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Segeberg Kütbach: Ich blicke dankbar zurück
Lokales Segeberg Kütbach: Ich blicke dankbar zurück
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16:54 14.01.2019
Von Einar Behn
Für Hans-Jürgen Kütbach sind die letzten Amtstage als Bürgermeister von Bad Bramstedt angebrochen. Quelle: Einar Behn
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Bad Bramstedt

Herr Kütbach, Ende Januar endet ihre Amtszeit, haben Sie schon einen neuen Job?

Nein, ich habe keinen neuen Job. Ich könnte meinen Beruf als Rechtsanwalt und Notar am 1. Februar wieder aufnehmen, aber es besteht natürlich vor allem für das Notariat ein erheblicher Fortbildungsbedarf. Wenn ich diesen Aufwand betreibe – das werde ich in Ruhe überlegen – könnte ich in der zweiten Jahreshälfte wieder aktiv werden.

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Was schwebt Ihnen sonst vor?

Eher könnte ich mir eine Tätigkeit vorstellen, die sich im Umfeld der kommunalen Familie bewegt.

Meinen Sie Behörden oder Verbände?

Richtig, wo ich Wissen, Erfahrung und Netzwerke, die sich in der Bürgermeisterzeit angesammelt haben, sinnvoll einsetzen kann.

Gibt es schon konkrete Angebote?

Ich habe ein, zwei Sachen im Blick, aber darüber kann ich noch nicht öffentlich sprechen. Ich habe mir ja in den 18 Jahren einen Pensionsanspruch erworben, so dass keine Eile besteht.

Können Sie davon leben?

Man könnte davon leben, auch wenn es natürlich weniger ist als das Bürgermeistergehalt. Aber Däumchendrehen wäre die unwahrscheinlichste Variante. Es gibt ja auch schon Anfragen aus dem Ehrenamt. Aber auch da will ich nichts überstürzen und muss auch erst einmal wissen, wie es beruflich weitergeht. Bisher hab’ ich auch noch gar keine Zeit, mich darum zu kümmern, weil mich das Bürgermeisteramt noch bis Ende Januar voll beansprucht. Mein letzter Termin wird übrigens abends am 31. Januar ein Jahresempfang in Norderstedt mit den Kollegen vom Nordgate sein. Wenn ich dann nach Hause fahre, ist es wohl schon Mitternacht und das war es dann.

Fällt Ihnen der Verzicht aufs Bürgermeisteramt schwer?

Ja. Das ist schon ein Einschnitt. Aber auch wenn ich die Wahl gewonnen hätte, wäre der Zeitpunkt irgendwann gekommen. Bürgermeister in der eigenen Heimatstadt ist ein Traumberuf, den kann wohl kein anderer toppen, allein schon wegen der unglaublichen Vielfältigkeit. Es war eine schöne Zeit und ich gucke dankbar zurück. Die Mehrheit der Bad Bramstedter war anderer Meinung, wann der Generationswechsel erfolgen soll, das habe ich akzeptiert. 

Freut sich Ihre Frau, dass Sie nun mehr Zeit haben?

Sie sieht das mit gemischten Gefühlen, weil sie mich darin unterstützt und weiß, wie gern ich mich für die Allgemeinheit engagiere. Aber klar, freuen wir uns, auch mal mehr gemeinsam unternehmen zu können. Mal ins Kino gehen zum Beispiel.

Apropos Kino. Sie haben doch selbst ein. Sie könnten doch die Kurlichtspiele wiederbeleben.

Den Ratschlag habe ich schon von vielen bekommen. Aber im Ernst: Das Gebäude müsste wohl komplett entkernt werden, um überhaupt die Sicherheitsbestimmungen erfüllen zu können. Das steht bei uns schon finanziell zurzeit nicht auf dem Plan.

Blicken wir zurück auf die letzten 18 Jahre. Was war Ihr wichtigstes Projekt?

Ich bin schon ein bisschen stolz darauf, dass es uns als kleine Stadt gelungen ist, die Schulen zu erweitern und auf einem modernen Stand zu halten. Die Bildung war mir immer ein besonderes Anliegen, nicht nur die sichtbaren Dinge. Denn auch die Bildungsvernetzung und die Schaffung der Ganztagsschulen zähle ich dazu.

Was hätten Sie gerne als Bürgermeister noch zu Ende bringen wollen?

Am traurigsten bin ich darüber, nicht noch den ersten Spatenstich für ein neues Feuerwehrhaus setzen zu können. Das grenzt schon an Frustration, weil wir schon seit Jahren an dem Thema dran sind und ich die Enttäuschung der Feuerwehrkameraden kenne. Wir haben uns an der Standortfrage festgefressen, weil wir bisher kein passendes Grundstück finden konnten, das auch von der Lage oder vom Preis den Anforderungen der Städtebauförderung entspricht. Wir reden hier über Zuschüsse in Millionenhöhe, auf die wir nicht verzichten können. Jetzt prüfen wir erneut alle Optionen einschließlich des bisherigen Standorts.

Sie waren vor der Wahl zum Bürgermeister FDP-Stadtverordneter. Können Sie sich vorstellen, dahin wieder zurückzukehren?

Der Gedanke fällt mir schwer. Ich würde dann ja meine Nachfolgerin und die Verwaltung kontrollieren...

... und würden schnell als Besserwisser wahrgenommen werden.

Ganz genau. Ich will nicht ständig in der Öffentlichkeit auftauchen und sagen, „das hätte ich aber anders gemacht.“

Wäre ein Landtagsmandat für Sie interessant?

Das kann ich mir vorstellen, das wäre eine spannende Aufgabe, ich habe in dieser Richtung aber noch keine konkreten Schritte unternommen.

Was wünschen Sie Ihrer Nachfolgerin Verena Jeske zum Dienstbeginn am 1. Februar?

Ich wünsche, dass die Offenheit, mit der man Verena Jeske bisher in Bad Bramstedt begegnet, auch im Amt anhält. Aber ich bin zuversichtlich, ich kenne niemanden, der schon die Messer zückt und nur darauf wartet, dass sie Fehler macht.

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