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Segeberg Bienen sind dieses Jahr spät dran
Lokales Segeberg Bienen sind dieses Jahr spät dran
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05:55 16.07.2013
Von Uwe Straehler-Pohl
Achim Grabowski untersucht die „Ernte“ aus einem Bienenstock. Der neunjährige Zachary Kölln will auch ein richtiger Imker werden, die Schutzkleidung hat er schon.

Die Bienenvölker sind wetterbedingt erst jetzt so stark wie normalerweise schon im Juni.

 Zweimal im Jahr können die Imker die süßen Früchte der Arbeit ihrer Zehntausenden von Mitarbeiter ernten. Zurzeit ist es die zweite, die Sommertracht. Achim Grabowski, eines der beiden Vereinsmitglieder, die den Wildparkbesuchern das Imkern näherbrachten, hat acht Bienenstöcke im Wildpark und zehn in Neumünster stehen. Rund 50000 bis 60000 Bienen bevölkern in der Hauptsaison einen Bienenstock und bescheren ihm, wenn alles gut geht, jeweils rund 15 Kilogramm Honig. In der Nachsaison sind es dann nur noch rund 10000 Bienen, die Arbeiterinnen, die den Grundstock für das kommende Jahr bilden.

 Um ein Kilogramm Honig zusammenzutragen, müssen die Arbeiterinnen drei bis fünf Millionen Blüten angefliegen. „Dabei legen die Bienen etwa die Strecke einmal um den Erdball zurück“, verdeutlichte Grabowski den Aufwand. Der Kern eines Bienenvolkes ist dessen Königin. Nur sie ist in der Lage, durch das Legen von Eiern für den Nachwuchs zu sorgen. Damit es dazu kommen kann, muss sie von Drohnen, den männlichen Bienen, begattet werden. Insgesamt rund 30 Drohnen pro Königin sind dazu notwendig. Dabei findet die Begattung nicht etwa im trauten Heim statt, sondern auf sogenannten Drohnenbegattungsplätzen. Gesteuert durch ihren Instinkt finden die Tierchen irgendwo in der Natur diesen Platz. Sind die Drohnen ihren Pflichten nachgekommen, werden sie als unnütze Fresser aus dem Bienenstock gedrängt, was ihr Ende bedeutet. Imker kennzeichnen die Königinnen mit einem kleinen Farbplättchen mit Nummer. „So haben wir Rückschlüsse auf die Königin und ihre Eigenarten, um zu entscheiden, ob wir weiter mit ihr züchten wollen“, erklärte Grabowski.

 Ein großes Geschäft ist das Imkern für ihn nicht. Der Großteil des Honigs landet im Bekannten- und Verwandtenkreis, einige Gläser des begehrten Naturprodukts verkauft er. Mit der diesjährigen Saison sind die Imker allerdings nicht so recht zufrieden. Ihnen geht es wie auch an anderen Stellen in der Landwirtschaft, wo die Natur der Zeit hinterher hinkt. „Wir sind von der Stärke der Bienenvölker jetzt gerade einmal soweit, wie sie normalerweise Anfang Juni sein sollte“, erläuterte Grabowski.

 Obwohl das Imkern ein spannendes und vielseitiges Hobby ist, hapert es mit dem Nachwuchs. „Es könnten mehr sein“, findet Achim Grabowski. Eine Ausnahme bildet Zachary Köller aus Neumünster. Der Neunjährige besucht seit drei Jahren immer wieder die Sonderveranstaltung rund um die Bienen im Wildpark Eekholt und hat auch schon die richtige Ausrüstung. Doch eines fehlt ihm noch: sein eigenes Bienenvolk. Aber auch das wird er in absehbarer Zeit erhalten, versicherte sein Vater. Fachmännische Unterstützung beim praktischen Einstieg in dieses Hobby ist Zachary sicher. Unter Imkern hilft man sich gegenseitig. Und so wird Grabowski, von dem das erste Bienenvolk des Neunjährigen stammen wird, Zachary beim Start als Jungimker unterstützen.

 Besonders hohe Ausfälle in seinen Völkern beklagt Imker Grabowski, der sein Hobby seit 2007 pflegt, in diesem Jahr nicht. „Rund 10 Prozent, das liegt im bundesdeutschen Schnitt“, sagt der Hobbyimker. Ob das vor allem auf die Varroamilbe zurück zu führen ist, wie oft berichtet, zieht Grabowski in Zweifel. „Da streiten sich die Gelehrten. Ich denke, es liegt auch mit daran, dass die Natur den Bienen heute nicht mehr soviel Vielfalt an Pollen bietet.“ Man müsse nur einmal in die Natur schauen, wie wenig dort noch blüht.

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