Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Segeberg Jeske: "Fühle mich warm aufgenommen"
Lokales Segeberg Jeske: "Fühle mich warm aufgenommen"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:03 13.05.2019
Von Einar Behn
Bürgermeisterin Verena Jeske hat sich in Bad Bramstedt gut eingelebt. Besonders gefallen ihr die Auen, an denen sie mit ihrer Familie gerne spazieren geht. Quelle: Einar Behn
Bad Bramstedt

Wie haben Sie sich in Bad Bramstedt eingelebt?

Verena Jeske: Ich fühle mich hier warm aufgenommen von den Bürgerinnen und Bürgern. Ich bin gerne im Ort unterwegs, werde häufig von Menschen angesprochen, mit denen ich ein Pläuschchen halte.

Aber viel zu bieten hat Bad Bramstedt nicht. 

Ich vergleiche das mal mit Hamburg. Das hat zum Beispiel kulturell mehr zu bieten, aber da sind sie anonym unterwegs, da ist nichts Herzliches. Wenn ich durch Bad Bramstedt gehe, beispielsweise beim Frühlingsfest des Bürger- und Verkehrsvereins oder einfach nur so und die Leute kommen auf mich zu und sagen, ’hallo Frau Jeske’, dann macht das für mich Bad Bramstedt aus. Die Menschen kennen sich und stehen im gegenseitigen Kontakt und engagieren sich für den anderen. Das gibt ein warmes Zuhausegefühl.

Ist Ihre Familie auch so zufrieden wie Sie?

Mein älterer Sohn hat sofort Freunde gefunden. Er ist Bogenschütze im Schützenverein und zur DLRG will er auch noch. Und der Kleine geht gerne in die Kita Wühlmäuse. Da hat er eine Lieblingserzieherin, die so ein bisschen auch Ersatzmama ist. Und mein Mann teilt das Schicksal mit vielen Bad Bramstedtern. Er pendelt jeden Tag nach Hamburg und hat auch schon mal zweieinhalb Stunden nachhause gebraucht. Wir fühlen uns alle wohl hier, Schleswig-Holstein hat viel zu bieten und in Bad Bramstedt mögen wir besonders das viele Grün und die Auen, an denen wir viel spazieren gehen.

Vermissen Sie auch etwas in Bad Bramstedt?

Meine Läden, in denen ich immer gerne einkaufen gegangen bin. Wir haben ja vorher ganz nahe bei Harburg gewohnt und ich habe direkt im Hamburger Zentrum gearbeitet. 

Geschäfte gibt es in Bad Bramstedt nicht so viele...

... nein, leider nicht. Gerade für Familien wäre zum Beispiel ein H&M sehr angenehm. Aber solche großen Ketten werden wir hier nicht herbekommen. Was hier in den Geschäften zählt, ist der persönliche Service und den schätze ich sehr. Wir müssen unsere Innenstadt beleben. Mehr Gelegenheiten zum Sitzen in Cafés und weniger Durchgangsverkehr, das würde den Geschäften helfen. Auf Initiative von Karin Steffen von der SPD sollen nun Spielgeräte auf dem Bleeck aufgestellt werden. Das geht in die richtige Richtung, dadurch wird der Platz belebt. Und im Winter brauchen wir mehr Licht in der Stadt, nicht nur vor Weihnachten. Ich habe schon erste Angebote auf dem Tisch liegen, wie zum Beispiel Bäume beleuchtet werden können.

Damit sind wir beim Beruflichen. In welchem Zustand haben Sie die Verwaltung vorgefunden?

Ich habe tolle Mitarbeiter hier, bei vielen schlummern Potenziale. Ich habe viele Gespräche mit ihnen geführt und stecke auch mal den Kopf durch die Tür, um Hallo zu sagen oder zu fragen, ob das Enkelkind schon da ist. Dann fühlen sich die Mitarbeiter angenommen, das geht uns doch allen so. Wenn eine gute Atmosphäre herrscht, kommt die Motivation von ganz alleine. Ich habe viel Gestaltungsspielraum vorgefunden und daraus entwickeln wir gemeinsam Ideen und Lösungen.

Wie sieht Ihr Arbeitstag aus?

Ich habe derzeit fast den ganzen Tag über bis spät abends Termine. Noch bin ich in der Kennenlernphase. Heute war zum Beispiel eine Grundschulklasse hier, auch diese Termine zählen dazu. Generell versuche ich möglichst viel im Rathaus zu sein.

Wie viele Stunden investieren Sie täglich in den Job?

Gestern waren es 14, einschließlich der Bauausschusssitzung. Aber das ist normal, dreimal die Woche sind die Tage so lang. Und wenn ich abends zuhause bin, muss ich noch Mails beantworten.

Eine Trennung von Beruf und Privatleben gibt es also nicht?

Nein, das habe ich mir aber auch so vorgestellt und auch so gewollt. Serien über Netflix gucke ich höchstens mal abends um 11 Uhr, wenn ich Hausarbeiten wie Bügeln erledige.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Stefan Brumm hat Sie öffentlich ermahnt, nicht zu leichtfertig mit dem Geld der Stadt umzugehen.

Das habe ich nicht als Angriff gewertet. Herr Brumm hat ja nichts Falsches gesagt. Der Stadt geht es finanziell nicht gut und wir müssen schon alle ein Augenmerk auf das Finanzielle halten. Aber ich entscheide ja nicht über die Ausgaben, das macht die Politik. Ich gebe nur Impulse und begründe, warum beispielsweise der Anbau ans JUZ längst überfällig ist ...

Verena Jeske im Porträt

Als Regierungsamtsrätin im Schiffahrtsamt Hamburg hatte Verena Jeske im Juli 2018 ihre Kandidatur für das Bürgermeisteramt in Bad Bramstedt angemeldet. Die SPD hatte sie dafür vorgeschlagen, obwohl sie parteilos ist. Damals glaubte kaum jemand an einen Sieg, zu fest, so schien es, saß Amtsinhaber Hans-Jürgen Kütbach nach drei Wahlperioden im Amt. Doch der damals 39-Jährigen gelang die große Überraschung. Schon im ersten Wahlgang im September schlug sie Kütbach knapp mit 47 Stimmen Vorsprung. Da es drei Kandidaten gab, und keiner auf über 50 Prozent kam, gab es einen zweiten Wahlgang im Oktober. Jeske machte die Überraschung perfekt: Sie gewann mit 58 zu 42 Prozent gegen Kütbach. Seit Februar dieses Jahres ist sie im Amt.

Jeske stammt aus Grimmen in Mecklenburg-Vorpommern, lebte aber zuletzt in Seevetal südlich von Hamburg. Sie ist verheiratet mit dem selbstständigen Diplom-Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik Thilo Jeske und hat mit ihm zwei Söhne im Kita- und im Grundschulalter. Die Familie lebt in einer Wohnung über dem Sportlerheim der Bramstedter Turnerschaft.

... und warum Sie ein neues Kulturhaus samt Theater bauen wollen. Wovon wollen Sie das eigentlich bezahlen?

Das ist ja kein Projekt, das wir gleich morgen angehen werden, wir haben erst noch ganz anderes vor: die ärztliche Versorgung, das Feuerwehrhaus, eine neue Kita und so weiter. Diese Einrichtungen stehen ganz weit oben auf der Prioritätenliste, denn sie gehören zur Daseinsvorsorge. Aber Kultur und Bildung sind eben auch wichtige Standortfaktoren.

Dafür gibt es ja das Kurhaustheater. Warum kauft die Stadt es dem Klinikum nicht ab? 

Das Haus ist sanierungsbedürftig. Es zieht darin, wenn Sie im Bereich der Bühne sitzen. Das Theater hat unbestritten einen Charme. Jedoch muss bei der Verlegung von neuen Leitung die Wandverkleidung abgenommen werden und vieles mehr. Es ist ein altes Gebäude und auch nach einer Sanierung ändert sich daran nichts. Niedrige Betriebskosten haben sie bei Gebäuden nach neuesten energetischen Standard.

Die Volkshochschule will umziehen, die Stadt finanziert indirekt durch Zuschüsse die Miete. Gleiches gilt für das BT-Orchester.  Wenn Sie das ganze Geld mal auf einen Haufen packen, kommt da schon ganz schön viel zusammen, was sie auch in ein neues Kulturhaus stecken können, wo dann alle unter einem Dach sind. Und wenn wir dann auch noch Städtebauförderung dafür bekommen, müssen wir von vielleicht 12 Millionen Euro vier Millionen selbst bezahlen. Dafür haben wir die unterschiedlichsten Nutzungsmöglichkeiten und wir haben etwas Modernes geschaffen, das für viele Jahrzehnte unser Leuchtturm sein wird.

Das Kulturhaus liegt Ihnen offensichtlich am Herzen.

Ja, das verfolge ich weiter, ich bin hartnäckig.

Wo wir gerade bei den Finanzen sind. Sind Sie für die Abschaffung der Straßenausbaubeiträge?

Das kann ich so pauschal noch nicht mit Ja oder Nein beantworten. Wir müssen erst einmal konkrete Zahlen darüber haben, was in den nächsten Jahren an Kosten für Straßenausbauten anfallen. Und dann müssen wir sehen, ob wir uns eine Abschaffung oder, wie von der SPD gewünscht, eine Minderung der Beitragssätze leisten können, ohne dass dadurch Kitas und Schulen zu kurz kommen.

Die Stadt bekommt doch vom Land extra Mittel zugewiesen, damit die Abschaffung möglich ist. Warum wollen Sie das Geld nicht an die Bürger weitergeben?

Wir bekommen für drei Jahre jeweils 140.000 Euro an Infrastrukturmitteln, die nicht nur für Straßenausbauten gedacht sind. Alleine der Ausbau von Landweg und Bimöhler Straße wird die Stadt 5 Millionen Euro kosten. Die Zuweisung vom Land ist also ein verschwindend kleiner Betrag.

Im Wahlkampf hat mancher spekuliert, dass Bad Bramstedt für Sie nur eine Stufe auf der Karriereleiter ist. Wie lange wollen Sie Bürgermeisterin bleiben?

Auf jeden Fall möchte zwölf Jahre Bürgermeisterin sein. In einer sechsjährigen Amtsperiode kann man nicht viel erreichen.

Aber nicht bis zur Pensionierung?

Ob ich gegebenenfalls auch noch für eine dritte Amtszeit kandidieren werde, entscheide ich im elften Jahr. Wer zulange im Amt ist, der läuft Gefahr, dass ihm irgendwann die Ideen ausgehen und das möchte ich nicht.

Einen Kommentar zur Bürgermeisterin lesen Sie hier.

Ein Rückblick auf Wahlkampf und erste Amtstage.

Auf der künftigen A20 bei Bad Segeberg soll zeitweise ein Höchsttempo 60 gelten. So könnten die rund 30000 Fledermäuse geschützt werden, die die Kalkberghöhle anfliegen. Diesen Vorschlag hat Bürgermeister Dieter Schönfeld unterbreitet.

Gerrit Sponholz 11.05.2019
Segeberg Freibad Kaltenkirchen - Hinein ins warme Wasser

Die Becken sind randvoll, zahlreiche rosafarbene Flamingo-Badeinseln säumen die Becken und Wiesen: Am Sonnabend startet das Freibad Kaltenkirchen in eine neue Badesaison, der bereits 20. an diesem Standort.

Gunnar Müller 10.05.2019
Segeberg Katarina Barley auf Tour - Kevin Kühnert war nur Statist

Der Mann, der die Verstaatlichung von BMW zur Denksportübung erhoben hatte, besaß diesmal nur eine Statistenrolle: Juso-Vorsitzender Kevin Kühnert begleitet Bundesjustizministerin Katarina Barley bei Wahlkampfauftritten vor der Europawahl am 26. Mai - und wurde in Bad Segeberg freundlich empfangen.

Michael Stamp 10.05.2019