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Segeberg Mitfahrnetz: Zu wenige steigen ein
Lokales Segeberg Mitfahrnetz: Zu wenige steigen ein
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19:21 20.02.2019
Das Mitfahrnetz Segeberg floppt. Nach einem Jahr meldeten sich gerade einmal 287 Nutzer an. Quelle: Nadine Materne
Kreis Segeberg

„Keiner hat gedacht, dass es so schlecht laufen würde“, sagt Arne Hansen, Vorsitzender des Kreis-Umweltausschusses.

Die Mobilität auf dem Land stärken und dafür den vorhandenen Verkehr im Kreis nutzen – das war die Idee des Mitfahrnetzes, mit dem sich die Segeberger gemeinsam zu Autofahrten verabreden können.

Entstanden im Projekt Segeberg 2030 unter der Leitung von Hansen. Dass es die zweijährige Testphase überleben wird, davon ist derzeit kaum auszugehen.

Kurios: Angebot übersteigt die Nachfrage

Die Zahlen sind enttäuschend: 287 Nutzer sind es aktuell nach einer Verlosungsaktion. 76 neue Mitglieder hatten sich zum Jahresanfang registriert, sie konnten einen Tankgutschein gewinnen. Ein Plus von 26 Prozent. Das klingt besser als es ist.

Im jüngsten Umweltausschuss berichtete Projektleiterin Julia Maßow über den aktuellen Stand: Lediglich elf Fahrten konnten im ersten Jahr vermittelt werden. Um die 130 Streckenangebote würden monatlich eingestellt.

„Merkwürdigerweise werden mehr Angebote gemacht, als Fahrten gesucht“, sagt Hansen. „Normalerweise ist es umgekehrt.“ Allerdings sind 130 eingestellte Fahrangebote verteilt auf das ganze Kreisgebiet und auf 30 Tage keine nennenswerte Größe.

Trotz Werbung - Portal ist nicht präsent

Wer im Portal mitfahrnetz.segeberg.de eine Mitfahrgelegenheit sucht, wird bei diesen Zahlen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht fündig. Das ist eine Tatsache.

„Wir haben nie eine kritische Masse gewonnen“, weiß Hansen. Das Netzwerk sei einfach nicht präsent – entgegen aller Marketingversprechen zum Startschuss vor einem Jahr. Wer dabei war hat die Sätze noch im Ohr: Mitnahmenetz Segeberg, der Begriff sollte den Menschen aus den Ohren rauskommen, allgegenwärtig sein. 

Die Realität sieht anders aus. Ein paar rote Bänke, ein paar Dutzend Schilder, ein Plakat am Eingang zur Kreisverwaltung – wer nicht darauf achtet, der übersieht das Netzwerk. 

An Bemühungen mangelte es nicht. 45 Gemeinden sind Partner geworden, Mitfahrbänke wurden feierlich aufgestellt in den Dörfern, es wurden Flyer verteilt und Infostände bei Dorffesten betreut.

Die Menschen organisieren sich anders

Es wurde dort geworben, wo die vermeintlichen Nutzer sitzen. Auf dem Land. Wo die Mobilität durch den öffentlichen Nahverkehr oft beklagt wird. „Offensichtlich ist der Leidensdruck aber nicht groß genug“, sagt Arne Hansen. Die Menschen organisieren sich anders.

Dazu kommt eine etwas umständliche Nutzung des Portals – ohne dazugehörige Smartphone-App oder Pushmeldungen, die sofort über ein bestimmtes Angebot oder Gesuch informieren. Die Plattform funktioniert lediglich im Browser und mit E-Mail-Benachrichtigung. Für mehr reichte das Budget nicht. 

250.000 Euro kostet das Projekt

250000 Euro kostet das Projekt. Gefördert mit 145000 Euro aus EU-Mitteln zur Stärkung des ländlichen Raumes für zwei Jahre. Danach müsste der Kreis das Projekt allein weiterfinanzieren.

Dass im zweiten Jahr nun die große Wendung kommt für das Mitfahrnetz, daran glaubte bei der Aussprache im Gremium wohl keiner ernsthaft. Zwar wurde nie definiert, wie viele aktive Nutzer das Mitfahrnetz braucht, um eine funktionierende Ergänzung zum Nahverkehr auf dem Land zu sein, doch die Zahl dürfte mindestens in den Tausendern liegen.

Kritiker fordern das Aus

Bei der Aussprache im Umweltausschuss habe es auch kritische Stimmen gegeben, die das Projekt schon einstampfen wollten. „Das wäre völliger Quatsch“, sagt Hansen. „Wir betreiben das in gleicher Intensität weiter.“ Etwas anderes bleibt dem Kreis auch kaum übrig, sonst müsste womöglich noch die Fördersumme zurückgezahlt werden.

Von Nadine Materne

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