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Segeberg DRK probte 20 Mal den Ernstfall
Lokales Segeberg DRK probte 20 Mal den Ernstfall
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00:17 23.05.2013
Tim Giday simuliert einen allergischen Schock und wird von Aimée Gerberding (zweite von rechts), Svenja Dieckmann, Birte Dreyer und Julia Frauenschuh versorgt. Vater Ferenc Giday passt gut auf.
Wahlstedt

Die Rettungsassistenten Marian Schwien (21) und Anna Kripke (25) versuchen, das verstörte Mädchen zu beruhigen. Schließlich sorgen sie dafür, dass der Arge-Sachbearbeiter dem Mädchen verspricht, ihr zu helfen. Dann erklärt sich Nina endlich dazu bereit, sich im Rettungswagen untersuchen zu lassen.

 Ort des Geschehens war nicht die Arge, sondern das Rathaus in Wahlstedt - und Nina Müller heißt eigentlich Kim Benecke, ist 14 Jahre alt und Mitglied bei der Jugendfeuerwehr Bad Bramstedt. Der „Arge-Mitarbeiter“ war Lehr-Rettungsassistent Christoph Ludwig-Bittenbinder, der die Ausbildung von Marian Schwien und Anna Kripke aus dem Kreis Ostholstein betreut. Dabei waren auch der Feuerwehrmann Stefan Schröder aus Fahrenkrug und die Rettungsassistentin Lisa Richter. Sie alle machten sich als Mitglieder des Organisationsteams Notizen und passten ganz genau auf, wie sich die angehenden Rettungsassistenten verhalten.

 Der Arge-Fall war einer von 20 praxisnahen Notfalleinsätzen, die am Sonnabend überall in Wahlstedt geprobt wurden. Der DRK- Rettungsdienst und der DRK-Kreisverband Ostholstein übten zusammen mit neun Auszubildenden für den Beruf des Rettungsassistenten den Ernstfall. Auch Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Wahlstedt waren zu Übungszwecken bei den simulierten Einsätzen dabei und stellten zudem ihre Wache an der Dr.-Hermann-Lindrath-Straße als Einsatzzentrale zur Verfügung. „Innerhalb der dreijährigen Ausbildung zum Rettungsassistenten bieten wir den Azubis einen Praxistag an, an dem sie an realen Orten Fälle erleben, die wirklich passieren können“, erklärte Ulf Kienast, Leiter der Aus- und Fortbildung im DRK-Rettungsdienst Segeberg. Dazu gehörten an diesem Tag unter anderem ein schwerer Betriebsunfall bei der Grundfos, ein Verkehrsunfall mit eingeklemmten Menschen, ein abgestürztes Segelflugzeug und eine allergische Reaktion auf einen Insektenstich.

 Das Bienen-Opfer spielte Tim Giday aus Wahlstedt. Der Sechsjährige wurde von seinem Vater Ferenc Giday, der selbst Rettungsassistent ist, auf diesen „Notfall“ vorbereitet. Denn Tim musste die Symptome eines allergischen Schocks nachahmen: schweres Luftholen, Apathie, Kreislaufkollaps. Die angehenden Rettungsassistenten versorgten den Jungen im Garten der Gidays. Blutdruck und Atmung wurden kontrolliert, ein Zugang für eine Infusion gelegt und eine Atemmaske aufgesetzt. Nachdem er „stabil“ war, kam der junge auf eine Trage. „Tim hat überall ’rumerzählt, dass er bei dieser Übung mitspielt“, berichtete der Vater. Auch die Nachbarn wurden vorher informiert – immerhin standen zeitweilig drei Rettungswagen vor der Tür. Für die Auszubildenden hieß es danach: zurück zur Einsatzzentrale. Denn dort warteten nach einer Mittagspause schon die nächsten Notfälle darauf, gerettet und medizinisch versorgt zu werden.