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Segeberg Bäume umgeweht, Dächer abgedeckt
Lokales Segeberg Bäume umgeweht, Dächer abgedeckt
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19:30 28.10.2013
Von Petra Stöver
Der Sturm hatte eine 15 Meter hohe Birke entwurzelt, die auf den Lohmühlenweg in Bad Segeberg fiel. Quelle: Stephan Worlitz
Kreis Segeberg

In Kaltenkirchen wurde ein Fußgänger unter einem umgewehten Baum begraben und lebensgefährlich verletzt. In Rickling packten Bahnpassagiere an und schleppten umgestürzte Stämme von den Gleisen. Pausenlos und überall waren Helfer im Einsatz.

 Ein Spaziergänger wurde kurz vor 16 Uhr von einem stürzenden Baum getroffen. Dabei fiel der Mann unter einen am Rand des Flottkamps in Kaltenkirchen geparkten Wagen. Er konnte von Einsatzkräften der Feuerwehr und des THW befreit und mit lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht werden. Wenige Minuten zuvor waren Teile des Daches von einem mehrgeschossigen Mehrfamilienhaus am Kretelmoor heruntergeweht. Mit Hilfe ihres Teleskopmastfahrzeugs entfernten die Feuerwehrleute Trümmerreste vom Dach.

 Dem Zug der Nordbahn versperrten gestern Nachmittag zwei vom Sturm gefällte Bäume den Weg von Neumünster nach Bad Segeberg. Der Zugführer konnte kurz vor Rickling zwar rechtzeitig bremsen, aber die Fahrt nicht fortsetzen. „Er hat gesagt: Jetzt geht es nicht weiter“, berichtet ein Fahrgast. Einige Passagiere hatten es aber eilig. „Was sollen wir hier lange warten?“, fragten sich die beherzten Männer, stiegen aus und packten an. Sie schleppten die Pappel und die Fichte zur Seite, sodass der Zug vorbeifahren konnte. Nach einer Viertelstunde war die Aktion beendet. Die Fahrgäste hatten Glück, dass sie nur mit etwas Verspätung ankamen. Die AKN stellte ab 15.45 Uhr ihren Fahrbetrieb für mehrere Stunden komplett ein.

 In einigen Orten, wie in Hartenholm, fiel der Strom aus. Ursache waren umherfliegende Äste, die sich in Hochspannungsleitungen und Umspannwerken verfangen hatten oder in die Mittelspannung gestürzte Bäume. Am Heuweg wurde eine massive Eiche mit einem Stammdurchmesser von 1,50 Meter entwurzelt. Besonders heftig wütete der Sturm in Schmalfeld. In kurzer Zeit stürzten 30 Bäume um, zwei Birken fielen auf ein Einfamilienhaus. In Struvenhütten wurde das Dach eines Einfamilienhauses in der Straße am Wiesengrund fast vollständig abgedeckt.

 In Bad Segeberg heulten um 14.38 Uhr die Sirenen. Die Freiwillige Feuerwehr löste wegen des Unwetters Vollalarm aus. Wehrführer Mark Zielinski, der die Arbeiten mit einem vierköpfigen Team in der Feuerwache koordinierte, verteilte 45 Kameraden und zehn Fahrzeuge in der gesamten Stadt. Die Ziegelstraße musste in Höhe der Heinrich-Rantzau-Straße zeitweise voll gesperrt werden, weil ein Baum quer über die Fahrbahn gestürzt war.

 Am Lohmühlenweg wurde eine gewaltige Birke entwurzelt und musste von der Feuerwehr in ihre Einzelteile zerlegt werden. „Ich habe gesehen, dass der Baum ganz schief stand“, schilderte eine Anwohnerin. „Dann habe ich erstmal dafür gesorgt, dass da alle Autos weggefahren werden. Zwei Minuten später ist der Baum umgekippt. Da hatten die Wagen drunter gestanden.“

 An der Ecke Riihimäkistraße/An der Trave drohten die Lichter der Fußgängerampel hinabzufallen. „Die haben wir festgebunden“, sagte Zielinski. Innerhalb von drei Stunden mussten etwa 20 Einsätze absolviert werden. Die Feuerwehr wurde von Kräften des Technischen Hilfswerks (THW) und des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) unterstützt. Schwerpunkt waren die Wohngebiete um den Ihlsee. Doch auch im Ortsteil Christiansfelde gaben Bäume unter den Sturmböen nach. Am Weinhof stürzten Bauzäune um. Die Bad Segeberger Feuerwehr musste zudem in Fahrenkrug mit der großen Drehleiter aushelfen, weil dort ein Baum in zwölf Metern Höhe auseinandergesplittert war.

 Dramatisch ging es in Wahlstedt an der Dr.Hermann-Lindrath-Straße zu. „Wir waren gerade dabei, ein paar umgestürzte Bäume abzusägen – da flog nebenan beim THW das Dach weg“, schildert Wehrführer Jörg Neubauer. Die Trapezblechplatten des Technischen Hilfswerks landeten laut Neubauer „beim Nachbarn im Garten“. Neubauer informierte die Kollegen über das Malheur am eigenen Gebäude.

 Die Wahlstedter Feuerwehr musste ab 14.30 Uhr bis in den frühen Abend rund 25 Sturm-Einsätze absolvieren. Die Kreisstraße 102 zwischen dem Wahlstedter Stadtkern und dem Ortsteil Waldesruh musste, wie Neubauer schilderte, wegen etlicher umgestürzter Bäume voll gesperrt werden. „Wir waren da auf der Kreisstraße zeitweise von Bäumen eingesperrt und mussten uns den Weg freisägen“, berichtete der Wehrführer.

 Auch in Bad Bramstedt war die Feuerwehr gestern Nachmittag im Dauereinsatz. Auf dem Flachdach des Babera-Wohnhauses gegenüber dem Bahnhof hatten sich Dachteile gelöst, die die Feuerwehr per Drehleiter sichern musste. In der Bachstraße stürzte ein Baum auf das Dach eines Wohnhauses. Auch brachen reihenweise Äste ab und stürzten Bäume um, auch auf die Bundesstraße 206. Sie musste zwischen Bad Bramstedt und der Autobahn A7 kurzzeitig voll gesperrt werden, weil zwei Birken sich hier quer über die Fahrbahn gelegt hatten.

 Wegen der Vielzahl der Einsätze konnten Feuerwehr und Polizei bis gestern Abend keine genauen Angaben zu den Sturmschäden im Kreis Segeberg machen.