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Segeberg Keiner in Europa will Hallenbad sanieren
Lokales Segeberg Keiner in Europa will Hallenbad sanieren
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14:27 09.05.2019
Von Michael Stamp
Es findet sich in ganz Europa kein Planer, der das Bad Segeberger Hallenbad sanieren will. Quelle: Michael Stamp
Bad Segeberg

In der Kommunalpolitik ist das 1967 erbaute Hallenbad ein extrem heißes Eisen. Zuletzt hatte sich Bauausschussvorsitzender Wolfgang Tödt (BBS) daran gehörig die Finger verbrannt, als er den Beschluss über die Sanierung mehrere Wochen lang verzögerte, um einen Privatinvestor zu präsentieren, der auf eigene Kosten ein neues Hallenbad hinstellt; doch der Unternehmer hatte am Ende gar kein Interesse an der ganzen Sache

Sanierung ist auf 5,6 Millionen Euro kalkuliert

Weil ein Neubau über 17 Millionen Euro kosten würde, hat sich die Stadtvertretung für die 5,6 Millionen Euro teure Sanierung der über 50 Jahre alten Anlage an der Theodor-Storm-Straße entschieden. Auch eine Teilsanierung für 3,6 Millionen Euro als reines Sportbad mit nur einem einzigen Schwimmbecken wurde erwogen, aber schnell wieder verworfen.

Bislang hat die Stadt eine Machbarkeitsstudie von Planerin Dr. Nicole Riedle aus Wiesbaden vorliegen. „Das ist eine sehr gute Vorarbeit, aber noch eine sehr grobe Ebene“, sagt Bauamtsleiterin Antje Langethal. Der nächste Schritt war nun, nach einem Generalplaner zu suchen, der die Bereiche Architektur, technische Gebäudeausstattung und Statik abdeckt. Der Experte sollte die Planung konkretisieren und die dafür notwendigen Baukosten ermitteln. 

Zeitleiste

1967

Am 1. September 1967 öffnet das Hallenbad in Bad Segeberg nach dreijähriger Bauzeit erstmals seine Türen. Es reicht den Besuchern bei einem Eintritt von 2 DM für Erwachsene und 1 DM für Kinder, nur in einem Kombi-Schwimmbecken ihre Bahnen zu ziehen. Schwimmer und Nichtschwimmer teilen sich das warme Nass. Der Bau hat 1,7 Millionen D-Mark gekostet (umgerechnet rund 870000 Euro). Es gibt gerade mal vier Mitarbeiter. Heute sind bei verschärften Vorschriften, längeren Öffnungszeiten und allerlei Schwimm- und Fitnesskursen 15 Menschen im Bad tätig. Allerdings fällt es der Stadt schwer, genügend Fachkräfte zu finden.

1980

Nach einem Anbau gibt es nun auch ein gesondertes Nichtschwimmerbecken, in dem der Nachwuchs die ersten Schwimmzüge lernen kann. Sprünge von Startblöcken sowie vom Ein- und Dreimeterbrett sind begehrt, ebenso das Tauchen nach Ringen. Der Drei-Meter-Sprungturm wird später aus statischen Gründen wieder abgebaut. In der „Milch-Bar“ können sich Besucher stärken. Auch die Sauna macht auf.

1990er Jahre

Das Bad wächst weiter. Es werden eine hölzerne Empore und ein Dampfbad gebaut, drei Solarien und eine Sitzecke.

2006

Der erste große Umbau ist fällig. Die Abwasser- und Wasseranlage wird erneuert, ebenso die Gas- und Wärmeversorgungsanlage mit Lüftung. Außerdem werden Parkplatz saniert, die Umkleiden und der Imbiss-Betrieb modernisiert. Zudem wird ein neues Blockheizkraftwerk in Betrieb genommen, mit dem das Wasser erwärmt wird.

2017

Das Hallenbad feiert sein 50-jähriges Bestehen. Die zuständige Stadtverwaltungsmitarbeiterin Kirsten Arnhold spricht von jährlich 90.000 Besuchern.

2018/19

In der Kommunalpolitik wird ein Abriss des maroden Bades diskutiert. Ein Neubau würde aber bis zu 17,1 Millionen Euro kosten. Auch ein Teilabriss des Anbaus ist angedacht. Am Ende entscheidet die Stadtvertretung jedoch, die gesamte Anlage für 5,6 Millionen Euro zu sanieren.

Bürgermeister: "Auch Holstein Kiel hat niemanden gefunden"

Doch die Ernüchterung folgte auf den Fuß: Es flatterte keine einzige Bewerbung in den städtischen Briefkasten. Laut Bürgermeister Dieter Schönfeld hat noch nicht einmal jemand nähere Daten zu dem Bauvorhaben abgefordert. Der Verwaltungschef nimmt das aber nicht allzu tragisch. „Wir hatten uns natürlich ein anderes Ergebnis gewünscht. Aber Holstein Kiel hat ja auch niemand gefunden, der ihnen für 15 Millionen eine neue Tribüne baut.“ 

Das Bauamt bereitet nun notgedrungen getrennte Ausschreibungen für die drei Bereiche vor. „Der Generalplaner hätte auch die Bauüberwachung und die Kontrolle der Handwerker gehabt“, schildert Schönfeld. „Jetzt muss man gewährleisten, dass die Schnittstellen der verschiedenen Gewerke vernünftig funktionieren.“ Die Aufgabe der Vernetzung soll der künftige Architekt bekommen. „Die Koordination zwischen den Planern und den ausführenden Firmen kann aber richtig übel werden“, warnt Schönfeld. Das habe sich beim Kieler Hallenbad gezeigt.

Schwimmhalle ist an etlichen Stellen undicht

Doch so weit ist Bad Segeberg noch längst nicht. Denn bevor Handwerksbetriebe engagiert werden, muss erstmal die Planung stehen. Die Probleme sind nämlich erheblich: Die Schwimmhalle ist an etlichen Stellen undicht, lässt jegliche Dämmung vermissen und entspricht in vielen Bereichen nicht dem heutigen Standard. Seit Jahrzehnten kann Feuchtigkeit in den Keller gelangen und dort zu gravierenden Schäden führen. Erhalten ließe sich unter anderem die Wärmeversorgung, die Badtechnik, der Chlorgas-Raum und die Grundleitungen.

Antje Langethal erwartet die Ergebnisse der erneuten Ausschreibung bis Ende August und hofft, dass die Stadt nicht die gesamten Kosten selbst tragen muss. „Wir haben einen Antrag auf Förderung aus dem Klimaschutztopf des Landes gestellt. Ob wir das Geld kriegen, wissen wir natürlich nicht.“ Auch an einem Förderprogramm des Bundes habe sich die Stadt beteiligt. Es geht um Fördermöglichkeiten von etwa 50 Prozent der Bausumme.

Das Bad Segeberger Hallenbad wurde im Spätsommer 1967 in Betrieb genommen. Es hat eine bewegte Geschichte.
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