Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Segeberg Brunnen bleibt, Bäume werden abgeholzt
Lokales Segeberg Brunnen bleibt, Bäume werden abgeholzt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:03 21.08.2019
Von Michael Stamp
Die Bäume vor dem Rehder-Haus sollen entfernt werden. Der Brunnen auf dem Bad Segeberger Marktplatz hingegen bleibt erhalten. Das gesamte Pflaster wird erneuert. Quelle: Michael Stamp
Anzeige
Bad Segeberg

Mit großer Spannung waren die Ideen der Hamburger Landschaftsplanerin Katharina Marie Erzepky erwartet worden. Im Juni hatte sie bei einer ersten Informationsveranstaltung im Bürgersaal noch Wünsche und Kritikpunkte der Zuhörer notiert – jetzt präsentierte sie ihren Entwurf. „Wir haben viele Anregungen aufgenommen und ausgewertet“, berichtete die Planerin. Auch mit dem Denkmalschutz habe sie sich abgestimmt. Der zwischen Marienkirche und Dahlmannschule liegende Platz genießt im historischen Ensemble besonderen Schutz. 

Marktplatz soll seinen Charme behalten

Eines wurde sofort deutlich: Der Marktplatz soll seinen Charakter behalten. Das Gedankenspiel, den Brunnen samt Sitzbänken zu entfernen und durch ebenerdige Wasserspiele zu ersetzen, ist passé. Dies hätte vermutlich zu einem entrüsteten Aufschrei geführt. Katharina Marie Erzepkys Konzept sieht nun eine etwas deutlichere Strukturierung vor. Der zentrale Marktplatz (bis zu den Bäckereien Michely und BrotRock auf der einen und dem Buch am Markt auf der anderen Seite) soll mit hellem Betonsteinpflaster versehen werden. „Natursteinpflaster können wir schlichtweg nicht bezahlen.“ Am liebsten hätte sie geköpften Granitstein verlegt – aber die Mehrkosten hierfür seien utopisch. 

Anzeige

Randflächen werden dunkler gepflastert

Zwei größere Randflächen (neben dem Kreisel an der Dahlmannschule und vor dem ehemaligen JAM-Gebäude an der Kirche) werden dunkler abgesetzt und so vorbereitet, dass dort Bühnen aufgebaut werden können. Die Streifen vor den Geschäften rund um den Platz sollen mit rötlichem Pflaster gestaltet werden.

Hochbeete sind wohl zu teuer

Ursprünglich waren diverse Hochbeete vorgesehen: an den Bänken um den Brunnen und an den Seiten des Platzes. Davon hat die Expertin ebenso Abstand genommen wie von Pollern zur besseren Verkehrslenkung. Die Hochbeete hätten 103 000 Euro gekostet, die Poller 69 000 Euro. Alles in allem hätte sich der Bau auf 878 000 Euro summiert. Nach dem Abspecken bleiben noch 706 000 Euro übrig. Über Fördertöpfe können 715 000 Euro finanziert werden. 

Kommt wieder ein Muster ins Pflaster?

Noch offen ist, ob in das Pflaster wieder eine Art Muster eingebaut wird – wie aktuell mit den sternförmigen Streifen hin zum Brunnen. Aber auch insgesamt muss die Planung noch in der Kommunalpolitik beraten werden. Kreistagsabgeordneter Luzian Roth betonte, dass alles verändert werden könne. Daher könne man sich jetzt Details sparen. Hier widersprach Michael Hänchen vom Modehaus M&H an der Kirchstraße. „Ich muss sagen, dass mir dieser Entwurf gefällt. Das wird die Innenstadt aufwerten.“ Er riet der Kommunalpolitik, vor allem an die Kostenseite zu denken und nicht die ästhetischen Überlegungen über den Haufen zu werfen. „Man sollte diesen Leitfaden fortsetzen.“

Bäume sollen ersetzt werden

Während der Einbau von acht versenkbaren Elektranten (mit Strom, teilweise auch Wasser und Abwasser für die Marktleute) kein Konfliktpunkt werden dürfte, sieht es mit dem Fällen aller Bäume schon anders aus. Die Zierkirschen vor den Geschäften gelten als ungünstig – auch weil ihre Früchte plattgetreten werden. „Wir sollten weniger Bäume setzen, aber dieser besser versorgen“, sagte die Planerin. „Die Bäume haben jetzt im Boden zu wenig Entfaltungsmöglichkeiten.“ Auf dem barrierefrei gestalteten Platz sollen künftig (wie schon in einem Teil der Kirchstraße) vier Säulenhainbuchen stehen – auch in der Nähe des Brunnens.

Marktleute sind hochgradig empört

Höchst verärgert waren einige der Marktleute. Stefan Wegener vom Landesverband der Schausteller und Marktkaufleute empörte sich, die Stadtverwaltung habe seine Kollegen nicht zu der Info-Veranstaltung im Juni und zum jetzigen Termin eingeladen. „Da platzt mir langsam der Kragen.“ Die Stadt verwies auf öffentliche Aushänge und Zeitungsberichte. Skepsis gab es auch, als die leicht veränderte Aufstellung der Stände präsentiert wurde. Obsthändlerin Silke Fehrs aus Hartenholm fürchtete, die Kunden könnten die Händler bei neuer Positionierung nicht mehr finden. „Es geht bei uns um jeden Euro!“ Auch sei der Aufbau seit Jahren an jetziger Stelle eingeübt. Zudem müsse die Stadt auf dem Markt eine Toilettenanlage bauen, da die Marktleute bei Aufbau-Beginn um 4 Uhr nicht wissen, wo sie im Falle eines Falles hingehen sollen. Das Bauamt regte an, sich einen Schlüssel das Klo im WortOrt zu besorgen.

Nadine Materne 21.08.2019
Nadine Materne 21.08.2019
Michael Stamp 20.08.2019