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Segeberg Das Wiebke-Kruse-Dorf
Lokales Segeberg Das Wiebke-Kruse-Dorf
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05:58 24.05.2013
Von Einar Behn
Ein weithin sichtbares Zeugnis menschlicher Siedlungen in frühen Zeiten sind die großen Hügelgräber in Föhrden-Barl. Quelle: Einar Behn
Föhrden-Barl

„Es hätte auch ein ganzes Buch daraus werden können, so viel Material habe ich gesammelt“, sagt der Bürgermeister, der seit 2008 die Geschicke der Gemeinde lenkt.

 Hasselmann ist kein Historiker. Seine Mutter stammt aus Föhrden-Barl, wo ihre Familie einen Bauernhof hatte. Er selbst, Jahrgang 1946, lernte den Beruf des Flugzeugbauers, ging später aber, wie sein Vater, zur Luftwaffe. Später war er in Rellingen für das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung zuständig. 1999 wurde Hasselmann als Oberstabsfeldwebel pensioniert. Er zog zurück nach Föhrden-Barl, wo er in einem etwas abseits gelegenen Haus in einem kleinen Waldstück wohnt – ideal für den passionierten Jäger.

 Neben der Jagd ist Heimatgeschichte Hasselmanns zweites Hobby. Aktenordner stapeln sich in seinem Haus. Darin sind Fotokopien, die er im Landesmuseum Schleswig machte, und kopierte Fotos aus Familienalben der Föhrden-Barler. Ein kleines Archiv ist so entstanden, in dem der Bürgermeister der Nachwelt gerne wichtige Dokumente der Ortsgeschichte erhalten möchte.

 Einen Teil davon hat der Bürgermeister nun in dem Heft „Föhrden-Barl – ein Spaziergang durch die Geschichte“ veröffentlicht. Er beginnt ganz früh, 8000 Jahre vor Christi. Funde, wie ein Beil aus Stein oder ein Feuerschläger, zeugen von der Besiedlung der Region in dieser Zeit. Hasselmann hat sich die Fundstücke im Landesmuseum angesehen und zeigt sie in seinem Heft auf Fotos. Dass in diesen Urzeiten schon Menschen im heutigen Föhrden-Barl lebten, ist auch für jeden Autofahrer von Weitem sichtbar. Zwei Hügelgräber befinden sich in der Nähe der Bundesstraße 206. Ein drittes, schreibt Hasselmann, wurde 1926 eingeebnet. Jahre später wurde beim Pflügen ein Bronzeschwert gefunden, das bei der Einebnung vermutlich auf den Acker gelangt war.

 Auch eine Burg in Form eines Ringwalles hatte es einst bei Föhrden-Barl gegeben. Sie befand sich an der Gemeindegrenze zu Hitzhusen in der Nähe des heutigen Rastplatzes an der B206. Vermutlich habe die Burg als Kontrollstelle für Durchreisende aber auch als Schutzbastion gegen slawische Eindringlinge gedient, schreibt Hasselmann.

 Bei seinen Forschungen fand der Bürgermeister eine Chronik des Dorflehrers Wilhelm Mohr, der von 1907 bis 1945 in Föhrden-Barl unterrichtete. „Seine Aufzeichnungen sind allerdings deutlich vom braunen Gedankengut geprägt“, stellte Hasselmann fest. Einige Fakten seien jedoch sehr interessant – und aus heutiger Sicht unterhaltsam. Beispiel: Der Hufner Jürgen Kruse konnte sich 1762 einen Kirchenstuhl in der Maria-Magdalenen-Kirche von Bad Bramstedt kaufen. Dadurch musste er nicht länger stehen, wie es damals im sonntäglichen Gottesdienst für das gemeine Volk üblich war.

 Chronologisch mit Jahreszahlen führt Hasselmann die wichtigsten Ereignisse der Dorfgeschichte auf, wie etwa die Gründung der Bramau-Berieselungs-Gesellschaft 1888, die die Überflutungen der Bramau eindämmen sollte, um so mehr landwirtschaftlich nutzbare Flächen zu gewinnen.

 Der Schulbau 1920, durch den ein altes Gebäude ersetzt wurde oder die späte Gründung der Feuerwehr 1934, nachdem ein Bauernhof abgebrannt war, sind ebenfalls herausragende Ereignisse der Vergangenheit.

 Ach ja, und natürlich kommt auch Wiebke Kruse in dem Heft vor. Über ihre tatsächliche Herkunft gibt es viele Spekulationen. Einiges spricht dafür, dass sie nicht aus Föhrden-Barl stammt, sondern aus Puls (Kreis Steinburg). Doch seit Johanna Mestorf 1866 in ihrem Buch „Wiebeke Kruse – eine holsteinische Bauerntochter“ schrieb, dass die spätere Geliebte des Dänenkönigs Christian IV. und Besitzerin des Bramstedter Schlosses aus Föhrden-Barl stammt, steht das für die Einwohner des Ortes unumstößlich fest. Auch Hasselmann unterstrich das, als er - vermutlich augenzwinkernd - in fett gedruckten Lettern schrieb: Die Wiege unserer Wiebeke Kruse stand somit in Föhrden-Barl.