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Segeberg "Anno 1819" wohl nicht mehr zu retten
Lokales Segeberg "Anno 1819" wohl nicht mehr zu retten
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15:29 27.07.2019
Von Einar Behn
Das frühere Restaurant "Anno 1819" steht vor dem Abbruch. Genau 200 Jahre steht das Reetdachhaus im Zentrum Boostedts.
Das frühere Restaurant "Anno 1819" steht vor dem Abbruch. Genau 200 Jahre steht das Reetdachhaus im Zentrum Boostedts. Quelle: Einar Behn
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Boostedt.

37 Jahre lang war das 200 Jahre alte Haus von einer Wirtin betrieben worden, die deutsche Küche für anspruchsvolle Gäste anbot. Doch dann musste sie Insolvenz anmelden, das Lokal wurde 2015 geschlossen. Ein Hamburger Insolvenzverwalter versuchte es mithilfe eines Maklers zu verkaufen, was zunächst nicht gelang. Knapp 300.000 Euro sollte es kosten. Es gab auch Interessenten, die das Restaurant wieder eröffnen wollten. Der Käufer musste aber ein Drittel des Kaufpreises als Eigenkapital vorweisen, so wollten es die Banken. Das konnte niemand. 

Makler bekam Verkaufsauftrag

Dann bekam der Neumünsteraner Makler Dethlefs den Auftrag, das Gebäude zu verkaufen – allerdings nicht zwangsläufig als Restaurant. Auf seiner Homepage schrieb er: „Da das historische Fachwerkhaus nicht unter Denkmalschutz steht, bietet es dem neuen Eigentümer viele Möglichkeiten der Entwicklung“. In der vergangenen Woche gab er bekannt, dass Haus und Grundstück verkauft seien. Zur SZ sagte Dethlefs: „Ich habe gehört, dass dort neu gebaut werden soll.“ Der Käufer selbst war wegen Urlaubs nicht erreichbar. 

Gebäude in keinem guten Zustand

Der Makler für Gewerbeimmobilien sagte, das alte Gebäude befinde sich in keinem guten Zustand. Der Sanierungsaufwand sei immens, so Dethlefs. „Wir haben auch versucht, einen Gastronomen zu finden, aber die Banken sind bei der Kreditvergabe für Gastwirte sehr restriktiv“, so der Neumünsteraner. 

Anno 1819 steht nicht unter Denkmalschutz

Dem Abriss des genau 200 Jahre alten Hauses steht rechtlich nicht viel im Wege. Es steht nicht unter Denkmalschutz und der Bebauungsplan erlaubt dort auch Mehrfamilienhäuser, mit denen sich zurzeit viel Geld verdienen lässt. Einziges Hindernis: Für das Gebiet besteht eine Veränderungssperre, die allerdings von der Gemeindevertretung schnell wieder aufgehoben werden kann.

Auch Boostedts Bürgermeister rechnet mit Abriss

Auch Bürgermeister Hartmut König glaubt, dass das Haus wohl abgerissen werden soll. Die Gemeinde hatte, wie grundsätzlich bei allen Grundstücksverkäufen, ein Vorkaufsrecht, machte davon aber keinen Gebrauch. „Wir haben das schon erwogen“, sagt der Bürgermeister. Die Gemeinde hätte es instandsetzen und als Gaststätte verpachten können. Der Fachausschuss sei aber skeptisch gewesen. „Es ist letztlich auch nicht Aufgabe einer Gemeinde, sich ins Wirtschaftsleben einzumischen“, meint König. Wie schwer es sei, als Gemeinde Gaststätten zu verpachten, zeige das Beispiel Wiemersdorf. Der Wirt der „Hausmannspost“ im Gemeindehaus hatte sich nach gut einem Jahr wieder verabschiedet. Nun sucht Wiemersdorf händeringend einen neuen Pächter. König: „Jeder möchte ein Gasthaus in seinem Ort haben, aber dann muss man auch regelmäßig dort hingehen; und das machen die wenigsten.“

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