Bauverein Kaltenkirchen: So schätzt Andreas Breitner die Situation ein
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Segeberg Breitner stärkt den Bauverein-Vorstand
Lokales Segeberg Breitner stärkt den Bauverein-Vorstand
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10:16 21.02.2020
Von Klaus-Ulrich Tödter
Dunkle Wolken ziehen gerade über den Bauverein Kaltenkirchen.
Dunkle Wolken ziehen gerade über den Bauverein Kaltenkirchen. Quelle: Nicole Scholmann
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Kaltenkirchen

Andreas Breitner hält die Vorgänge beim Bauverein Kaltenkirchen für „gravierend“. Vorstände dürften nicht zu Marionetten gemacht werden. Er hofft, dass ein „Weg gefunden wird, der der beste für die Wohnungsgenossenschaft ist und zu einer Beendigung der Turbulenzen führt“. Er setzt dabei auch auf die Selbstreinigungskräfte der Genossenschaft, damit es dort zum Wohle der Mieter vernünftig weitergehen kann.

Das vom Aufsichtsrat freigestellte Vorstandsmitglied Martina Bennert bezeichnet Breitner als „kompetente Fachfrau, die ihre Voraussetzungen zur Leitung einer Genossenschaft nachgewiesen hat“.

Bennert bewertete Projekt als risikoreich

Martina Bennert war von ihren Aufgaben durch den Aufsichtsrat mit seinem Vorsitzenden Johann Fuhlendorf an der Spitze entbunden und freigestellt worden, nachdem sie und ihr Vorstandskollege Christian Schwalger sich dem Wunsch des Gremiums widersetzt hatte, das Grundstück der Gärtnerei Bade in Henstedt-Ulzburg zu kaufen, um darauf Wohnungen und Geschäfte zu bauen. Speziell Bennert hielt das 24-Millionen-Euro-Projekt für zu risikoreich für das Unternehmen.

Inzwischen will die Gärternei Bade nicht mehr verkaufen. Somit ist das Projekt geplatzt. In den Fokus rückt stattdessen immer mehr der Aufsichtsrat mit seinem Vorsitzenden. So ist Fuhlendorf zudem Vorstandssprecher der Kaltenkirchener Bank und auch Geschäftsführer der bankeigenen Immobiliengesellschaft, die neuerdings auch Eigentumsverwaltungen vornimmt, also auch in einem weiteren Punkt in direkter Konkurrenz zum Bauverein steht.

Vorschlag: Satzung ändern

Fuhlendorfs Vorgänger als Aufsichtsratschef, Wolfgang Lange, spricht von „Filz“. So würden neben Fuhlendorf die Bauvereins-Aufsichtsratsmitglieder Klaus Fock, der inzwischen anstelle von Bennert vom Aufsichtsrat zum kommissarischen Vorstand ernannt wurde, ebenso geschäftlich eng mit dem Bauverein verbunden sein wie Notar Dr. Peter Gramsch, Architekt Frank Mißling sowie die Handwerker Hans-Otto Pöhls und Christian Tesdorff. Einzig Bernd Logemann sei unabhängig.

Zahlreiche Genossenschaften hätten einen Passus in ihrer Satzung, der gerade solche Abhängigkeiten unmöglich machen würde. „Ich kann nur raten, dass der Bauverein diesem Beispiel folgt“, so Breitner.

Viele Aufsichtsräte in einem Serviceclub

Doch beim Bauverein wird die Satzung ohnehin lax ausgelegt. Die lässt zum Beispiel nicht zu, dass ein enger Familienangehöriger eines Aufsichtsratsmitgliedes eingestellt wird. Aber genau das ist geschehen, denn Fuhlendorfs Tochter arbeitet inzwischen dort. Genau dieses hatte der Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen bei einer Prüfung gerügt, woraufhin der Bauverein kurzerhand die Prüfer wechselte und alles beim Alten ließ.

Inzwischen macht auch der Begriff von der „Kaltenkirchener-Rotary-Connection“ die Runde, denn viele Aufsichtsräte sind dort Mitglied. Ebenfalls der neue ehrenamtliche Vorstand Thomas Pütz. Nun wird von den Kritikern auch die Bürgergenossenschaft Kaltenkirchen mit Sitz bei der Kaltenkirchener Bank ins Spiel gebracht. Sie errichtet gerade in Henstedt-Ulzburg ihren zweiten Kindergarten. Und auch hier sitzen im Vorstand und Aufsichtsrat zahlreiche Rotarier.

Informationen am Mittwoch

Inzwischen hat der Aufsichtsrat seine Mitglieder für kommenden Mittwoch zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, „um über Tatsachen und Hintergründe aufzuklären, weil wir als Aufsichtsrat nichts zu verbergen haben“.

Wolfgang Lange arbeitet derzeit an der Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, um den Aufsichtsrat abberufen zu lassen. Auch möchte er, dass die Freistellung von Martina Bennert rückgängig gemacht wird. Die Info-Veranstaltung hält er für Geldverschwendung. Allein zwei Briefe an die Mitglieder hätten rund 4000 Euro an Portokosten verschlungen.

Unverzüglich eine Mitgliederversammlung einberufen

„Nach der bestehenden Rechtslage muss bei einer vorläufigen Amtsenthebung von Vorstandsmitgliedern unverzüglich eine Mitgliederversammlung einberufen werden“, sagt auch Breitner. „Sie muss dann mit einer Dreiviertelmehrheit über den endgültigen Widerruf der Bestellung befinden.“

Sein Verband stehe als neutraler Versammlungsleiter zur Verfügung, biete sich auch als Mittler und Mediator an. Und Breitner sagt: „Bei einer Wohnungsgenossenschaft ist nicht die Maximalrendite das Unternehmensziel.“

Bürgermeister Krause will sich ein Bild machen

Auch Bürgermeister Hanno Krause verfolgt die Vorgänge beim Bauverein ganz genau. Die Stadt Kaltenkirchen halte dort 23 Geschäftsanteile. Er werde als gesetzlicher Vertreter Kaltenkirchens an der Info-Veranstaltung teilnehmen, „um mir ein genaues Bild zu machen“.

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