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Segeberg Demo am Jahrestag der Reichspogromnacht
Lokales Segeberg Demo am Jahrestag der Reichspogromnacht
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17:44 29.10.2019
Von Thorsten Beck
Am Sonnabend, 9. November, soll in Bad Segeberg eine Demonstration gegen Rechts stattfinden. Quelle: Privat
Bad Segeberg

Seit sich der bekannte Neonazi Bernd T. aus Bad Segeberg und ein paar seiner Gefolgsleute immer öfter ganz unverhohlen in der Öffentlichkeit zeigen und gezielt Kontakt zu Jugendlichen suchen, formiert sich der Widerstand – ebenfalls öffentlich.

Schulen in Bad Segeberg warnen und informieren

In dieser Woche haben darüber hinaus Schulen im Großraum Bad Segeberg eine Aufklärungskampagne vornehmlich in den Jahrgängen gestartet, die als Zielgruppe für gezielte Anwerbungsversuche durch die Rechtsextremisten gelten. Komplette Schulstunden wurden dafür von den 8. Klassen bis hinauf zu den angehenden Abiturienten freigeräumt. 

Kontaktaufnahme unter dem Deckmantel des Tierschutzes

Auch offizielle Elternbriefe sind vorgestern und gestern verschickt worden; neben den Schulen in der Kreisstadt haben sich unter anderem auch die Richard-Hallmann-Schule in Trappenkamp und die Sventana-Schule in Bornhöved an der Aktion beteiligt. Gewarnt wird in den Schreiben vor den ungefragten Kontaktaufnahmen durch Angehörige der rechten Szene, vornehmlich durch den 45-jährigen Bernd T. selbst, die in der Regel zunächst gar nicht mit aggressiven politischen Parolen erfolgten, sondern oft unter dem Deckmantel des Tierschutzes. So sind zuletzt in Bad Segeberg neben eindeutigen Botschaften des rassistischen „Aryan Circle“ immer wieder Aufkleber aufgetaucht, in denen das religiös motivierte Schächten von Tieren angeprangert wird. Damit soll in erster Linie Stimmung gemacht werden gegen die in Deutschland lebenden Muslime.

Inhalt mit Bildungsministerium abgestimmt

Der Inhalt der Briefe ist im Vorfeld mit dem schleswig-holsteinischen Bildungsministerium abgestimmt worden. „Wir haben den Schulen bei der Formulierung geholfen, so etwas ist ja nicht deren Alltagsgeschäft“, erklärte Ministeriumssprecher David Ermes gestern der Segeberger Zeitung. Der Text sei allerdings nicht verbindlich, jede Schule könne ihn selbstverständlich individuell anpassen.

Ansprache auch über Handy

In den vergangenen Wochen waren Jugendliche gezielt auf ihrem Schulweg oder an öffentlichen Plätzen angesprochen worden. Die Rechten nutzen aber auch private Kontakte über Handy. Gerade erst war die Polizei an einer Bad Segeberger Gemeinschaftsschule gefordert, wo Bernd T. sich ungefragt bei einer Schülerin gemeldet hatte. Dem Mädchen wurde es nach kurzer Zeit mulmig und sie brach die Konversation ab. Erkennbar wird bei all dem der rassistische Ansatz der Neonazis: Sie gehen bevorzugt nach der Optik. Jungen und Mädchen mit blonden Haaren stehen dabei besonders im Fokus.

Kein Grund zu Angst oder Panik

Das Kieler Bildungsministerium und die Schulleitungen warnen allerdings ausdrücklich vor übertriebener Angst oder gar Panik: „Die Gruppe will für sich werben, nicht abschrecken“, heißt es gleichlautend in vielen Elternbriefen.

Am Sonnabend, 9. November, dem Jahrestag der Reichspogromnacht von 1938, wollen sich Teilnehmer einer Kundgebung gegen Rechts um 13 Uhr am Brunnen vor der VR Bank in der Fußgängerzone treffen. Bereits ab 11 Uhr findet an diesem Tag die offizielle Gedenkfeier der Stadt Bad Segeberg auf dem Gelände der alten Synagoge an der Kirchstraße, schräg gegenüber dem Rathaus, statt. Die Veranstalter der Demo haben dazu aufgerufen, auch dorthin zu gehen. 

Die nach eigenen Angaben aktuell aus über 40 Menschen bestehende Initiative möchte – wie die Handballerinnen des SV Sülfeld – ein deutliches Zeichen setzen für ein buntes, weltoffenes Bad Segeberg und gegen rechte Gewalt. Der Aufruf werde gerade noch ins Arabische übersetzt, berichtete eine der Organisatorinnen. „Wir sind sehr froh, dass auch einige Migranten in der Initiative mitarbeiten.“

Gerade in Bad Segeberg sei die Angst unter ihnen verbreitet. Vor allem der 45-jährige Bernd T. versuche, über die Kreisstadt das rechtsextreme Netzwerk „Aryan Circle Nord“ aufzubauen. Dort seien auch Mitglieder der Organisation „Nordic Division“ aktiv, gegen die der Verfassungsschutz ermittelt. 

Dass eine Reaktion der Zivilgesellschaft nötig ist, wurde gerade erst wieder deutlich: Auch in der Nacht zu gestern sind wieder Nazi-Aufkleber aufgetaucht – unter anderem bei der Dahlmannschule.

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