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Segeberg Neuer Name für Gustav-Frenssen-Weg
Lokales Segeberg Neuer Name für Gustav-Frenssen-Weg
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18:18 03.01.2020
Von Michael Stamp
Bürgervorsteherin Monika Saggau fände eine Umbenennung des Gustav-Frenssen-Wegs in „Gustav-Böhm-Weg“ gut. Quelle: Michael Stamp
Bad Segeberg

Als kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs die Südstadt hochgezogen wurde, benannte die Stadt mehrere Wohnstraßen nach norddeutschen Dichtern und Schriftstellern. Neben Theodor Storm, Gorch Fock, Timm Kröger, Johann Hinrich Fehrs und Matthias Claudius war auch Gustav Frennsen (1863-1945) dabei. Der Mann aus Dithmarschen hatte mit „Jörn Uhl“ einen gewaltigen Erfolg gelandet und gab schließlich sogar seine Arbeit als Pastor auf, um sich voll und ganz der Schriftstellerei zu widmen. Doch sein Gedankengut war bedenklich braun. 

Schon mehrere Anläufe zur Umbennung

Anläufe, die Straße umzubenennen, hat es in den vergangenen Jahrzehnten schon öfter gegeben. Stets verliefen sie im Sande – auch, weil meist im selben Atemzug der Name der damaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne als ebenso änderungswürdig angeführt wurde und sich an dieses dicke Brett niemand herantraute. Auch waren und sind viele Anwohner des Gustav-Frenssen-Wegs allein wegen der umständlichen Behördengänge wenig begeistert von einer neuen Adresse. 

Broschüre über Frenssens Biografie erstellt

Doch jetzt kommt Dynamik in die Sache. Ausschlaggebend dafür war eine Initiative des Kirchenhistorikers Günther Gathemann mit dem Segeberger Bündnis für Demokratie und Toleranz. In einer Broschüre wurden Frenssens Biografie und etliche Zitate zusammengestellt. 

So bezeichnete sich Frenssen, der Adolf Hitler vergötterte, als „schlichter Gefolgsmann unseres großen Führers“. Kurz vor seinem Tod im April 1945 schrieb Frenssen einen Brief an Schleswig-Holsteins Gauleiter Hinrich Lohse. Darin heißt es: „Ich verabschiede mich von Ihnen als dem höchsten Vertreter der Bewegung, der ich von ganzem Herzen angehört habe. Ich gehe, trotz der jetzigen schwierigen Lage, in dem Glauben aus dem Leben, dass der Endsieg auf deutscher Seite sein wird. Heil dem Führer!“ Sein Glaube trog ihn gewaltig: Keine vier Wochen nach Gustav Frenssens Tod am 11. April 1945 war der Zweite Weltkrieg vorbei – und Hitler tot.

Unklar ist, wie Frenssen Namenspatron werden konnte

„Vieles, was Gustav Frenssen geschrieben hat, war rassistisch und menschenverachtend“, sagt Monika Saggau. Der Dichter hatte die Ermordung der Juden gutgeheißen und auch die Tötung von psychisch Kranken und Behinderten gerechtfertigt. So schrieb Gustav Frenssen: „Die aber, die unheilbar sind oder so schwer krank, dass ihr Leben für sie selbst kein Menschenleben mehr ist, sollen mit ihrer eigenen Billigung oder nach dem Willen der Gemeinschaft ausgelöscht werden.“ Wie so jemand im Jahre 1956 überhaupt als Namenspatron ausgewählt werden konnte, ist ein Rätsel. 

Anfangs wusste Monika Saggau nicht viel über Frenssen – aber je mehr sie sich mit dem Mann beschäftigte, desto deutlicher drängten sich ihr Konsequenzen auf. „Wenn man erstmal weiß, wer das ist, wird einem schon mulmig.“ 

Ältestenrat in Bad Segeberg einberufen

Ihr erster Gedanke war, das Straßenschild um eine kleine Erläuterung zu ergänzen. Doch als sie diesen Vorschlag bei der ehrenamtlichen Geschichtswerkstatt machte, schlug ihr Empörung entgegen. Daraufhin war Monika Saggau klar, dass eine Umbenennung erfolgen muss. Sie berief den Ältestenrat ein, in dem alle Fraktionschefs aus der Stadtvertretung sitzen, und stellte ihr Anliegen vor. 

Bei der nächsten Zusammenkunft des Ältestenrats am 20. Januar soll das Thema erneut beraten werden. Anschließend kommt es – höchstwahrscheinlich – in die Ausschüsse und die Stadtvertretung. Allein dort fällt (das ist Monika Saggau wichtig zu betonen) die endgültige Entscheidung. 

Auf dem Weg dorthin sollen die Anwohner des Gustav-Frenssen-Wegs und auch alle anderen Bad Segeberger „mitgenommen“ werden. So plant die Bürgervorsteherin eine Versammlung, in der die Neubenennung erklärt wird. 

Bei neuem Straßennamen viel Aufwand für Anwohner

Ihr ist klar, dass viele Anwohner nicht glücklich mit einer Änderung sind. Gemeinsam mit Bürgermeister Dieter Schönfeld und Landrat Jan Peter Schröder möchte Monika Saggau aber erreichen, dass bei allen Behördenvorgängen wie dem Ausstellen neuer Personalausweise und Reisepässe auf Gebühren verzichtet wird. „Das wäre eine gute Geste“, sagt auch Schönfeld. Er ist optimistisch, dass sich das unbürokratisch machen lässt. 

Monika Saggau ist unterdessen von einer Idee begeistert, die im Laufe der Diskussionen aufgekommen ist: die Benennung nach Gustav Böhm, der große Verdienste um den Aufbau der Südstadt besitzt. „Ich persönliche finde das richtig gut! Das ist ein Mann, der viel für Bad Segeberg geleistet hat und auf den man stolz sein kann.“

Änderung könnte noch in diesem Jahr erfolgen

Die Benennung einer Straße sei eine Ehre, sagt die CDU-Kommunalpolitikerin. „Aber wenn sich im Nachhinein herausstelle, dass diese Ehre nicht gerechtfertigt war, dann müsse man auch den Mut haben, das wieder rückgängig zu machen.“ Sollte kommunalpolitisch alles glatt gehen, könnte die Namensänderung innerhalb der ersten vier Monate des Jahres 2020 erfolgen. Neben Einfamilienhäusern sind auch mehrere Wohnblocks betroffen. In den 60er Jahren waren am Gustav-Frenssen-Weg Wohnungen für Mitarbeiter der Lettow-Vorbeck-Kaserne errichtet worden. 

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