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Segeberg Terror im Levo-Park - aber nur als Übung
Lokales Segeberg Terror im Levo-Park - aber nur als Übung
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18:11 27.05.2019
Von Thorsten Beck
Einsatzkräfte der Polizei bringen Verletzte ins Freie. Die beiden Täter wurden bei der sehr realitätsnahen Übung im Levo-Park erschossen. Quelle: Thorsten Beck
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Bad Segeberg

 Auf die 30 Einsatzkräfte aus verschiedenen Dienststellen in den Kreisen Segeberg und Pinneberg warteten drei besonders realistisch angelegte Terror- und Amok-Situationen. Eines war ihnen allen gemein: Es ging um Menschenleben.

Anschlag in Paris als Vorbild

Die erste Lage war angelehnt an den furchtbaren Anschlag islamistischer Terroristen auf die Pariser Discothek „Bataclan“, bei dem im November 2015 am Ende 90 Menschen ermordet wurden. „Die Kollegen wissen bei der Anfahrt hierher nur, dass es sich um eine Musikveranstaltung handelt, die von bewaffneten Tätern angegriffen worden ist“, schilderte Direktionssprecherin Silke Westphal. Alles weitere, so die Polizeihauptkommissarin, ergebe sich erst vor Ort. Um möglichen Nachahmern keine Einblicke in die gewählte Polizeitaktik zu geben, durften auch die Medien das eigentliche Geschehen nur aus der Distanz beobachten.

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Einsatzkräfte waren normale Streifenpolizisten

Das Besondere an dieser Übung: Die uniformierten Männer und Frauen gehören keinen für solche Einsätze besonders geschulten Spezialeinheiten an, sondern versehen ihren alltäglichen Dienst als ganz normale Streifenpolizisten auf den Wachen und Revieren. Diese Ordnungshüter sind es allerdings, die nach einem Notruf meist als erste den Ort des Geschehens erreichen. „Auch wenn alle von wissen, dass es sich heute um keinen echten Einsatz handelt, so werden sie doch mit einer hohen psychischen Belastung konfrontiert“, erklärt Polizeioberkommissar Wilhelm Dahmen, hauptamtlicher Einsatztrainer bei der Direktion Bad Segeberg.

Er und seine Kollegen hatten sich gestern im hinteren Teil des Levo-Parks an der Kreisstraße 102 nach Fahrenkrug versammelt, um die nach und nach eintreffenden Kräfte bei ihrem Vorgehen aus der Nähe beobachten und bei der abschließenden Besprechung auf mögliche Fehler hinweisen zu können. Die Gesamtleitung gestern und bei der Fortsetzung in einer Woche (dann allerdings mit anderen Beamten) an gleicher Stelle liegt bei Henning Bollow, dem stellvertretenden Leiter der Planungs- und Führungsgruppe im Kieler Landespolizeiamt. Die aufwändigen Übungen werden so oder ähnlich landesweit abgehalten.

Zwei Terroristen tot, ein Dutzend Verletzte

Etwa eine Stunde nach dem Eintreffen des ersten Streifenwagens ertönte eine Sirene: Übungsende. Die Bilanz: Zwei Terroristen wurden von den Polizisten erschossen, ein knappes Dutzend Besucher mehr oder weniger schwer verletzt. Für diese Rolle waren Freiwillige aus dem Bereich der Direktion zusammengezogen worden. Auch sie trugen Helme, Hauben und die schweren Schutzwesten; denn auch wenn natürlich nicht scharf geschossen wurde, kann die verwendete Übungsmunition bei einem Körpertreffer durchaus schmerzhaft sein und etwa im Gesicht erhebliche Verletzungen hervorrufen.

Eingebunden in das gestrige Szenario waren auch der Rettungsdienst mit dem DRK und die Freiwillige Feuerwehr mit einem Großaufgebot – alles in allem noch einmal rund 80 Personen. Zur Erstversorgung der vermeintlich Verletzten war auf dem nahe gelegenen Parkplatz des Baumarktes Obi eine Sammelstelle eingerichtet worden. Sobald sie im Levo-Park aus der Gefahrenzone gebracht worden waren, ging es mit Blaulicht in schwer bewachten Polizeifahrzeugen zu den Notärzten und Sanitätern.

Die Kooperation mit Rotem Kreuz und Feuerwehr in einer solch angespannten und in jeder Hinsicht unübersichtlichen Lage zu proben – einer anderen Übung lag gestern der Amoklauf an einer Schule zu Grunde –, sei ebenfalls ein zentraler Aspekt, erläuterte Einsatztrainer Dahmen. Denn eines sei allen Verantwortlichen bei Polizei und Rettungsdienst vollkommen klar: „Wir wissen, dass es passiert, nur nicht wann und wo.“

Nächsten Montag geht es weiter

Die Polizisten, die nächsten Montag an der Reihe sind, wissen immerhin wann und wo sie gefragt sind. Nur was in Bad Segeberg genau auf sie zukommt, das erfahren sie erst bei der Alarmierung. Direktionssprecherin Silke Westphal nutzte schon einmal die Gelegenheit, die Verkehrsteilnehmer vorzuwarnen: „Vor allem im Bereich der B206 und der K102 wird es zeitweise immer mal wieder zu Verkehrsbehinderungen kommen.“ Denn zwischen 8 Uhr und 16 Uhr herrscht im Bad Segeberg Levo-Park wieder Terror – mit Sicherheit.

Polizei übt zwei Tage lang "lebensbedrohliche Lagen" im Levo-Park.
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