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Segeberg Imbissbuden-Chef fürchtet Mehrweg-Regel
Lokales Segeberg Imbissbuden-Chef fürchtet Mehrweg-Regel
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18:49 16.05.2019
Von Michael Stamp
Imbissbuden-Betreiber Klaus Gohla (65) fühlt sich von der Stadt Bad Segeberg gegängelt. Er fürchtet, dass die Umrüstung auf Mehrweggeschirr für ihn zur Kostenfalle wird. Quelle: Michael Stamp
Bad Segeberg

Das letzte Wort hat die Stadtvertretung am Dienstag, 21. Mai, ab 18.30 Uhr im Rathaus. Aber sowohl im Bau- als auch im Haupt- und Finanzausschuss wurde das Thema schon äußerst launig vorberaten. Dabei briet heraus: Alle Fraktionen finden den Antrag prinzipiell gut, haben aber Bauchschmerzen, was den Zeitplan angeht. Die Grünen wollten das Ganze nämlich „möglichst zügig, aber spätestens zum 30. Juni 2019“ in Kraft treten lassen.

Einführung am 1. Januar 2020 statt am 30. Juni 2019

„Der 30. Juni ist nicht machbar“, stellte Bauausschussvorsitzender Wolfgang Tödt (BBS) fest. Ähnlich sah es Jörg Röhling (SPD) – und Genosse Joachim Wilken-Kebeck offerierte den 1. Januar 2020 als Kompromiss.

Allerdings ist in der Kommunalpolitik noch strittig, ob der Antrag nicht etwas halbgar ist – und was er eigentlich meint. Klar ist: Einweggeschirr aus Plastik soll weg. Aber ist nur Mehrweggeschirr erlaubt, wie es Annelie Eick fordert? Oder auch kompostierbare Pappe und essbare Pommes-Tüten? 

Sorge um Hygiene beim Geschirrspülen auf dem Wochenmarkt

Im Antrag ist der für manche schwer verdauliche Passus „ausschließlich im Pfandrückgabesystem“ enthalten. „Der Satz irritiert mich bei meiner Wurstpappe enorm“, sagte Jürgen Niemann (BBS). Er zweifelt, ob Geschirr vor Ort wirklich porentief rein abgewaschen wird. „Ich weiß nicht, ob ich da noch Pommes esse.“

Nicht, dass im Marktplatzbrunnen abgewaschen wird

Und wie schafft man auf dem Wochenmarkt überhaupt die Voraussetzungen, um das Abwaschen von Mehrweggeschirr zu ermöglichen? „Nicht, dass noch der Marktplatzbrunnen eine Zweitverwertung erfährt“, juxte SPD-Fraktionschef Dirk Wehrmann. CDU-Amtskollege Torben Fritsch sorgte sich, dass die Neuregelung dem Wochenmarkt schadet. „Wir sollten über jeden Marktbeschicker froh sein, der da ist.“ Anna-Patricia Thomsen (FDP) regte an, den Marktleuten als Gegenleistung für die Investitionen bei den Gebühren entgegenzukommen. Im übrigen, so war man sich einig – müsse man mit den Betroffenen erstmal reden – vor allem mit dem Imbissbudenbetreiber auf dem Markt. 

Am nächsten Dienstag geht es im Rathaus um die Wurst

Nächste Woche geht es um die Wurst – aber bis gestern hatte noch niemand aus Kommunalpolitik oder Stadtverwaltung mit Klaus Gohla (65) gesprochen. Einzig Reinhard Schweim von der Unternehmergemeinschaft Wir für Segeberg warnte Gohla vor, was da gerade im Rathaus läuft.

Imbissbuden-Chef steht seit 19 Jahren auf dem Markt

Der Mann aus Bredenbek bei Plön steht seit 19 Jahren auf dem Markt. In Bad Segeberg hat er 90 Prozent Stammkunden, in Wahlstedt sind es 100 Prozent. Bei Mehrweggeschirr fürchtet er mehrere Probleme. „Das ist ein Traditionsbruch. Die Leute wollen die Wurst in einer Pappe in der Hand haben und abbeißen. Da will keiner Teller und Besteck.“ Bei den Pommes-Piekern könne er hingegen recht problemlos auf Holz umrüsten. Senf oder Ketchup gibt es traditionell aus der großen Flasche und nicht in Mini-Portionen aus dem Plastiktütchen. Seine Kaffeetassen sind aus Keramik.

"An die Großen kommen sie nicht ran"

Pommes und Würste werden von Gohla auf Papptellern verkauft. „Ob wir für die Umwelt unbedingt der Vorreiter sein müssen“, sagt er kopfschüttelnd. „An die Großen kommen sie mit ihrer Umweltschutzgeschichte nicht ran. Jetzt sehen sie die Kleinen als Alibifunktion.“

Geschirrspüler hätte im Wagen nur schwerlich Platz

Gohla findet das alles übertrieben. „Was wir hier haben, ist Allgemeinmüll. Der kommt in die Verbrennungsanlage. Hier bleibt auch nichts liegen.“ Eine Mehrweglösung sei „eine Frage des Geldes“, sagt der gelernte Betriebswirt. „Am Ende sind wir die Angeschissenen, weil wir die Preise erhöhen.“ Außerdem sei fraglich, wo er einen Industriegeschirrspüler hinstellen soll. „Entweder ich muss mich nach einem anderen Fahrzeug umsehen oder auf Stauraum verzichten, der mir dann fehlt.“ Zudem sei auf dem Marktplatz keine Abwasserleitung vorhanden.

Kochlöffel kommt mit Plastik und Pappe durch

Wenig amüsiert ist Gohla auch darüber, dass das benachbarte Fast-Food-Restaurant Kochlöffel und der City-Grill weiterhin mit Plastik und Pappe durchkommen, weil sie nicht auf städtischem Boden stehen. „Das ist Wettbewerbsverzerrung.“

Dass die Einführung vom 30. Juni 2019 auf den 1. Januar 2020 geschoben werden soll, findet er schon mal gut. „Ich habe zu meiner Frau gesagt: Wie sollen wir das denn machen? Das sehe ich auch in einem halben Jahr noch nicht.“

Drei Fragen an Unternehmer Ingo Micheel

Wäre die von der Stadt angestrebte Lösung umsetzbar?

Ingo Micheel: Ja. Ich finde das als Veranstalter gut. Man muss aber die Voraussetzungen schaffen. Bei der Regio-Schau wäre es kein Problem, weil wir dort schon viel mit Wasser arbeiten. Beim Stadtfest könnte ich mir Kunststoff auf PET-Basis vorstellen. Da bräuchte man ein Spülmobil vor Ort. Damit, dass sowas eingeführt wird, hatte ich schon länger gerechnet.

Die Grünen wollten das Konzept ursprünglich schon zum 30. Juni 2019 umsetzen lassen. Wäre das schwierig geworden?

Da hätte ich beim Stadtfest ein Problem mit meinem Gastronomen bekommen. Wir sind ja längst per Vertrag gebunden. Mit Mehrweggeschirr wäre es für ihn aber eine vollkommen neue Situation gewesen. Er ist für diesen September nicht auf so etwas eingestellt und hätte aussteigen können. Wenn die Lösung aber erst 2020 kommt, kann man sich rechtzeitig darauf vorbereiten.

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen sind zu befürchten?

Dass solch eine Maßnahme Geld kostet, ist klar. Wir müssen sehen, wie man das abpuffert. Am wichtigsten ist aber, dass die Infrastruktur da ist. Wenn die Stadt den Marktplatz bei der Neugestaltung ohnehin aufreißt, muss man Wasser- und Abwasseranschlüsse im Erdreich verlegen – und Starkstrom für Industriegeschirrspüler. Da ist eine Menge zu bedenken – gerade wenn man den Brunnenpavillon mal wieder haben möchte.

Die Diskussion um eine Mehrweglösung in Bad Segeberg sorgte für angeregte Debatten in den städtischen Ausschüssen - dabei gab es einige originelle Wortmeldungen.
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