer Spender wieder eingearbeitet wurden. 

Wollten sich die Nazis an der Kirchengemeinde Bad Bramstedt rächen?

1943 – der Zweite Weltkrieg tobte in Europa – wurden dann auch diese und die eine im Original erhaltene Glocke von 1592 eingezogen, „mit brachialer Gewalt“, wie Jan-Uwe Schadendorf aus einem Gespräch mit dem vor zwei Jahren verstorbenen Bad Bramstedter Adolf Reimers weiß. „Er erinnerte sich, dass er als Schuljunge staunend mit angesehen habe, wie die Glocken abgeschweißt und vom Turm geworfen wurden. Das Roll- und Fuhrunternehmen seines Vaters musste die Glocken zum Bahnhof bringen, von wo aus die nach Hamburg auf das Gelände der Affinerie gingen“, so Schadendorf

Lange Zeit gab es in Bad Bramstedt die Ansicht, dass die Nazis sich mit dem Abhängen der Glocken an der Kirchengemeinde Bad Bramstedt rächen wollte. Pastor Martin Christiansen hatte nämlich im Sommer 1942 eine Trauerfeier für die zehn Todesopfer eines Bombenabwurfs auf dem Bleeck abgehalten, entgegen dem Willen der NSDAP, die Kriegstote lieber verschweigen wollte. So steht es in der Kirchenchronik – wohl eine Schönfärberei nach dem Krieg. Pastor Bernd Hofmann, inzwischen im Ruhestand, fand 2018 heraus, dass die Glocken schon im Frühjahr 1942, also vor dem Bombenabwurf, abgenommen worden waren. 

Fund auf Glockenfriedhof in Hamburg

Nur eine dieser Glocken wurde nach dem Krieg auf dem „Glockenfriedhof“ auf der Veddel in Hamburg wiedergefunden. Diese Glocke diente bis 1955 wieder als Läuteglocke, so Schadendorf. 1952 erhielt die Kirche zunächst von eben diesem Glockenfriedhof eine Schellenglocke, die vom Rathaus in Rotenburg an der Oder, heute das polnische Czerwiensk, stammte. 

Sie hängt draußen am Turm als Stundenglocke. Die Kirchengemeinde wollte sie vor einigen Jahren der Stadt Czerwiensk wiedergeben. Da die Glocke aber nicht Eigentum der Kirchengemeinde ist, legte der Bund sein Veto ein, weiß Stefan Dörksen, Vorsitzender des kirchlichen Bauausschuss. Offenbar sollten keine Reparationsbegehrlichkeiten geweckt werden. 

Stahlglocken im Turm in Bad Bramstedt seit 1955

Erst 1955 konnten drei neue Glocken in einer gemeinschaftlichen Anstrengung von Kirche, Stadt, Dörfern und vieler privater Spenden gekauft werden, berichtet Schadendorf. Mit großem Umzug brachte das Fuhrunternehmen Adolf Reimers die Glocken durch die Stadt vom Bahnhof zur Kirche, wo sie in den Turm gehängt wurden. „Friede“, Freiheit“ und „Freude“ sind die klangvollen Namen der Glocken. Doch im Gegensatz zum alten Geläut sind die neuen Glocken nicht mehr aus Bronze, sondern aus Stahl. Stefan Dörksen: „Die alten haben wohl schöner geklungen.“ 

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Jan-Uwe Schadendorf hat die Geschichte der Kirchenglocken in Bad Bramstedt erforscht.

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