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Segeberg Als man am Kalkberg noch klettern durfte
Lokales Segeberg Als man am Kalkberg noch klettern durfte
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18:00 14.06.2019
Von Peter Zastrow
Im Sommer 1955 übten Hamburger Bergsteiger am Kalkberg. Erstaunlich ist, mit welch einfacher Ausrüstung zehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs hier trainiert wurde. Quelle: Archiv Zastrow
Bad Segeberg

Bis 1931 waren durch den Gesteinsabbau bis zu 40 Meter hohe, nahezu senkrechte Felswände entstanden – ideal für norddeutsche „Flachland-Bergsteiger“. Angefangen hatte es mit der Kletterei aber bereits 1930, als der Steinbruch noch in Betrieb war. Aus Lübeck kam damals Friedrich-Wilhelm Müller mit einem bayerischen Freund angereist, um die Möglichkeiten für Bergsteigers am Gipsfelsen zu erkunden. Ab dem Folgejahr tauchten dann vor allem Hamburger Bergsteiger auf, übten mit Genehmigung der Stadt an den Steilwänden und suchten am Felsen nach guten Kletterwegen.

Im Krieg war der Gipfel für die Flugwache reserviert

Während des Zweiten Weltkriegs war das Klettern am Kalkberg anfangs noch möglich. 1941 und 1942 kamen Mitglieder des Deutschen Alpenvereins, Sektion Hamburg, zum Üben. Am 4. April 1944 war dann Schluss. Sogar der freie Zugang zum Gipfel wurde gesperrt, weil auf der dortigen Plattform eine Flugwache stationiert wurde. 

Kieler Alpenverein trainierte in Bad Segeberg

Erst 1948 durften die Hamburger Bergsteiger, ab 1949 Alpenvereinsmitglieder der Sektion Kiel und später auch Lübecker Alpinisten wieder klettern. An den Wochenenden konnten sich die Bergsteiger an den steilen Wänden des Bad Segeberger Kalkbergs, sozusagen im nördlichsten Klettergarten Deutschlands, das nötige Rüstzeug für die schweren Wände in den Alpen holen. 

SZ-Redakteur schwärmte von der "Bergsteigerstadt"

So kamen 1952 an mehreren Sonntagen in den Sommermonaten jeweils 20 bis 30 Mitglieder der Hamburger Kraxler, um sich in die Technik des Bergsteigens einzuarbeiten. Daraufhin ernannte Hermann Ross, Redakteur der Segeberger Zeitung, in seinem damaligen Zeitungsbericht die Kalkbergstadt ganz begeistert zur „Bergsteigerstadt“.

Sportler erschlossen sich immer neue Routen

Immer neue Strecken fanden die Sportler im Laufe der Jahre an den steilen Wänden, auf denen sie in verschiedenen Schwierigkeitsgraden üben konnten. 1967 gab es schon 30 Kletterwege. Benannt wurden diese Routen entweder nach ihrem Schwierigkeitsgrad oder nach ihren Erstbegehern, zum Teil aber auch nach ihrer Lage am Berg. Durch den Gesteinsabbau waren vor allem steile Wände, Rampen, einige Überhänge und Kanten entstanden. Was fehlte, waren Kamine und Risse.

Felsstücke stürzten ins Freilichttheater hinab

Problematisch ist auch heute noch die allmähliche Umwandlung des Anhydrits zu Gips, weil sich dabei das Volumen um etwa 30 Prozent vergrößert. Infolgedessen bilden sich schuppenartige Platten, die sich irgendwann vom Berg lösen und herunterfallen. Im Frühjahr 1951 stürzte ein Block ins Freilichttheater, und im Sommer 1952 löste sich eine Platte aus dem Bereich der Pulverkammer und fiel auf die unteren Sitzreihen. Noch heute kann so ein herabgestürzter Brocken auf dem Weg in die Höhlen bestaunt werden.

Seit 1983 dürfen Bergsteiger nicht mehr kraxeln

Bei einer Untersuchung des Geologischen Landeamtes im Winter 1982/83 empfahlen die Wissenschaftler der Stadt, „sämtliche Klettereien mit Anbringen von Haken etcetera“ zu untersagen. Denn durch die Belastung der Bergsteiger können sich solche Platten oder Gesteinsbrocken leichter lösen. Seit 1983 ist es den Bergsteigern verboten, den Kalkberg zu nutzen. 

Winnetou kletterte bis 1998 am Kalkberg

Die Darsteller der Karl-May-Spiele durften den Berg noch ein paar Jahre länger beklettern. In den 80er Jahren seilte sich der damalige Winnetou-Darsteller Klaus-Hagen Latwesen in jeder Inszenierung wirkungsvoll von der Aussichtsplattform ab. Später wurde es schwieriger, die nötige Genehmigung des Kreises zu erhalten. In den 90er Jahren einigten sich die Kalkberg GmbH und Landrat Georg Gorrissen auf den Kompromiss, dass nur noch alle drei Jahre gekraxelt werden darf. So kam es 1992, 1995 und 1998. Die beiden letzten Schauspieler in der Felswand waren „Hobble-Frank“ Uli Pleßmann und „Winnetou“ Gojko Mitic. Als die erneute Genehmigung im Jahre 2001 wieder anstand ging dann aber nichts mehr. Man sorgte sich um den Felsen und die dort heimische Zweizähnige Schließmundschnecke. Seither ist die Felswand bei den Karl-May-Spielen „nur“ noch eine beeindruckende Kulisse. 

Gipsfelsen musste aufwändig gesichert werden

Von 2001 bis 2007 untersuchte ein geologisches Gutachterbüro den Kalkberg erneut und machte zahlreiche Vorschläge zur Sicherung des lockeren, witterungsanfälligen Gipsgesteins. Nach monatelangem Streit mit den Naturschützern und vielen Zugeständnissen gab die Stadt als Eigentümerin des Kalkberges im Jahr 2008 die Sicherungsarbeiten in Auftrag. Drei Tage nach Ende der Karl-May-Saison 2008 rollten zwei 50 Meter hohe Kräne in die Arena und begannen, 375 Metallanker in den Felsen zu treiben. Dazu wurden Löcher mit einem Durchmesser von zwölf Zentimeter ins Gestein gebohrt, in denen die Anker versenkt wurden.

3,6 Millionen Euro in Berg und Höhle investiert

Im Sommer 2009 war alles geschafft. Man hatte Metallanker in der Felswand und Stützen der Höhle – beides so geschickt kaschiert, dass es kaum auffällt. Doch eine Schutzwand aus Holzbohlen, die weitgehend mit Kulisse verkleidet ist, sowie ein nicht verkleidetes metallenes Fangnetz im hinteren Bühnenbereich zeigen dem Zuschauer, dass ihm hier nicht mehr der Berg auf den Kopf fallen wird. Insgesamt kostete die Sanierung von Kalkberg und Höhle rund 3,6 Millionen Euro.

So wurde früher der Kalkberg erklommen

Die Anfänger begannen am Kalkberg mit dem so genannten „Damenweg“, der später in „Baby-Route“ umbenannt wurde, weil er nur geringe Schwierigkeiten bot. Der längste Kletterweg war die „Lange Route“, hier überwand der Bergsteiger fast 50 Höhenmeter. Weiter hatten die Alpinisten den „Brunnenweg“, zwei „Pulverkammer-Routen“, die „Löwenzahnroute“ und die „Zackenkrone“ zur Auswahl.

Als besonders schwierig galt die von Hans Keller im Jahre 1948 bestiegene „Kellerkante“ mit dem hohen Schwierigkeitsgrad V/VI. Auch die Wege „E 605“, die „Schneppelroute“, die „Diagonale“ und der „Knobelweg“ erreichten diesen Schwierigkeitsgrad. Wem der niedrigere Schwierigkeitsgrad IV ausreichte, ging über den „Segeberger Weg“ oder über die „Segeberger Platte“. Ganz nach Bergsteigerart konnte sich der Bezwinger auch in der Wand verewigen. Dazu musste der Bergsteiger in einen Riss zwischen "Kellerkante" und "E605" einsteigen, um sich in das dort hinterlegte „Wandbuch“ einzutragen.

Ob von Alpinisten oder Karl-May-Schauspielern - der Kalkberg wurde früher oft beklettert.
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