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Segeberg Verteidiger plant Revision gegen Urteil
Lokales Segeberg Verteidiger plant Revision gegen Urteil
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07:00 28.02.2019
Von Michael Stamp
Anwalt Jonas Hennig (links) will nach dem Totschlag-Urteil gegen seinen Mandanten Volker L. vor den Bundesgerichtshof ziehen. Quelle: Carsten Rehder
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Schackendorf / Kiel

Jonas Hennig will vor den Bundesgerichtshof ziehen, wie er unmittelbar nach der knapp dreistündigen Urteilsbegründung erklärte. „Das ist ein schwerwiegendes Falschurteil.“ Der Anwalt hatte Freispruch gefordert, da der Schackendorfer Volker L. (48) die Tötung seiner Ehefrau Nadine vehement bestreitet: „Ich habe meine Frau nicht umgebracht. Mehr ist dazu nicht zu sagen.“

Er fragte Passanten nicht nach der verschwundenen Frau

Die 8. Große Strafkammer unter Vorsitz von Jörg Brommann sieht das anders und betrachtet die Schuld des Mannes als erwiesen. Die Richter bildeten sich ihre Meinung nicht aus einzelnen Beweisen oder Indizien, sondern aus der Gesamtschau aller Gesichtspunkte inklusive der konfliktgeladenen Ehe und dem rätselhaften Verhalten des Mannes nach dem Verschwinden der Frau im November 2017.

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In der Todesnacht große Strecken mit dem Auto gefahren

So hatte er stundenlang (vorgeblich) nach seiner 34-jährigen Ehefrau gesucht, aber beispielsweise Passanten und die Mitarbeiter einer Tankstelle nach dem angeblich entlaufenen Hund und Desinfektionstüchern gefragt - nicht aber nach der Frau. Mit dem Auto fuhr er in der Todesnacht bis nach Neumünster, suchte aber ausgerechnet nicht auf dem Wirtschaftsweg an der A21, der die normale Route beim Gassi-Gehen mit dem Hund war. Genau dort lag die Tote.

Anwalt: "Einseitig bewertete Scheinindizien"

„Man hat gemerkt, dass die Kammer auf Verurteilungskurs ist“, kritisierte Hennig. Es handele sich in der Urteilsbegründung jedoch ausschließlich um „einseitig bewertete Scheinindizien“. Der Anwalt ist optimistisch, dass sich der BGH seiner Sichtweise anschließt und Volker L. am Ende doch noch ein freier Mann ist.

Mutter sieht zwölf Jahre Haft als "gerechtes Urteil"

Marina Laß, die Mutter des Tatopfers, wertete den Spruch der Kammer hingegen als "gerechtes Urteil". Als Nebenklägerin hatte sie - ebenso wie die Staatsanwaltschaft - lebenslange Haft wegen Mordes gefordert. Ein Mordmerkmal konnten die Richter in dem Indizienprozess jedoch nicht feststellen.

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