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Segeberg Klinikum wird Lehranstalt für Fachärzte
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12:46 28.11.2019
Von Jann Roolfs
Professor Frank Timo Beil hat einen Lehrstuhl für Orthopädie übernommen und bildet nun an drei Tagen pro Woche in Bad Bramstedt Fachärzte aus. Quelle: Jann Roolfs
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Bad Bramstedt

Zwei Lehrstühle wurden am UKE neu besetzt. Professor Ina Kötter bekleidet seit dem 1. Oktober den Lehrstuhl für Rheumatologie, Professor Frank Timo Beil ab dem 1. November denjenigen für Orthopädie. Beide arbeiten jeweils drei Tage pro Woche in Bad Bramstedt und zwei Tage im UKE.

Rheumatologen fehlen

Kötter will mit ihrer Lehrtätigkeit einem akuten Mangel abhelfen: „Es gibt in Deutschland insgesamt rund 1000 Rheumatologen, benötigt werden allerdings zwei bis dreimal so viele“, erklärte sie im Pressegespräch.

Dass die Zahl der Fachärzte trotzdem weiter abnimmt, belegte sie mit aktuellen Daten: 2018 gingen in Deutschland 70 Rheumatologen in Ruhestand, aber nur 33 neue beendeten ihre Ausbildungen. Immerhin: Bei Kötter lernen elf Weiterbildungs-Assistenten das Handwerk des Rheumatologen, damit ist Bad Bramstedt eins der größten deutschen Ausbildungszentren in diesem Fachgebiet.

Klinikum ist attraktiv

Sechs Jahre dauert ein Medizinstudium bis zum Staatsexamen, daran schließen sich sechs Jahre Ausbildung zum Facharzt an; wenn alles glattläuft. Dazu kommt laut Frank Timo Beil: „Wir haben in der Medizin ein Nachwuchsproblem“; die jungen Ärzte können sich ihre Weiterbildungsstellen inzwischen aussuchen.

Dabei räumt Beil dem Bad Bramstedter Haus gute Chancen ein: „Das Klinikum ist wirklich sexy!“ Attraktiv sei für angehende Orthopäden das breite Spektrum, das von der Wirbelsäulenchirurgie bis zur Kinder-Orthopädie reiche. Klinik-Geschäftsführer Jens Ritter nennt einen weiteren Vorteil: „Die meisten Patienten sind planbar“. Bad Bramstedt hat keine Notaufnahme, hier werden Operationen und andere Behandlungen in Ruhe geplant und verabredet; das macht die Arbeit für Ärzte weniger anstrengend.

Auch Knochenkrebs wird behandelt

Eins von Beils Spezialfächern ist die septische Chirurgie: Er operiert Knie-, Hüft- oder andere Prothesen, die sich entzündet haben. Das sei schwer zu diagnostizieren und anstrengend zu behandeln, weil Chirurgie und Pflege besonders eng zusammenspielen müssen, erläuterte der Orthopäde.

Das Spektrum des Klinikums Bad Bramstedt will er nicht nur mit dieser Revisions-Endoprothetik, so der Fachbegriff, ergänzen, sondern auch mit Schulter-Chirurgie und Tumor-Orthopädie, also der Behandlung von Krebserkrankungen in Knochen. Beil bereitet sich in seiner Arbeit auf „eine Welle von Wechseloperationen“ vor: Viele Prothesen erreichen nach 15 bis 20 Jahren das Ende ihrer Lebensdauer und müssen ausgetauscht werden.

Vaskulitis-Zentrum wieder beleben

Ina Kötter interessiert sich schon lange für eine ganz besondere rheumatische Erkrankung, die Sklerodermie. Dabei verhärtet vor allem die Haut, Betroffene werden quasi im eigenen Körper eingemauert: „eine der schlimmsten rheumatischen Erkrankungen, die man bis heute nur schwer behandeln kann“.

In Bad Bramstedt will sie außerdem das Vaskulitis-Zentrum wieder beleben, das früher überregionale Bedeutung für diese Gefäßentzündungen hatte. Als Schwerpunkt will sie sich um Kollagenosen kümmern, das sind Autoimmun-Erkrankungen an Bindegewebe und Blutgefäßen.

Langfristig will Ina Kötter ihr Fachgebiet bekannter machen, damit vor allem Hausärzte schneller auf die Idee kommen, dass bestimmte Symptome auf eine rheumatische Erkrankung hindeuten. „Möglichst früh die richtige Diagnose stellen, daran hapert es in Deutschland.“ Klassische Fortbildungen für Hausärzte fruchten bisher zu wenig, findet Kötter: „Ich glaube, man muss tatsächlich im Studium ansetzen. Rheumatologie kommt da kaum vor.“

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